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Florian Kohler

Event

Florian Kohler: Der Papiermacher

Florian Kohler spricht über seine Feinstpapiere aus der Büttenpapierfabrik Gmund am Tegernsee. Ateliergespräch am 5.12.2002 im Atelier von Wolfgang Beinert in München.

 

Es ist eine Hommage an eine zeitlose Schönheit, an eine Ästhetik, die Sachlichkeit mit Traumhaftem verbindet. Wo die Geschwindigkeit der Geschäftswelt, die Unermüdlichkeit der Wissenschaft und die Genialität der Technik zur Poesie und Schönheit verschmelzen, dort liegt die Welt von Transparence. Dieses Zitat von Florian Kohler beschreibt eines der Papiere aus der gmundschen Kollektion; es offenbart zugleich ein Anspruchsdenken, welches die Büttenpapierfabrik seit Jahren in authentische und kreative Produkte einfließen läßt.

 

Papier als zeitloses Medium

Die Entwicklungen in unserer heutigen Kommunikationskultur haben uns mit der Erfindung digitaler Medien, Tore zu ungeahnten medialen Kommunikationsformen geöffnet. Und dennoch ist Papier mit seinem Selbstverständnis für gefühlsmäßige Bindung an den Menschen, wahrscheinlich der noch wichtigste Schrift- und Kulturträger geblieben. Darüber hinaus hat das Medium Papier ganz besonders im 21. Jahrhundert einen Stellenwert eingenommen, das in einem Zeitalter visueller Medien als Bildträger und als wichtiger Bestandteil grafischer Entwürfe eine außerordentlich große Rolle spielt. Im Bereich Design ist Papier mit seiner wandelbaren Oberflächenwelt ein unverzichtbares Mittel zu qualitativ hervorragenden Arbeiten geworden. Im Werkstattgespräch am 5. Dezember wird Florian Kohler über die Papiermacherkunst berichten, die in einer kleinen Fabrik im idyllischen Mangfalltal am Tegernsee geboren, heute weltweite Begeisterung bei anspruchsvollen Kunden auslöst. Er wird dabei auf die Wirkung, Produktion, Umgang, Bezugsquellen und weitere Eigenschaften von Feinpapieren eingehen.

 

Eine lange Tradition am Tegernsee

Die Papierfabrik Gmund gilt nicht erst seit heute als eine der hochwertigsten Produktionsstätten für Feinstpapiere. Ausgehend vom Inbegriff traditioneller Papierschöpferei, der Bütte, entwickelte sich seit 1829 eine Papiermacherkunst im wasserreichen Mangfalltal, deren Produkte heute weltweit als bekannte »Markenartikel« stehen. Die Papiere von Gmund sind heute kreative und offensive Trendsetzer und finden z.B. bei Mercedes, Joop, Swarovski und Lindt ihre Anwendung. In Zusammenarbeit mit Design-Ateliers wurden Musterbücher, Mailings oder Kalender entworfen, die bereits mit zahlreichen Design Preisen ausgezeichnet worden sind. So erhielt beispielsweise der Gmund Jahreskalender von 1998 den Silver Award des Art Directors Club, der von 1999 den Kodak Fotokalenderpreis. Die Imagebrochüre hat fast alle Designpreise in Europa und den USA gewonnen, beispielsweise den Award of Excellence der Zeitschrift Communication Arts. Auch die Homepage www.gmund.com wurde in den USA vom Web-Magazin WebCrit 2000 zu einer der 25 besten Websites weltweit ernannt.

 

Die gmundsche Philosophie

Florian Kohler und sein Bruder Korbinian stehen mittlerweile in der vierten Generation der unternehmerischen Verantwortung. Dem Traditionsbewußtsein entsprechend, wird bis heute Wert auf eine herausragende Qualität der Produkte und auf eine individuelle Handschrift gelegt. Bei den Brüdern Kohler spielt Design nicht nur beim Marketing, sondern insbesondere bei den Papieren eine große Rolle. Resultat dieses Ansatzes ist erlesenes Feinpapier, bestimmt unter anderem für Geschäftsbriefe, Schreibbögen, Verpackungen und Werbematerial. Die Produktpalette umfaßt rund 30.000 Variationen, die jederzeit lieferbar sind, und weitere, die individuell auf Kundenwünsche zugeschnitten werden. Weitere Gmund-Spezialitäten sind Veredlungen, wie beispielsweise das Prägen von Papieren. Der Claim »Eine Philosophie verpackt in Papier«, bezieht sich jedoch nicht nur auf Ästhetik und Design, sondern schließt den Umweltschutz in die Produktionsansprüche mit ein: Ausgangsmaterialien wie chlorfreie Holz- und Baumwollzellstoffe, oder alternative Rohstoffe wie Hanf oder Recyclingfasern, liefern ihren Beitrag zum Umweltschutz. Ebenso die Verwendung des aus einer Bergquelle stammenden Wassers, unterstützt die Unternehmensphilosophie der Firma Gmund. An dieser Stelle ist auch die Auswahl möglichst lichtechter Farben und Pigmente sowie geeignete Mineralien und Füllstoffe zu erwähnen.

 

Klein aber fein

Florian Kohler gelingt es mit seiner Büttenpapierfabrik Gmund in einer von Produktwerbung überfluteten Konsumwelt Aufmerksamkeit zu erregen. Und das, obwohl er sich nie den Preiswettbewerben auslieferte, sondern seit jeher an seinem Image als Hersteller von exklusiven Feinstpapieren festgehalten hat. Die Papiermacherkunst im bayerischen Mangfalltal ist eine kleine, feine Fabrik geblieben, deren oberste Maxime stets die Qualität ihrer Produkte geblieben ist.

