Menü

König Ludwig II. von Bayern

Kommentar

König Ludwig II. von Bayern

Wandkalender König Ludwig II.

Ein Kommentar zur grafischen Arbeit »Wandkalender König Ludwig II. von Bayern«.

 

Die Konzeption des Kalenders

Dieser Kalender zieht ein ausgewogenes Design aus Bild- und Schriftelementen großen Einzelbilddarstellungen vor. Die sehr seltenen und schwer beschaffbaren Originalfotografien wurden aufwändigst retouchiert und sind alle im Duplexverfahren (Duoton) angelegt.

Jedes Kalenderblatt ist individuell und bis ins letzte Detail gestaltet, doch manche Elemente ziehen sich wie ein roter Faden durch die ganze Arbeit. Am linken Blattrand sind beispielsweise in dezentem Pantone Grey 2 alle Lebensjahre Ludwigs II. aufgelistet, während immer das Jahr, auf das sich der entsprechende Monat bezieht, geschwärzt ist. Gibt es einen speziellen Informationstext, so ist dieser direkt mit dem betreffenden Tag im laufenden Kalendarium verbunden. Alle Erklärungstexte zu den ausgewählten Eckdaten aus Ludwigs Leben sind in der Hausschrift der Münchener Hypothekenbank verfasst, der Concorde Nova von Günter Gerhard Lange. Hervorhebungen innerhalb dieser Texte werden durch spationierte Kapitälchen, gemeine Caps der Concorde Nova und durch die Amsterdamer Garamont Kursiv von M. F. Benton, ebenfalls spationiert, erzielt.

 

Das Kalendarium

Über dem Kalendarium befindet sich jeweils an wechselnder Stelle die Jahreszahl 2001 in Mediävalziffern der Corporate A von Prof. Kurt Weidemann und der jeweilige Monatsname in gemeinen Kapitälchen der Concorde Nova von Günter Gerhard Lange.

Das Kalendarium selbst ist mikrotypographisch gearbeitet und in jedem Monat gleich positioniert. Das Datum (1-31) ist jeweils in der Frutiger schmal mager von Adrian Frutiger mit den Wochenenden fett und die dazugehörigen Wochentage (Mo-So) in der Amsterdamer Garamont Kursiv von M. F. Benton dargestellt. Die Sonn- und Feiertage sind zusätzlich durch ein gotisches Schwert aus der Mason von Jonathan Barnbrook hervorgehoben, um eine Brücke zu Ludwigs Traum- und Ritterwelt zu schlagen. Die Kalenderwochen sind durch römische Zahlen, die Mondphasen und Sternzeichen durch entsprechende Symbole gekennzeichnet.

Unterhalb des Kalendariums befinden sich vier Gestaltungselemente: Leicht zurückgesetzt der Monatsname, eine Legende zu den Sternzeichensymbolen rechts, das Jahr in römischen Zahlen in der Mitte und in Buchstaben ausgeschrieben links. Der im Hintergrund stehende Monatsname ist analog zur Jahreszahl 2001 in dezentem Pantone grey 2 gehalten, allerdings in der Frakturschrift Sabbath Black Bold von Miles Newlyn und bis zum letzten Buchstaben im oberen Drittel vom Kalendarium überlappt. Für die Sternzeichen wurden Kapitälchen der Concorde Nova von Günter Gerhard Lange verwendet, für die ausgeschriebene Jahreszahl und die römischen Ziffern die Frutiger schmal mager bzw. Frutiger schmal fett von Adrian Frutiger.

