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Bernhard Pompey

Event

Bernhard Pompey: Soziale Verantwortung im Kommunikationsdesign

Über Corporate Social Responsibility und die Macht der Bilder im Nah-Ost Konflikt. Ateliergespräch am 25.2.2010 mit Bernhard Pompeÿ im Atelier von Wolfgang Beinert in Berlin.

 

Kurz vorweg

Ab 2010 werde ich wieder an die Münchner Tradition des »offenen Ateliers« anknüpfen; geplant sind Vorträge, Gespräche, Autorenlesungen und vieles mehr, u.a. mit dem Editiorial Designer und Verleger Horst Moser, dem Philosophen Thomas Friedrich, dem Verleger Hannes Wanderer und dem Graphic Designer Olaf Leu. Wissensvermittlung, Erfahrungsaustausch und vor allem die Begeisterung und Freude zu unserer Profession werden im Mittelpunkt dieser Events stehen. Bernhard Pompeÿ wird der erster Gast meiner Ateliergespräche in Berlin sein.

 

Kurz zu Bernhard Pompey

Bernhard ist nicht nur mein erster Gast, sondern auch der jüngste, geboren 1977 in Würzburg, ein Franke also. Kennengelernt habe ich ihn 2004 in Freiburg im Breisgau, als er dort zusammen mit seiner ehemaligen Kommilitonin Swetlana Schwarzkopf das Designforum Freiburg ins Leben rief. Soweit ich mich erinnere, war »das« die Abschlussarbeit der beiden an der Freien Hochschule für Grafik-Design und Bildende Kunst; wofür sie – neben ihrem Diplom – auch gleich noch eine Anerkennung im Rahmen des Lucky Strike Junior Designer Award von Kurt Weidemann und seinen Kumpels bekamen. Weidemann, andere Kollegen und ich waren damals von den beiden als Referenten nach Freiburg eingeladen worden, waren also nüchtern betrachtet, Teil Ihrer Diplomarbeit.

Bernhard Pompey: Welche Rolle spielt die soziale Verantwortung im Bereich der Kreativwirtschaft? Welche Antworten ergeben sich bei Fragen nach Ethik, Qualität oder der reinen Dienstleistung? Hat diese Art von Paradigmenwechsel überhaupt eine Chance?

Bernhard Pompey: Welche Rolle spielt die soziale Verantwortung im Bereich der Kreativwirtschaft? Welche Antworten ergeben sich bei Fragen nach Ethik, Qualität oder der reinen Dienstleistung? Hat diese Art von Paradigmenwechsel überhaupt eine Chance?

 

Der erste Eindruck, der mir von Bernhard Pompeÿ in Erinnerung blieb, war – abgesehen von seiner stattlichen Größe von fast zwei Metern und seiner gut polierten Glatze (sorry Bernhard) – sein Engagement und seine ungewöhnliche Neugierde. Ständig löcherte er mich Fragen und suchte den Disput. Seitdem pflegen wir beide regelmäßig Kontakt. Und auch heute noch frägt er mir – und garantiert anderen auch – Löcher in den Bauch.

Aber wie hat unser geschätzter Kollege Rolf Müller einmal so treffend formuliert: Neugierde ist die Voraussetzung für Kreativität … Heute ist Bernhard Pompeÿ »Master of Arts Kommunikationsdesign« und arbeitet aktuell an der Hochschule Mannheim als Dozent und Projektmanager. Zuvor hat er sich noch einige Zeit in der Welt herumgetrieben, um in Designstudios oder als Workshopleiter in New York, Amsterdam, Sydney, Moskau und Haifa Erfahrung – vermutlich nicht nur in gestalterischen Dingen – zu sammeln. Eine kleine Hand voll Designpreise hat er für seine Aktivitäten auch schon bekommen.