 

Zur Person

Florian Kohler teilt sich seit 1995 gemeinsam mit seinem Bruder Korbinian die Leitung des Familienunternehmens Büttenpapierfabrik Gmund. Neben seinen unternehmerischen Aufgaben entwirft er viele Papierkollektionen selbst. So zuletzt das Papier ?Reaction?. Auch die erfolgreiche Kollektion »Die Natürlichen« wurde von ihm gestaltet. Florian Kohler, der sich selbst auch als Papier- und Produktdesigner versteht, wird im Werkstattgespräch mit Hilfe von Papiemustern und Gestaltungsbeispielen, einen Einblick in eine Papierwelt verschaffen, die über die Papiereigenschaft als »Schriftträger« hinausgeht.

 

Resümee des Ateliergesprächs


von Tanja Schlinck und Jasmin Lappe (*)

 

Ästhetik auf den Stufen

Das Treppenhaus der Kaulbachstraße, berühmt berüchtigt. Reizvoll geschmückt nimmt die Unzahl an Treppenstufen ab. An die 70 Gäste mit Papiertüten und neugierigen Blicken, betreten das Atelier am 5. Dezember erstmals ohne sichtliche Atemnot. Papier als überraschender Belebungseffekt. Das Publikum, geführt von Designern und Grafikern versammelt sich gespannt vor dem Referenten Florian Kohler.

 

Einführend ein paar Worte Geschichte

Entstanden aus dem Engagement des Lumpensammlers Nepomuk Haas – wohlgemerkt mit doppeltem a- wurde 1829 die Papierfabrik gegründet. Im Jahre 1838 von Fichtner übernommen, wurde der bayerische König selbst mit Feinstpapieren beliefert. Die Installation der Papiermaschine, die noch heute besonders gefühlsbetontes Papier produziert, war eine Herausforderung für eine nächste Generation: die Generation Kohler. Angefangen mit der Firmenübernahme von Ludwig Kohler im Jahre 1904, beginnt ein Räderwerk von ästhetischem Anspruch zu drehen, welches die Papierproduktion mit revolutionären Entwicklungen über die Jahre bereicherte. Obwohl Florian Kohler nicht über den strategischen Grundvorteil »Ludwig« in der Nachfolge seines Großvaters und Vaters verfügt, so steht er doch unweigerlich in der Tradition der Feinstpapierproduktion. War die Farbe im Papier in den Anfängen des 20. Jh. eine Herausforderung für Drucker, so ist es heute der Ansatz von Florian Kohler für Designer: Papier als Designelement und als Gestaltungsmittel im Rahmen eines CI zu begreifen.

 

Papier für die Sinne

Überzeugend spielerisch, trocken humorvoll, mit Natürlichkeit und bayerischen Charme, führt Florian Kohler in die emotionsreiche Welt der Papiere ein. Untermalt mit anschaulichen Beispielen, lädt er das Publikum in die Welt der unterbewußten Papierwirkung ein, und läßt es bewußt über die vordergründige »Materie Papier« sprechen, um in ein unvermeidliches Vokabular der Sinne zu führen: Papier in Farbe, Duft, Dichte, Gewicht, ist stets ein unterbewußtes Mittel zur Unterstreichung von Qualität. Papier ist anpassbar, ein qualitativ anspruchsvolles Detail einer Drucksache, die der Benutzer merkt, aber nicht weiss. Um dabei nur ein Beispiel zu geben, soll das Papier „Reaction“ aus der neuesten Kollektion für ein die Sinne ansprechendes Produkt stehen. In Reaction spielt das Licht mit der Farbe. Die Oberfläche, versehen mit feinsten Prismen aus Lack -und Glasstaub, weist ein prächtiges Farbenspiel auf, das je nach Lichteinfall variierend schimmert.

 

Für wen, warum, woher?

Das Referat wird belebt durch anregende Fragen seitens des Publikums: Aus was bestehen Gmundpapiere? Welche Druckverfahren sind anwendbar? Was war der schönste Flop in der Papierproduktion, oder kann sich ein Designer überhaupt gmundsche Papiere zur Qualitätzunahme seines Produkts leisten? Korrekt gibt Florian Kohler informative Antworten. Die Frage jedoch, woher Inspiration und Entschluß zur Entwicklung von Papier als Designelement stammen, weist er geschickt zurück. Was jedoch unerklärbar geklärt bleibt, ist die Tatsache, daß die Kreativität des Papiermachers unerschöpflich ist, und unbeachtet der Nachfrage, schöpferisches Papier im Mangfalltal noch lange produziert werden wird. Und das stets mit dem Anspruch, einer Drucksache Qualität zu verleihen, so unscheinbar, als würze man eine Speise mit einem unbemerkten Gewürz. So verläßt das Publikum mit hoffentlich noch vielen unbeantworteten Fragen das Atelier und geht die leeren Stufen hinunter in die Kaulbachstrasse hinein.

 

(*) Tanja Schlinck, Studentin im 4. Semester Publizistik, Uni Mainz und Jasmin Lappe, Studentin im 6. Semester Medienwissenschaft, Uni Paderborn. Beide absolvieren zur Zeit ein Volontariat im Atelier Beinert.

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Wolfgang Beinert | Graphic Design Studio
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