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München - Hauptstadt des Designs?

Event

München - Hauptstadt des Designs?

München – die heimliche Hauptstadt des Designs in Deutschland?

Eine Standortbestimmung der Designszene München und Vorstellung der bayern design gGmbH. Ein Ateliergespräch am 20. März 2003 im Atelier von Wolfgang Beinert in München.

 

Vorstellung der neuen »bayern design gGmbH« mit anschließendem Erfahrungsaustausch. Ateliergespräch am Donnerstag, 20. März 2003 um 20:00 Uhr im Atelier Beinert | München.

Der Journalist Jann Gerrit Ohlendorf wählte kürzlich für seinen Artikel über die Designszene Münchens die Headline »Viel Talent, wenig Zusammenhalt« (FAZ 09.02.2003). Er stellte fest, dass sich in München eine Designszene noch nicht entwickelt hat, obwohl »(…) nicht wenige Designer aus München in aller Welt angesehen sind (…)«. Der Lampen-Designer Ingo Maurer meinte in der gleichen Kolumne »Es gibt keine Designszene in München, absolut nichts gibt es«. Ein paar Zeilen darunter schmettert Grafiker Pierre Mendell: »Gutes Design hat mit München nichts zu tun«.

Und wie steht es um unsere Ausbildungsstätten? Viele Kollegen/innen sind sich darin einig: Unsere Design-Lehrer, Dozenten und Professoren gehören sicherlich nicht zu den besten der Republik. Schlampige Recherche eines Journalisten und flotte Sprüche? Oder stimmt das alles? Was ist die Wirklichkeit?

Der Gestalter Wolfgang Beinert und Hans Hermann Wetcke, Geschäftsführer des Design Zentrums München sowie der neu gegründeten bayern design gGmbH, wollen dies zusammen mit den Gästen des Ateliers Beinert am Donnerstag, 20. März im Rahmen eines Ateliergesprächs hinterfragen – eine Standortbestimmung.

Hans Herman Wetcke wird auch eine Gegenfrage stellen: Ist München nicht sogar die heimliche Hauptstadt des Designs? Sollte es der Geschäftsführer des Design Zentrums München vielleicht besser wissen? Schließlich gehört es zu seinen Aufgaben, Design in München zu beobachten und zu fördern. Fakt ist zumindest, dass in München viele renommierte Produkt- und Graphik-Designer/innen leben und arbeiten; die vom gemeinen »g« einer Antiqua bis hin zum Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen so ziemlich alles entwerfen. Und das mit sehr viel internationaler Reputation.

So gehen alle Jahre wieder viele der weltweit wichtigsten Design-Preise nach München: Die Münchner Protagonisten Wolfgang Beinert, BMW Designworks, Annette Häfelinger und Frank Wagner, KMS, Maurer, Pierre Mendell, Rolf Müller, Neumeister, Schultes und viele andere repräsentieren hier in München internationales Top-Design, das nicht nur in Deutschland, sondern auf allen Kontinenten zu Hause ist. Von den Disziplinen Architektur, Illustration, Screen-, Mode-, Foto-, Film-, Schmuck- und Akustikdesign sowie der Schrift- und Buchgestaltung mal ganz abgesehen.

 

Und die Designszene in München?

Designszene München? Was ist eine Designszene? Brauchen wir eine Designszene? Kann sich eine Designszene überhaupt entwickeln? Wofür und für wen? Wer oder was sind wir eigentlich? Antworten darauf kann uns möglicherweise ein gemeinsamer Gedankenaustausch im Rahmen dieses Ateliergesprächs geben. Die Quintessenz dieses Abends soll dann in eine konstruktive Veranstaltungsreihe münden, die durch München wandern wird; in die Schulen, in die Firmen, in die Design-Studios und natürlich in den öffentlichen Raum. Jeder darf mitmachen. Engagement ist erwünscht. Themen, die endlich wieder auf den Prüfstand und in eine öffentliche Diskussion gehören, gibt es reichlich: Ausbildung, Wissen, Selbstverständnis, Identität, Strukturwandel, Kontakt, Ethik, Moral, Verantwortung, Designförderung, Kollegialität, Berufsstand, Fachmedien, Synergien, Weiterbildung und Engagement.