 

Kalenderblatt Januar

Die obere Hälfte des ersten Kalenderblattes macht mit der Thematik der Arbeit vertraut. Ludwig als Protagonist des Kalenders wird anhand verschiedener Elemente eingeführt. Im Vordergrund steht sein Vorname, auffällig gesetzt in Kapitälchen der modernen Base 9 von Zuzana Licko, mit einer historischen Fotografie in den Buchstaben D integriert. In unmittelbarer Nähe dieses Schriftzuges befindet sich zudem ein Originalautograph und in verschwindend kleinen Kapitälchen der gleichen Schrift weitere Angaben zu Ludwigs Titel und Herrschaftsgebiet. Diese Gestaltungsparameter sind in Strichstärke, Form und Stil so gegensätzlich, dass sie nicht zueinander in Konkurrenz treten, sondern sich gegenseitig stärken und bereichern. Im Gegensatz dazu harmonisieren die Lebensdaten Ludwigs 1845-1886 mit dem Wort Bayern, das sie überlagern, aufgrund ihrer Formkongruenz. Alle Zeichen sind der Base 9 entnommen, wesentliche Unterschiede bestehen lediglich in Größe und Farbe.

In der unteren Hälfte des Kalenderblattes informiert ein kurzer Text über Ludwigs Verlobung. Unterstützend wurden zwei aufwändig retouchierte, in Duplex gedruckte Originalfotografien abgebildet. Für die mikrotypographische Beschriftung wurde die Amsterdamer Garamont von M. F. Benton in Kombination mit der Trade Gothic Bold von Jackson Burke verwendet. Erstere für die Kleinbuchstaben und Klammern, letztere für die jeweilige Beschriftung.

 

Kalenderblatt Februar

Ludwigs Affinität zu mittelalterlichen Sagen- und Märchenstoffen in Kombination mit seiner gesellschaftlichen Stellung prädestiniert ihn geradezu, das Werk Richard Wagners zu fördern. Eine Tatsache, die auch dem Komponisten nicht verborgen bleibt – er wirft nicht nur ein Auge auf Ludwig II., sondern verliert ihn und sein Mäzenatentum Zeit seines Lebens nicht aus dem Blick. Ein entsprechendes Design, das sich verschiedenster Gestaltungselemente bedient, kommuniziert dieses Verhältnis sehr geschickt. Verwendung finden zwei Originalautographen, eine Fotografie, grafische Formen wie Kreise und Pfeile und die ORC A von Neville Brody in den Ziffern der Jahreszahl 1864. Der eingesetzte Vergrößerungseffekt verdeutlicht Wagners Prioritäten und Ziele. Der zweizeilige Informationstext ist teilweise von einem pantone-grauen Porträtschnitt einer Wagnermünze hinterlegt. Der Schriftzug Lohengrin in der Mason von Jonathan Barnbrook steht nicht nur in inhaltlichem Zusammenhang mit dem Text, sondern bildet auch eine stilistische Einheit mit dem wie ein Wasserzeichen wirkenden Porträtschnitt. Trotz der farblichen Übereinstimmung können Schrift und Bild dank der gewählten Strichstärken klar differenziert werden. Analog zum ersten Kalenderblatt wird der Text von zwei mikrotypografisch beschrifteten Originalfotografien begleitet. Die Beschriftung dieser Miniaturfotos setzt sich über den ganzen Kalender hinweg fort (a-p).

 

Kalenderblatt März

Die Münchner Residenz aus der Vogelperspektive bietet sich geradezu an, in einen modernen Kontext gerückt zu werden. So dienen Ludwigs Gemächer etwa als Zielscheibe eines Computerspiels, wodurch eine raffinierte Verknüpfung von Grundrisszeichnung und Fotografie hergestellt wird. Eine gewisses Flair von Internationalität entsteht zusätzlich durch die drei Buchstaben MUC in der Base 12 von Zuzana Licko, da diese auf den Flughafen München verweisen. In einer jeweils anderen Sprache wurde auf jedem dieser Buchstaben der Ort München in gemeinen Kapitälchen der Base 9 von Zuzana Licko zentriert ausgerichtet. Neben der deutlich sichtbaren Schreibschrift am unteren Rand der Abbildung befinden sich zahlreiche mikrotypographische Setzungen in dieser Darstellung, die nur bei sehr genauem Hinsehen erkennbar sind. Die Lebensdaten Ludwigs beispielsweise, die sich auf jedem Kalenderblatt am linken Rand befinden, werden hier nicht von der Fotografie überdeckt, sondern setzen sich im Bild fort. Der Informationstext ist wiederum mit einem Foto Ludwigs versehen und wird hier noch durch eine pantone-graue Klammer geschmückt, die der Sabon von Jan Tschichold entnommen wurde.

