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Designmagazin Ausdruck

Kommentar

Designmagazin Ausdruck

Designmagazin Ausdruck

Kommentar von Dr. Zoi Kotitsa zur grafischen Arbeit »Designmagazin Ausdruck«.

 

Hinter der Gestaltung der Seite in der Designzeitschrift »Ausdruck« steckt die Absicht von Wolfgang Beinert mit Design zu provozieren und Inhalte neu zu definieren. Er benutzt dazu lediglich die Typographie und spielt mit der Assoziationskraft des Betrachters.

Sein Ausgangspunkt ist der Aphorismus »Seine Hand verkrampfte sich. Er hatte von Gegenständen gehört, die zum christlichen Glauben übertreten konnten«. Und er visualisiert ihn mittels der Typographie. Er gibt den größten Teil des Textes mit kleinen Versalien in der Schrift Syntax normal wieder, die 1968 von Hans Eduard Meyer entworfen wurde. Beinert empfindet diese geradlinige, klare Schrift als rationell, »atheistisch« und setzt sie somit dem mystischen Inhalt des Aphorismus entgegen.

Dieser Widerspruch wird zum Sarkasmus durch die Verwendung einer zweiten Schrift für den Teil »- treten« aus dem vorletzten Wort des Aphorismus »übertreten«. Diese christlich anmutende Schrift heißt Mason Serif normal, wurde um 1992 von Jonathan Barnbrook entworfen und nach einem Massenmörder in den USA benannt. Aus dieser Schrift nimmt Beinert den Buchstaben T und visualisiert unmißverständlich das Symbol des christlichen Glaubens, das Kreuz. Die drei kleinen weiß belassenen Rauten auf diesem Buchstaben sollen auf die Kreuzigung Christi hinweisen. Aus dieser Schrift bastelt er dann den Imperativ treten, der zusammen mit dem T/Kreuz die Seite dominiert. Der Befehlston hinter diesem Wort wird zusätzlich visualisiert dadurch, daß der Präfix »über-« im Wort »übertreten« nicht auf der Achse der übrigen Buchstaben in der Schrift Syntax normal links von dem T/Kreuz steht, sondern ist er nach rechts versetzt.

Feinheiten in der Gestaltung machen den Zynismus von Beinert perfekt. Oben rechts an der Ecke erscheint die Kirche als LTD, d.h. als GmbH, mit eigenem Signet: ein Kreuz in einem Kreis. Die kleinen Zahlen 290 und 291, die senkrecht durch die Mitte des Buchstabens N im Wort »überTRETEN« positioniert sind, sollte man als Anspielung auf die numerierten Gesänge während einer Messe in einer katholischen Kirche auffassen. Oben links erscheint schließlich der Gestalter selbst in Russisch »Atelier Beinert«, so daß man auch die russisch-orthodoxe Kirche nicht aus dem Spiel lassen kann.

 

Weiterführende Informationen

Portfolio Designmagazin Ausdruck.

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Atelier Beinert | The Fine Art of Graphic Design
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