 

Die neue »bayern design gGmbH«

Aber zuerst wird Hans Hermann Wetcke die neue »bayern design« und das Design Zentrum München vorstellen und Fragen dazu beantworten. Das Design Zentrum München, neben dem Designforum Nürnberg, Gesellschafter von »bayern design«, ist seit 1989 als designfördernde Institution, gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr und Technologie, tätig. Eine der Hauptaufgaben der »bayern design« ist die Bildung von Netzwerken, die Durchführung von Wettbewerben (Bayerischer Staatspreis für Nachwuchs-Designer und Deutscher Designpreis Holzspielzeug), Konferenzen, Fortbildungsveranstaltungen, Ausstellungen und Veröffentlichungen. Die »bayern design« (bayern design gGmbH, Geschäftsstelle München, Richard-Strauss-Straße 82, 81679 München) soll nun seit Ende 2002 das Thema Design an die wesentlichen Adressaten, insbesondere an die mittelständischen Wirtschaftsunternehmen, herantragen. Aktuelle Projekte von »bayern design« sind u.a. zur Zeit der Münchner »designparcours 2003« und die Durchführung einer Strukturanalyse zum Zustand des »Design in Bayern« durch die Unternehmensberatung Roland Berger.

 

Zur Person Hans Hermann Wetcke

Wetcke war 1989 Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Design Zentrums München. Seit 1994 ist er dessen Geschäftsführer und seit 2002, zusammen mit Iris Laubstein, auch der »bayern design gGmbH«. Wetcke arbeitete über 30 Jahre lang in verantwortlicher Position im Bereich Marketing. Er hat die Unternehmenskommunikation eines großen Finanzdienstleisters aufgebaut und ging lange Jahre als Auftraggeber »durch die Schule« von Otl Aicher. Er ist ein Anwalt des Designs, und zwar aus Sicht eines »Wirtschaftsmannes«. Eine seiner Ambitionen: Er möchte Brücken zwischen seiner Generation und den »Jung-Designern« schlagen.

 

Kurz zum Ablauf dieses Ateliergesprächs

1. Teil: H. H. Wetcke stellt sich, das DZM und die »bayern design« vor; 2. Teil: Gedankenaustausch und Themensammlung; 3. Teil: H. H. Wetcke stellt die neue Strukturanalyse »Design in Bayern« vor; 4. Teil: Kurze Diskussion und Ausklingen des Abends bei einem Glas Wein.

 

Resümee


Sind Designer die Bauern des 21. Jahrhunderts?

Kurz und ehrlich: Anfänglich war ich etwas verwirrt und hilflos. Die eine Kollegin formulierte Forderungen ins Nirwana, ein anderer Kollege reflektierte seinen unprofitablen Werbemitteleinsatz in einem Adressenverzeichnis des DZM und ein weiterer Kollege beklagte sich nur, dass wir eh nur alle Freiwild wären. Wo war ich? Sind das meine Kollegen?

Oh je … Ich erinnerte mich an meinen ersten Kunden. Eine Einkaufspassage mit 49 Einzelhändlern. Die Zusammenkünfte waren mehr als abenteuerlich. Alle klagten nur; jeder wollte etwas; keiner, abgesehen von zwei Filialisten, gab Impulse. Ich hatte damals sehr viel Mitleid mit dem Passagen-Manager. Nun ja, Gott hab sie seelig, die Passage gibt es heute nicht mehr.

Meine Großmutter behauptete immer, dass Bauern und Krämer von Natur aus immer jammern. Sind wir Designer also die Bauern des 21. Jahrhunderts? Unsere Studios die neuen Krämerläden? Konsum ja? Eigeninitiative nein? Einzelkämpfer statt Networker? Fordern statt Geben? Ist das wirklich so?

Wolfgang Beinert
Everything good is fragile … Save it!