 

Kalenderblatt April

Dieser Monat wurde hauptsächlich durch Teile eines Originalbriefes von Ludwig II. gestaltet. Die einzelnen Abschnitte sind ihrer Reihenfolge entsprechend beschriftet, wobei der Kleinbuchstabe in der Base 9 von Zuzana Licko und die Klammer in der Sabon von Jan Tschichold gesetzt ist. Die Nummerierung g) bezeichnet jedoch keinen weiteren Abschnitt des Briefes, sondern deutet durch das abgeschnittene X auf die Unvollständigkeit des Briefes hin. Die gemeinen Kapitälchen NEX entstammen ebenfalls der Base 9 von Zuzana Licko.

 

Kalenderblatt Mai

Hier taucht das unvollendete X des vorigen Monates wieder auf – ausgeschrieben, in der Frutiger schmal mager von Adrian Frutiger. Dieser Buchstabe erinnert zwar in gewisser Weise an die Documenta, dient aber vor allem sowohl im Grundriss als auch in der Fotografie dazu, den unvollendeten, inzwischen abgerissenen Nordflügel des Schlosses Herrenchiemsee auszustreichen. Die Abbildung ist hier bis an die Oberkante des Kalendariums herangerückt, wodurch eine Überlagerung von Typographie und Bild entsteht.

 

Kalenderblatt Juni

Links oben schiebt sich die zweite Hälfte des X von Kalenderblatt 4 in den Bildrand, gefolgt von einem T. Next hat hier eine gewisse Ambivalenz, da es in dreierlei Kontext eingeordnet werden kann: Inhaltlich verweist es auf den Schluss des Briefes auf der rechten Seite, typographisch ist das X der letzte Buchstabe des senkrecht geschriebenen Rex und das T ist der Anfangsbuchstabe von Tristan und stellt somit den Bezug zu dem in der Abbildung dargestellten Ereignis aus Ludwigs Leben her. Die Bildunterschrift besteht aus Versalien der Frutiger schmal mager von Adrian Frutiger.

Die untere Hälfte des Kalenderblatts bezieht sich auf Ludwigs Tod. Zwischen Kalendarium und Informationstext finden wir sehr dezent gestaltet die Inschrift Requiescat in pace (Er ruhe in Frieden) in Kapitälchen der Concorde Nova von Günter Gerhard Lange. Weiter links die gleiche Aussage in Form eines typographisch gestalteten Acronyms. Das R ist das Registrierzeichen der Mason von Jonathan Barnbrook, die Raute ein selbstgezeichnetes Element und die Kapitälchen I. P. entstammen der Base 9 von Zuzana Licko.

 

Kalenderblatt Juli

Ludwigs Avantgardismus zeigte sich vor allem in seiner Fähigkeit und Bereitschaft, die Fortschritte der Technik zu nutzen. Den Luxus eines Terrassenwagens für seinen Eisenbahnzug konnte sich der innovative König folglich nicht entgehen lassen. Neben dem Firmenlogo Klett & Comp. in Kapitälchen der Engravers Roman aus der Berthold Schriftenbibliothek finden ein weiteres Autograph und die Originalillustration einer Zugachse in Form einer technischen Zeichnung Anwendung. Der Informationstext ist freistehend, ohne Überlappungen unterhalb des Kalendariums positioniert und mit zwei Miniaturfotos versehen.

 

Kalenderblatt August

Auf dem achten Kalenderblatt befindet sich der Informationstext oberhalb des Kalendariums und ist mit einem pantone-grauen L unterlegt. Der untere Teil ist streng geometrisch auf Achse gearbeitet. Ludwigs Geburtstag als Symbol für Unschuld, gestützt durch das Horaz-Zitat integer vitae scerelisque purus (Rein im Leben, frei von Verbrechen), wird gezielt mit einer faschistoid-ästhetischen Anordnung dargestellt. Ein Kunstgriff, der sich über veraltete typographische Konventionen hinwegsetzt, um für diese Elemente wieder einen neuen Assoziationsspielraum zu eröffnen. In gleicher Absicht wird auch für die Monatsnamen eine Frakturschrift verwendet. Die Schriften stehen hier alle im Vordergrund und überlappen die Originalfotografie von Ludwig.