 

Zum Thema

Bernhard Pompeÿs Vortragsthema ist die »Soziale Verantwortung im Kommunikationsdesign«. Er schrieb mir im Zuge der Vorbereitung auf dieses Ateliergespräch dazu folgendes … »Die soziale Verantwortung von Unternehmen (Corporate Social Responsibility, CSR) hat in den letzten Jahren in unserer Gesellschaft zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die Gesellschaft beginnt mehr und mehr zu verstehen, dass Reichtum nicht mit ökonomischem Kapital gleichgesetzt werden kann, sondern im wesentlichen ein hohes Maß an sozialem, ökologischem und menschlichem Kapital darstellt. CSR wird von Seiten der Politik, der Kirchen und der Wirtschaft, auf nationaler, europäischer und globaler Ebene inzwischen verstärkt als eine Notwendigkeit betrachtet – und das in einer Zeit des industriellen Wandels und der wachsenden Globalisierung«.

Bernhard Pompeÿ geht es hier sicherlich in erster Linie darum, Fragen zu stellen, Ausblicke zu geben und Beispiele von geglückter und missverstandener Verantwortung im Kreativsektor aufzuzeigen sowie anhand eigener Projekte das Thema einzukreisen. So wird er u.a. auch in diesem Ateliergespräch auf sein Projekt »Kommunikation als Konfliktlösung? Die Macht der Bilder im Nah-Ost Konflikt« verweisen, dass sich mit den konfliktreichen israelischen und palästinensischen Darstellungs- und Kommunikationsformen beschäftigt. Eine gemeinsame Diskussion bzw. ein Erfahrungsaustausch ist nach dem Vortrag erwünscht.

 

Resümee


Zu kurz gegriffen? Ich war wirklich erstaunt, dass das Thema so viel Interesse fand. Der Vortrag war mit rund 160 Zuhörern gut besucht, was ich eigentlich vorab nicht erwartete. Schließlich ist das Thema »Soziale Verantwortung« sehr theoretisch und Bernhard Pompeÿ jung und noch unbekannt. Bernhard hielt sich aber tapfer und referierte etwas über eine Stunde. Die anschließende Publikumsdebatte dauerte dann noch einmal gut eineinhalb Stunden.

Bernhard Pompeÿs Vortrag konzentrierte sich primär auf die Interpretation von Fotomaterial, das während seiner Reisen in den Nahen Osten und nach Schwarzafrika entstand.

Bernhard Pompeÿs Vortrag konzentrierte sich primär auf die Interpretation von Fotomaterial, das während seiner Reisen in den Nahen Osten und nach Schwarzafrika entstand.

So beispielsweise politische Stencils aus Palästina und Israel. Also Graffitis, die mit Hilfe von Schablonen gesprüht werden.

So beispielsweise politische Stencils aus Palästina und Israel. Also Graffitis, die mit Hilfe von Schablonen gesprüht werden.

Das Publikum bestand überwiegend aus Kolleginnen und Kollegen aus der Design- und Fotoszene. Die Zuhörer waren nicht nur zahlreich, sondern – wie sich später herausstellen sollte – auch zahlreich kritisch.

Das Publikum bestand überwiegend aus Kolleginnen und Kollegen aus der Design- und Fotoszene. Die Zuhörer waren nicht nur zahlreich, sondern – wie sich später herausstellen sollte – auch zahlreich kritisch. Mit auf dem Bild rechts: Ana Druga und Alexander Tibus.

Nach rund einer Stunde wechselte der Vortrag dann in eine engagierte Aussprache, die sich über eineinhalb Stunden hinzog. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich das Publikum schon beinahe nonverbal einig war, dass der Vortrag von Bernhard so nicht hingenommen werden sollte.

Nach rund einer Stunde wechselte der Vortrag dann in eine engagierte Aussprache, die sich über eineinhalb Stunden hinzog. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich das Publikum schon beinahe nonverbal einig war, dass der Vortrag von Bernhard so nicht hingenommen werden sollte. So kritisierte beispielsweise der Verleger Hannes Wanderer (Peperoni Books, Berlin), dass das Thema »Soziale Verantwortung im Kommunikationsdesign« im Vortrag nicht zufriedenstellend herausgearbeitet wurde. Wie kann ein Designer denn nun Konflikte entschärfen? Im Bild: Wolfgang Beinert (links stehend) und Bernhard Pompeÿ (rechs stehend).