 

Zusammenfassung des Ateliergesprächs


Von Gudrun Bürgin, Studentin im Atelier Beinert.

Im Rahmen eines Ateliergesprächs im Atelier Beinert am Donnerstag, 20.03.2003 wurde die provozierende Frage »München – die heimliche Hauptstadt des Designs in Deutschland?« in den Raum gestellt. In diesem Zusammenhang stellte Hans Hermann Wetcke das Design Zentrum München (DZM) und die bayerndesign gGmbH vor. Rund 140 Gäste waren anwesend, überwiegend Kolleginnen und Kollegen.

 

I. Das Design Zentrum München (DZM) und die bayern design gGmbH

Das DZM wurde 1989 gegründet. Hans Hermann Wetcke war damals bereits ein Mitbegründer und Vorstandsmitglied. Seit 1994 ist er Geschäftsführer. Die bayerndesign ist ein Zusammenschluss des DZM und des Designforums Nürnberg e.V. mit staatlicher Förderung. Auch hier ist H. H. Wetcke Geschäftsführer, zusammen mit Iris Laubstein vom Designforum Nürnberg e.V.

Die grundlegende Idee für die Gründung des DZM war es, eine Plattform für Gestaltung im weitesten Sinne zu schaffen. In anderen Bundesländern existieren bereits erfolgreich ähnliche Zentren, beispielsweise in Hannover, Bremen, Stuttgart oder in NRW das Design Zentrum Nordrhein Westfalen. Das DZM versteht sich als Anlauf- und Schnittstelle für Fragen über das Design in nahezu allen Designdisziplinen. Das Dienstleistungsspektrum umfasst unter anderem Beratung verschiedenster Art und Ausbildungsberatung.

Der Ausbildungssituation selbst wird gesonderte Aufmerksamkeit gewidmet. Durch verschiedene Projekte sollen die bayerischen Ausbildungsstätten aus dem Mittelmaß geführt werden. Hierbei handelt es sich einerseits um Programme, die an Gymnasien und Realschulen bei der Fortbildung der Kunstpädagogen ansetzen. Andererseits um Reformen, die in der späteren Berufsausbildung an den Hochschulen durchgeführt werden. Die Kunstpädagogen sollen bereits gezielt zur Ausbildung hinführen, bzw. allgemein die Schüler mehr für Gestaltung sensibilisieren und dabei mit Gestaltern in ständigem Kontakt stehen. Ziel ist es, die Berufsbilder der Gestaltungsberufe vorzustellen und angewandte Projekte mit den Schülern durchzuführen.Die jungen Menschen sollen früh mit Gestaltung konfrontiert werden.

Daneben soll das DZM auch als eine Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Design fungieren. Es sollen neue Produkte in neuer Qualität auf den Markt gebracht werden, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können. Daher rührt auch die Förderung des Wirtschaftsministeriums. In diesem Sinne gibt es auch eine Technologieförderung für Produktdesigner, ein attraktives Förderprogramm für die Produktentwicklung mit jungen Unternehmen. Die bayerndesign will das Netzwerk vom DZM in weiteren Städten ausbauen, auch in Zusammenarbeit mit den IHK´s. Es soll also eine Info- und Kontaktstelle in Kooperation mit den Unternehmen aufgebaut werden. Auch hier stellt wiederum die Verbesserung der Ausbildung eines der Hauptziele dar.

 

Die Studie von Roland Berger

Hans Hermann Wetcke stellt eine Marktanalyse über Design vor, die in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung von Roland Berger generiert wurde. Im selben Zuge fordert er das Publikum zur Beteiligung auf. Die Studie wird unter anderem aktuelle Fragen über den Markt, über die Offenheit und Unterstützung der Unternehmen und vor allem über den Ausbildungszustand umfassen. Auch die Unternehmen als Auftraggeber sollen angeschrieben und befragt werden. Hierbei wird zum Beispiel nach der Beschäftigung von Designern geforscht, in welchen Bereichen sie sich weiterbilden wollen und was Firmen für Design ausgeben. In den 90er Jahren gab es bereits eine ähnliche Studie, die einiges über die Entwicklung des Designerberufs bis heute aussagt. Erstaunlicherweise war schon damals die Ausbildung ein heißer Brennpunkt. In der Studie geht es auch darum, den Unternehmen die erfolgreiche Arbeit der Designer zu kommunizieren. Besonders an der neuen Studie ist, dass die Qualität der Ausbildung verstärkt im Vordergrund steht. Hier will die Studie den Prozess einer Entwicklung kommunizieren.