 

Kalenderblatt September

Diese Abbildung vermag ihr Gleichgewicht trotz der beachtlichen stilistischen Vielfalt zu wahren. Die Originalfotografie wurde auf vier verschiedene Arten bearbeitet bzw. belichtet, um auf Ludwigs Vorliebe anzuspielen, den Blick auf das Schloss zu jeder Tageszeit von der Marienbrücke aus zu genießen (vgl. Kalenderblatt Oktober). Der eingefügte Maßstab ist einer Originalzeichnung entnommen, ebenso der neu durchgezeichnete Grundriss und das Autograph. Ausgerichtet an der antiken Messskala wurde als modernes Element in diese Installation der Schriftzug Neuschwanstein in der Base 9 von Zuzana Licko eingefügt.

 

Kalenderblatt Oktober

Die Seitenaufteilung spiegelt Ludwigs Leidenschaft wider, Neuschwanstein von der Marienbrücke aus zu betrachten. Die obere Hälfte dient der Darstellung der Brücke anhand eines Informationstextes, einer Fotografie und typographischen Elementen. Die große Abbildung und die aufwändige Gestaltung des Wortes Marienbrücke lenken die Aufmerksamkeit zunächst in die obere Hälfte. Den Hintergrund bildet ein pantone-graues selbstkonstruiertes M, das mit einem Kreis umgeben ist und dessen Grundform der Base 9 von Zuzana Licko entstammt. Daran angeschlossen sind die restlichen Buchstaben des Brückennamens, ebenfalls in der Base 9. Im Gegensatz dazu tritt das Schloss Neuschwanstein selbst eher zurück. Es ist kopfüber dargestellt, um Ludwigs Perspektive beim Blick von der Brücke aufzunehmen. Die Beschriftung in der Base 9 von Zuzana Licko , die nicht nur auf dem Kopf steht, sondern auch spiegelverkehrt angebracht wurde, integriert sich abgesehen vom Anfangsbuchstaben in die Abbildung. Um eine klare Zuordnung zu erleichtern, sind sowohl die Brücke als auch das Schloss mit einem Buchstaben gekennzeichnet, auf den der Informationstext Bezug nimmt.

 

Kalenderblatt November

Die Würzburger Residenz steht hier in einem sehr modernen Designkontext. Neben dem dominanten Schriftzug Nro. 4 in der ORC A von Neville Brody taucht oberhalb der Abbildung auch wieder das Registrierzeichen aus der Mason von Jonathan Barnbrook in Kombination mit der Triplex Condensed von Zuzana Licko auf. Der in die Fotografie hineinragende Binärcode ist die verschlüsselte Form von Ludwigs Aufenthaltsdatum in Würzburg. Der rechts in der Karte eingezeichnete Abstecher nach Bayreuth gibt Aufschluss über ein mögliches Reisemotiv Ludwigs.

 

Kalenderblatt Dezember

Ein Kalenderblatt, das eine Vielzahl unterschiedlichster Elemente beinhaltet. Originalfotografien, alte Schriften eines Kalenders aus Ludwigs Zeit, eine Tintoretto Putte, ein Binärcode und ein Originalstempel des königlichen Stadtgerichts werden sowohl untereinander als auch mit dem feststehenden Kalendarium in Beziehung gesetzt. So steht die Tintoretto Putte beispielsweise an der Oberkante der Datumsleiste an, überlappt von der üblichen Monatsbeschriftung und dem Binärcode für das Datum 24.12.2001.

 

Weiterführende Informationen

Portfolio Wandkalender König Ludwig II. von Bayern.

.

.

.

Wolfgang Beinert | Graphic Design Studio
Teilen

This is a unique website which will require a more modern browser to work!

Please upgrade today!