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Dr. Matthias Lausen: Das neue Urheberrecht


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Dr. Matthias Lausen: Das neue Urheberrecht

Ateliergespräch im Atelier Beinert | München mit Dr. Matthias Lausen: Das neue Urheberrecht – Oder wie Kreative und ihre Auftraggeber Ärger vermeiden.

Der Münchner Jurist Dr. Matthias Lausen referiert am 10.10.2002 im Rahmen eines Ateliergesprächs im Atelier Beinert in München über das neue Urheberrecht.

§ 1 Prolog
Gibt es geistiges Eigentum? Wenn ja, wie sind dann geistige Schöpfungen durch das Urheberrechtsgesetz geschützt? Dürfen Entwürfe von Nicht-Urhebern verändert werden? Wann und wie werden Nutzungsrechte verletzt? Welche Rechtsmittel und Sanktionen gibt es?

§ 2 De facto
Unbequeme und komplizierte Fragen, um deren Antworten sich in der Regel sowohl wir Kreativen als auch unsere Auftraggeber drücken. Entweder aus Unwissenheit oder schlicht aus Bequemlichkeit; denn unter uns Kreativen gilt leider noch immer: Über Geld spricht man nicht, und Verträge sind was für Erbsenzähler. Und die Devise vieler Auftraggeber? Wird schon gut gehen – mögliche Streitigkeiten erledigen wir später.

§ 3 Prävention
(1) Streitigkeiten, Ärger, schlaflose Nächte und Prozeßrisiken können bereits im Vorfeld vermieden bzw. minimiert werden. Und zwar durch Kenntnis der juristischen Rahmenbedingungen und durch schriftliche Verträge.
(2) Dr. Matthias Lausen wird über das neue Urheberrecht und seine Konsequenzen sprechen. Er wird versuchen, im interaktiven Rahmen Hilfestellung zu bieten, quasi als eine Art „präventiver Rechtsschutz“ zur Stärkung der vertraglichen Stellung von Urhebern und ausübenden Künstlern.

§ 4 Jurisprudenz
Das neue Urheberrecht differenziert die Verwertung und Wiedergabe eines Werkes nach körperlicher und unkörperlicher Form. Erstere, das heißt, die materielle Verwendung beinhaltet das Vervielfältigungsrecht, das Verbreitungsrecht und das Ausstellungsrecht. Des Weiteren hat der Urheber das Recht der öffentlichen, unkörperlichen Wiedergabe inne. Dieses umfasst das Vortrags-, Aufführungs- und Vorführungsrecht, ferner das Senderecht, das Recht der Wiedergabe durch Bild- und Tonträger, sowie das Recht der Wiedergabe von Funksendungen. Kurz, das neue Urheberrecht definiert den Gegenstand und die daraus resultierenden Konsequenzen für den Nicht-Urheber, soll heißen, die zulässige Art und Weise der Verwendung, beispielsweise die Vervielfältigung oder Modifikation des Werkes, beziehungsweise die Sanktionen im Falle eines Verstoßes.

§ 5 Referent
Dr. Matthias Lausen studierte Rechtswissenschaften in Mannheim und später in München. Dort war er neben seinem Studium drei Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Stiftung Wissenschaft und Politik tätig. Ab 1992 arbeitete er für das Institut für Urheber- und Medienrecht, wo er ebenfalls zum Thema der Schutzfähigkeit von Fernsehshow-Formaten promovierte. Von seiner 1995 vollzogenen Selbständigkeit, bis hin zur 1997 gegründeten Anwaltssozietät, konzentrierte und spezialisierte sich Lausen auf Urheber-, Verlags- und Softwarerecht, Recht der digitalen Medien, weiter auf Film- und Rundfunkrecht. Dem Institut für Urheber- und Medienrecht bleibt er bis heute als Geschäftsführer und als Redakteur der ZUM (Zeitschrift für Urheber- und Medienrecht), sowie des dazugehörigen Rechtsprechungsdienstes treu.

Zu seinem Klientel zählen überwiegend Produktionsgesellschaften, Lizenzhändler aus der Filmbranche, Medienunternehmen und Kreative. Dabei umfasst die Beratung nicht nur Fragen des klassischen Medienrechts, sondern auch Arbeits- und Gesellschaftsrecht ebenso wie Fragen des gewerblichen Rechtsschutzes. Neben Publikationen seiner Kanzlei zu technisch und rechtlichen Entwicklungen im Medienbereich hält Lausen in Kooperation mit der Akademie des deutschen Buchhandels in München regelmäßig medienrechtliche Fachseminare und Vorträge. In seinen Seminaren zum Urheber- und Vertragsrecht werden profundes Fachwissen und fundamentierte Kenntnisse der juristischen Grundlagen des modernen Verlagsvertrages vermittelt. Diese werden anhand ausgewählter Probleme aus der Praxis zur Veranschaulichung und Fehlervermeidung näher erörtert. Darüber hinaus sollen die Teilnehmer, gerade im Zuge der zunehmenden Digitalisierung, für Regelungen in den Verhandlungen und im Verlagsvertrag sensibilisiert werden.