 

Der Designparcours

Ein weiteres Projekt der bayern design ist der seit 2002 in München stattfindende Designparcours, der im Jahr 2003 vom 7.-13. Juli unter dem Thema »DesignSinn« stattfinden wird. Der Designparcours wurde dafür geschaffen, die Kommunikation innerhalb der Szene und außerhalb mit der breiten Öffentlichkeit anzuregen. Ziel ist es, München als Stadt mit einer breitgefächerten Designszene vorzustellen. Bewerben kann sich jeder.

 

Das Handbuch »Design in München«

Zum ersten Designparcours im Jahre 2002 wurde ein Buch erstellt, welches den Charakter eines Branchenverzeichnisses aufwies. Im Anschluss daran wurde das Medium Buch für diese Zwecke in Frage gestellt, denn eine Website als kostengünstigeres und gut aktualisierbares Medium erschien weitaus förderlicher. Fakt ist, dass es primär um Vermittlung von Information (Kurzportraits, den Aufbau eines Netzwerkes und einer Datenbank) geht und nicht um die Präsentation von Gestaltung. Es soll ein Verzeichnis sein, kein Bildband. Entgegen dem zu beobachtenden Trend ähnlicher Bücher wie »Who is Who« oder anderen, die zunehmend teurer werden, sollten die Kosten möglichst gering gehalten werden. Im weiteren stellt H. H. Wetcke den Plan vor, zusätzlich auch ein Buch mit der Gruppe der «Träger« von Designleistung, also potenziellen Auftraggebern herauszubringen.

 

Einladung zum Kontakt

Abschließend lud Herr Wetcke alle ein, das DZM zu besuchen, Broschüren anzufordern und seine Hilfe und Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Als Plattform ist zukünftig eine Website vorgesehen. Zur Förderung für Aktivitäten im Rahmen des DZM kann auf eine Datenbank mit 1200 Designern in Bayern, Behörden, Architekten und Galerien zurückgegriffen werden. Diese Daten können jedoch nicht öffentlich gemacht werden.

 

II. Diskussion

Gibt es in München eine Designszene?

 

Im Grunde kam nicht wirklich eine konstruktive Diskussion mit weiterführenden Ergebnissen oder besonders erörterten Fragen zustande. Vielmehr handelte es sich um eine Reihung verschiedener Anliegen und Defizite. Es ließ sich grundsätzlich feststellen, dass zwar mehr Interaktion gewünscht wird, aber wenig Eigeninitiative dafür vorhanden ist.

 

Der Kontakt

Eine Designszene, das heißt Kontakt, das ist Austausch und Zwiegespräch. Da sich 139 Gäste an diesem Abend im Atelier Beinert einfanden, scheint es grundsätzlich ein Bedürfnis dafür zu geben. Wie dieser Austausch im genaueren aussehen soll, bleibt allerdings vage. Einerseits soll es um Öffentlichkeitsarbeit gehen, um Themenaussprache und Informationsaustausch. Dieser soll auch über Kundenerfahrungen erfolgen. Andererseits soll es nicht nur verbale Kommunikation, sondern auch Workshops, Fortbildung und ein Webforum mit visuellen Manifesten geben. Was im weiteren vom DZM getan werden könnte und sollte, ist die Organisation, einer Messe oder einer Kampagne als Maßnahme für das Berufsbild, und als Maßnahme um dem Kunden den Nutzen von guter Gestaltung besser zu kommunizieren.