Der Webdesigner Ingo Krehl aus Berlin brachte die beinahe schon kollektive Kritik später per eMail auf den Punkt: Es war zwar ein interessanter Vortrag, aber es fehlte die konkrete Information zum Thema. Welche Rolle spielt denn nun die soziale Verantwortung im Bereich der Kreativwirtschaft?

Der Webdesigner Ingo Krehl aus Berlin brachte die beinahe schon kollektive Kritik später per eMail auf den Punkt: Es war zwar ein interessanter Vortrag, aber es fehlte die konkrete Information zum Thema. Welche Rolle spielt denn nun die soziale Verantwortung im Bereich der Kreativwirtschaft? Im Bild rechts: Prof. Jay Rutherford (Bauhaus-Universität Weimar).

Vielen Kolleginnen und Kollegen war der Corporate Social Responsibility-Ansatz zu oberflächlich. Vielen Diskutanten fehlte der ethische und moralische Aspekt gänzlich.

Vielen Kolleginnen und Kollegen war der Corporate Social Responsibility-Ansatz zu oberflächlich. Vielen Diskutanten fehlte der ethische und moralische Aspekt gänzlich.

Schlussendlich waren sich aber die meisten Gäste – wie hier die Kolleginnen und Kollegen von der AGD (Allianz deutscher Designer) – einig: Zum Nachdenken hat der Vortrag aber allemal angeregt. So notierte am nächsten Tag ein Gast per eMail: »Für meinen Freund und mich war es sehr interessant und erfrischend. Wir haben in der Folge noch bei uns zuhause weiter diskutiert«. Im Bild von rechts nach links: Sabine Schneider, Susanne Babst, Peter Paul Hennicke (AGD Vorstand) und Jürgen Grothues (AGD Vorstand).

Schlussendlich waren sich aber die meisten Gäste – wie hier die Kolleginnen und Kollegen von der AGD (Allianz deutscher Designer) – einig: Zum Nachdenken hat der Vortrag aber allemal angeregt. So notierte am nächsten Tag ein Gast per eMail: »Für meinen Freund und mich war es sehr interessant und erfrischend. Wir haben in der Folge noch bei uns zuhause weiter diskutiert«. Im Bild von rechts nach links: Sabine Schneider, Susanne Babst, Peter Paul Hennicke und Jürgen Grothues.

 

Kurzum: Bernhard Pompeÿs Vortrag war gut fotografiert und illustriert. Seine Betrachtungsweisen griffen dem Publikum aber etwas zu kurz. Seine Ansicht, so ein Thema nur mit gewisser Distanz bewerten zu können, wurde nur bedingt geteilt. Ansonsten wären sich die Zuhörer in der Geschlossenheit ihrer Kritik nicht so einig gewesen. Aber das ist okay, das ist gut so. Bernhard Pompeÿ hat sich viel Mühe gegeben und auch viel Zeit investiert. Sein Vortrag wurde zwar sehr kritisch bewertet – aber das gehört dazu. Wer sich nicht äußert, wird nicht kritisiert. Wer nichts unternimmt, eckt nicht an. Und wer nicht aus dem Haus geht, kommt nirgendwo an.

Bernhard Pompeÿ Vortrag hat mich zum Nachdenken angeregt. Ein wichtiger Schritt zur Selbsterkenntnis …

Vielen Dank Bernhard!

Zum Schluss noch herzlichen Dank an alle Protagonisten des Ateliergesprächs. An Bernhard Pompeÿ für seine kostbare Zeit, an Pierre La Baume für die Hilfeleistungen. Und natürlich ein Merci an meine vielen Gäste, Kollegen und Freunde, die teilweise von sehr weit her angereist kamen.

Wolfgang Beinert
Everything good is fragile … Save it!
Berlin, 28. Februar 2010

 

YouTube


 

Weiterführende Informationen

Zu Bernhard Pompeÿ: www.bernhardpompey.de
Zum Thema Kommunikation als Konfliktlösung: www.bernhardpompey.de/israel

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Atelier Beinert | The Fine Art of Graphic Design
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