 

Resümee des Ateliergesprächs


von Tanja Schlinck und Jasmin Lappe (*)

Nachdem am Donnerstagabend um kurz nach acht Uhr die rund 60 Gäste eingetroffen waren, begann Dr. Matthias Lausen seinen Vortrag vor illustrer Runde: neben überwiegend Selbständigen und Freiberuflern hatten sich auch einige Studenten eingefunden. Die Atmosphäre war recht locker, und so hatte weder jung noch alt Scheu, auf dem Boden Platz zu nehmen, um dem Rechtsanwalt und seinem Vortrag zu lauschen. Dem besseren Nachvollziehens wegen teilte Dr. Lausen zunächst Handouts (Zusammenfassung UrhG) an seine Zuhörer aus, die die relevanten Paragraphen der Urheber-, Verlags- und Persönlichkeitsrechte enthielten.

Nach kurzem Vorstellen seiner selbst, kam er gleich zu der brennenden Kernfrage: Gibt es geistiges Eigentum? Die Antwort lautete eindeutig ?Ja?, denn jede Schöpfung hat ein Recht auf geistiges Eigentum und dieses ist mit Sacheigentum, sagen wir mal beispielshalber mit einem Auto zu vergleichen. Den Golf ließ Lausen das gesamte Gespräch über als verdeutlichendes Beispiel auf dem roten Faden des Rechtskataloges fahren, zu jedem neuen Paragraphen, zu jedem neuen Fall gab er das passende Beispiel mit Hilfe des Volkswagens und dem bösen Nachbarn, der die Straftäter symbolisieren sollte.

Das hohe Interesse an dem Rechtsthema zeichnete sich sehr schnell ab, denn bereits nach einer halben Stunde Rednerzeit wurde der Jurist von Fragen gelöchert, so dass er infolge der hohen Interaktion fast gar nicht mehr seiner vorgesehen Suada folgen konnte. Trotz der chronologischen Modifikation seines Vortrages auf Grund der vielen Zwischenfragen, die er darüber hinaus ja auch für gute Fragen oder Beispiele hielt, verlor er nie die Übersicht und stellte somit seine Kompetenz durch rednerisches Talent und Professionalität unter Beweis.

Was waren jetzt aber die eigentlichen Kernpunkte des Ateliergespräches, was war dem Auditorium neu und welche Einsichten gewann es? Als wichtigen Fakt nannte Lausen zunächst, dass das Urheberrecht keineswegs übertragbar ist. Zwar kann man Nutzungsrechte zum Verkauf anbieten, niemals jedoch das persönliche Urheberrecht. Des Weiteren erfuhr man, dass geistiges Eigentum auch vererbbar ist, nämlich bis zu 70 Jahre nach dem Tod des Schöpfers. Danach ist es nicht mehr urheberrechtlich geschützt. Eine Schöpfung bedarf weiter keiner expliziten Kennzeichnung, sie ist automatisch urheberrechtlich geschützt. Bei der Benutzung von Schriften aber, muss der Schöpfer natürlich nicht explizit genannt werden, worüber der Typograph Kurt Weidemann im Falle Beate Uhse übrigens ganz froh war, wie er an dieser Stelle bemerkte.

So verstand es der Rechtsgelehrte seine Zuhörer nicht nur durch witzige Auto-Nachbar-Beispiele und spitzfindige Bemerkungen zu amüsieren, sondern erregte die Gemüter im positiven wie im negativen Sinne durch die einschneidende Änderung im Paragraphen 32 seit Juli diesen Jahres. Diese gibt dem Urheber nämlich die Möglichkeit, durch einseitige Vertragsänderung den vereinbarten Preis nachträglich erhöhen zu können – wenn er es für angemessen hält. Die Freude auf Seiten der Künstler war natürlich entsprechend groß, schien man doch bei einigen schon die Dollarzeichen, bei dem Gedanken an die rückwirkend eingeforderten Honorare, aufblitzen sehen zu können.

Großen Wert legte Dr. Lausen auf die Vertragsabschließung, da hier immer noch gravierende Fehler gemacht, oder besser gesagt nicht genügend Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Trotz der bereits fortgeschrittenen Zeit, legte der toughe Rechtsanwalt seiner Hörerschaft ans Herz, bei der Vertragsabwicklung schon auf wesentliche Punkte und Bestimmungen zu achten, um spätere Konflikte präventiv auszuschließen.

(*) Tanja Schlinck, Studentin im 4. Semester Publizistik, Uni Mainz und Jasmin Lappe, Studentin im 6. Semester Medienwissenschaft, Uni Paderborn. Beide absolvieren zur Zeit ein Volontariat im Atelier Beinert.

 

Weiterführende Informationen

Kanzlei Lausen Rechtsanwälte, München, www.lausen.com

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Atelier Beinert | Berlin
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