 

Das Engagement

Die Frage nach dem eigenen Engagement und der Bereitschaft der Anwesenden bleibt bis auf zwei bereits aktive unbeantwortet: Kira Song leitet beim FIWM einen AK Webdesign. Martin Bauer macht dort seit diesem Jahr einen Agenturgipfel. Dort sollen zum Beispiel Leitlinien gegeben werden, wie man im Rahmen von Ausschreibungen formal und rechtlich richtig vorgeht. Im weiteren wird die Forderung Leute zu »verhandeln« an das DZM gestellt. Herr Wetcke soll »Managertätigkeiten« übernehmen. Doch laut Wetcke müssen die Leute die Kommunikation doch selbst generieren, das DZM kann nur Hilfe geben und vermittelnde Funktionen übernehmen.

 

Das Berufsbild

In Frage gestellt wurde unter anderem auch die Definition des Berufsbildes. Lange Zeit wurde für den noch verhältnismäßig jungen Beruf des Gestalters kaum etwas getan. Fraglich ist, ob ein Titel und die Berufsbezeichnung überhaupt eine Rolle spielen. Nach dem Vorbild der Architekten ebenso eine Kammer zu bilden scheint nicht vorteilhaft, denn auch hier entspricht die z.B. dadurch vorgegebene Regulierung der Tarife nicht mehr mit der Realität überein. Zusätzlich sind Verbände oft in ihren Strukturen verkrustet. Es bringt also doch nichts, sich über Titel zu definieren. Ausschlaggebend ist im Endeffekt nur die Qualität, nicht ein gewisser, sehr relativer Titel.

 

Die Ausbildung

Dennoch führt diese Frage zum Berufsbild wieder direkt zur Ausbildungsqualität. Rolf Müller, der in Dornbirn einen Lehrauftrag hat, berichtet über neue Pläne, nach denen die Gestaltungsausbildung grundsätzlich europaweit erneuert und angeglichen wird, über das so genannte »Bologna Paper«. Herr Wetcke berichtet auch von Erneuerungen, die dazu führen dass wissenschaftliches Arbeiten, wie Promotionen im Bereich Gestaltung möglich werden und gefördert werden sollen. Diese bedeuten immer eine Qualitätssteigerung durch qualifiziertere Absolventen und somit auch eine Differenzierung was die Titulierung anbelangt. Das Niveau der Ausbildung liegt aber nicht nur am System, sondern auch an den entsprechenden Dozenten. Kritik wird deshalb auch am Lamentieren über den Ausbildungsstandort geübt, und daran, dass die Designer selbst nichts dazu zu tun, den Standort zu verbessern und in fremden Städten Lehraufträge annehmen. Neben Lehrtätigkeiten, die sicher nicht für jeden etwas sind, gibt es andere Möglichkeiten hier mitzuwirken oder neue Konzepte zu entwickeln, und zwar nicht nur durch Praktikanten, sondern durch Betreuung von Studenten während des Studiums, wie Mentoren es in vielen anderen Fachrichtungen tun. Das kann für beide Seiten ein fruchtbarer Kontakt sein. Wünschenswert ist es, den Studenten den Einstieg und die Orientierung durch Transparenz in der Szene zu erleichtern. Es sollten Berührungspunkte zwischen Jungen und Alten geschaffen werden.

 

Das Fazit

Fakt ist, es braucht Eigeninitiative von Seiten der Designer! Dann ist das DZM eine Anlaufstelle und ein Förderer. Schließlich scheinen die Bedürfnisse der Designer ähnlich zu sein: eine Community, die es so derzeit in München also nicht gibt. Jedoch ist eine Erziehung zur Initiative für den gemeinsamen Austausch, ohne Berührungsängste, das fehlende Glied zwischen dem einzelnen Designer und der Gemeinschaft der Designer. Ein Grund mehr, bereits in der Ausbildung anzusetzen.

 

Zitate des Abends


 

Alle Fragen beziehen sich nur auf Kommunikation zwischen Designern. Wie sieht es mit den Menschen aus, wie werden die erreicht? … Nur Worte sind zu wenig für bleibende Kommunikation.

Martin Heidegger, Mediengestalter, Traumwandler, Linz

Kunstunterricht ist eine andere Sache als eine Gestaltungsausbildung.
Kersten Frfr. von Sohlern, Grafikdesignerin, Unterhaching

Die Idee dieses Treffens war absolut gut und notwendig … Unser Beruf des visuellen Gestalters ist etwa 45 Jahre alt, davor gab es nur Einzeltäter und Pioniere … Es ist nichts für das Bild in der Öffentlichkeit getan worden … Im Moment wird unser Beruf inflationär behandelt … Wir sind doch alle nur Freiwild! … Kontakt ist Zwiegespräch, so etwas muss wachsen.
Rolf Müller, Grafikdesigner, Büro für visuelle Gestaltung, München

Es ist wichtig, den Menschen früh mit dem Kreativen zu konfrontieren … Was ist Kontakt? Sich nur zu präsentieren?
N.N.

Man sollte doch zuerst seinen eigenen Standpunkt klären, bevor man irgendwo hin will. … Es steht doch jedem offen, etwas zu tun!
Wolfgang Beinert, Designer, Typograph und Photograph, Atelier Beinert, München

Ich habe keinen Bedarf an zusätzlicher Arbeit … Herr Wetcke sollte die Managertätigkeiten übernehmen.
Irmgard Voigt, Grafikdesignerin, München

Die Leute müssen die Kommunikation doch selbst generieren … Es gibt einige wenige, die auch ohne Ausbildung großen Erfolg haben, wie Mies van der Rohe beispielsweise. Die Arbeit selbst zählt.
Hans Hermann Wetcke, Geschäftsführer, Design Zentrum München

Es sind doch zu viele Bewerber auf dem Markt, aber die Qualität ist so schlecht, 90 Prozent davon sind Müll.
Alexander Pohl, Creativ Director, Oestreicher & Wagner, München

Die Arbeit selbst ist doch er Maßstab.
Renate Giesecke, Grafikdesignerin, Wiesbaden

Ein Zusammenschluss kann zu verbesserten Ergebnissen führen.
Friedrich Roescheisen, Producer, München

 

Anmerkung aus der Perspektive des Jahres 2007


Das Design Zentrum München (DZM) existiert in dieser Form nicht mehr, Herr Wetcke hat seine Funktion als GF aufgegeben, die »bayern design« hat München verlassen und residiert jetzt in Nürnberg, die überteuerte »Strukturanalyse von Roland Berger« stellte sich als unhaltbar und unbrauchbar heraus, Rolf Müller und Pierre Mendell haben inzwischen ihre Designstudios im Wesentlichen aus Alternsgründen aufgegeben, Wolfgang Beinert hat München 2006 fluchtartig in Richtung Berlin verlassen, die Ausbildungssituation ist noch katastrophaler geworden, z.B. wurde die Fotoakademie aufgelöst und die Fachhochschule München hat bis heute aufgrund fehlender Qualifikation keinen Master-Studiengang (Design), das Modemuseum wurde aufgelöst, die Kulturreferentin wurde gefeuert, angekündigte und beschworene »Designprojekte« der »bayern design« erwiesen sich als Placebos und diverse private Initiativen, beispielsweise das Design-Kulturzentrum oder der Designcenter München, sind aufgrund mangelnder Unterstützung und vehementen Widerstands kläglich gescheitert. München die Hauptstadt des Designs?

 

Weiterführende Informationen

Goodby Microbrain City! Ein Interview mit Wolfgang Beinert über die Münchner Designszene.
Jammert nicht! Krempelt die Ärmel hoch und packt an … Ein Interview mit Wolfgang Beinert über Grafikdesign, Dozenten, Studenten, Zukunftsängste und die Ausbildungsmisere in Deutschland.
Über Folterkeller in München, Baby-Designer und einen teuflischen Gott. Ein Essay von Wolfgang Beinert für das Designmagazin Zwiebelfisch.
bayern design GmbH: www.bayern-design.de 

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Atelier Beinert | Berlin
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