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Peter Stangel

Kommentar

Dirigent Peter Stangel

Ein Kommentar zum Signet und Credo »Ama et fac quod vis! Sehnsucht : Leidenschaft : Musik« für den Dirigenten Peter Stangel.

 

Die Ausgangssituation

Der Dirigent Peter Stangel bat den Gestalter Wolfgang Beinert, ihm ein ungwöhliches Signet zu entwerfen. Das Design sollte keinesfalls eine kommerzielle oder gar werbliche Anmutung haben und sollte kulturell seiner Persönlichkeit entsprechen. Peter Stangel korrespondiert weltweit in fünf Sprachen und in unterschiedlichen Kulturräumen.

 

Kurz zur Person Peter Stangel

Peter Stangel ist Dirigent, Generalmusikdirektor und leidenschaftlicher Interpret u.a. von Mozart, Verdi, Wagner und Kurt Weill. Er sucht grundsätzlich die Balance zwischen Tradition und Moderne. »Ohne das angestammte Publikum zu verprellen, versuche ich neue Zuhörer heranzuziehen, zu gewinnen und Konzerte für neue Zuhörerkreise zu öffnen«, so Peter Stangel.

 

Analyse

Beinert beschäftigte sich mit Stangels Persönlichkeit, seinen zentralen Anliegen und Aussagen: Musik ist sein Leben. Dirigent ist für ihn kein Beruf, sondern Leidenschaft. Er sehnt sich förmlich danach zu dirigieren und Musik zu (er)leben. Er liebt Musik. Er ist einerseits tolerant und andererseits sehr klar. Er stellt Dinge in Frage. Er sucht den Kontakt. Er ist konservativ und zugleich modernen Dingen aufgeschlossen. Er ist Individualist. Er ist für bequeme Lösungen nicht zu haben.

 

Lösungsansatz

Nachdem Wolfgang Beinert sich intensiv mit Peter Stangel auseinandersetzte und ihn so näher kennenlernte, war für ihn klar, dass der Person Stangel ein formales Design nicht gerecht werden kann. Die Quintessenz seiner Überlegungen: Nur ein begrifflich fassbares Credo konnte der zentrale Ausgangspunkt einer Visualisierung sein.

 

Das Credo

»Ama et fac quod vis! Sehnsucht : Leidenschaft : Musik«. Das Credo (lat. credo … ich glaube > Auffassung, Bekenntnis) nimmt nicht nur auf Stangels Lebenskultur, sondern auch auf die Welt der großen Musik Bezug. Mozart, Verdi, Wagner, Weill. »Die Musik spricht nicht die Leidenschaft, die Liebe, die Sehnsucht dieses oder jenes Individuums in dieser oder jener Lage aus, sondern die Leidenschaft, die Liebe, die Sehnsucht selbst«. Richard Wagner formulierte diesen Satz 1876 bei der Eröffnung des Festspielhauses in Bayreuth. Übrigens der ersten Aufführung in der Musikgeschichte, bei der ein Dirigent vor dem Orchester stand und dem Publikum den Rücken zukehrte.

Kontrastiert wird dieser schon beinahe „wagnerianische“ Claim durch das augustinische Credo »Liebe und tue was du willst!«. Wobei sich dadurch eine philosophische Spannung ergibt, die sich lange und individuell diskutieren lässt und den Betrachter somit förmlich zu einem Kontakt im Sinne des Bivalenzprinzips einlädt.

 

Typographie und Gestaltung

Die Typographie im Außenkreis: Typeface six von Neville Brody, England 1990, aus der Fontshop-Schriftenbibliothek. Sehr kräftige Zierschrift mit ungewöhnlichen, schon fast abstrakten Buchstabenkombinationen und -formen (C, Q und O). Eine Schrift, die die »Nue Zeit«, die Moderne verkörpert.

Innenkreis: Kapitälchen der Filosofia aus der Emigre-Schriftenbibliothek. Eine Antiquaschrift entworfen von Zuzana Licko, USA 1996. Diese Schriftgarnitur ist eine Modifikation der klassizistischen Bodoni von der Bauerschen Gießerei (1926). Sie hat allerdings einen deutlicheren Wechselschwung der Figuren. Der Duktus der Ziffern erinnert an Musiknoten des 19. Jahrhunderts, der großen Zeit des Dirigenten, des »primus interpares«. Die Filosofia verfügt über alle notwendigen Schnitte (Normal, Kursiv, Caps, Fett) und angelsächsische Ligaturen. Die gesamte Briefpapierausstattung ist in der Filosofia typographiert.

Zentrum: (Semi-)Heraldische Rose. Beinert bedient sich hier nicht der klassischen Heraldik, da diese Formensprache zu wenig Anmutung besitzt. Er illustriert die Rose im phantasiereichen französischen Stil des 19. Jahrhunderts.

Komposition: Die avantgardistisch wirkende Schrift im Außenkreis „schützt“ die konservativen, zerbrechlichen Formen im Inneren des Signets. Die massive Typeface six ist sowohl als inhaltlicher als auch formaler Kontrast gedacht.

 

Produktion

Das Credo bzw. Signet wird grundsätzlich nur als Blindprägung implementiert. Niemals im Druck. Selbst auf den Briefhüllen und auf Etiketten ist das Credo geprägt. Das Signet darf erst auf den zweiten oder gar dritten Blick wirken.

 

Verständlichkeit

Das Credo verschmilzt in einer schlichten Text-Bild-Sprache zu einem Signet, das ohne Farbe auskommt. Der Claim im Außenkreis wurde bewusst in lateinischer Sprache formuliert, der Sprache der Humanisten und in der sehr modischen, internationalen Typeface six typographiert. Ein einfaches Lesen und Begreifen der Aussagen ist nur schwer möglich. Denn das Credo erschließt sich weder formal noch inhaltlich auf den ersten Blick.

Es wirkt dadurch mystisch, zeitlos und ist nicht sofort einzuordnen. Es trotzt dem Schnell-Schnell-Zeitgeist. Das Signet leistet sich einen elitären Luxus: Es ist erklärungsbedürftig. Es fordert den Betrachter und lädt ihn zu einer ernsthaften Auseinandersetzung und gerne auch zu einem niveauvollen Kontakt ein.

Grafikdesign zeigt sich hier pur, es ordnet sich unter und wird auf kluge und ästhetische Weise Mittel zum Zweck.

 

Die Rose im Zentrum des Signets

Die Rose, in der Formensprache der Heraldik, ist Bestandteil des Credos. Die Rose, wegen ihres Duftes, ihrer Schönheit und Anmut, trotz der Dornen, eine der am häufigsten begegnenden Symbol-Pflanzen seit der klassischen Antike. Im Abendland spielt sie eine ähnliche bedeutende Rolle wie der Lotos in Asien. In der Antike war die Rose der Aphrodite (Venus) geweiht. Die rote Rose soll aus dem Blut des Adonis entstanden sein. Sie war ein Symbol der Liebe und der Zuneigung, der Fruchtbarkeit und auch der Verehrung gegenüber den Toten. Im Christentum war die rote Rose u.a. ein Signet für das vergossene Blut und die Wunden Christi. Sie symbolisiert außerdem die Schale, die das heilige Blut auffing. Sie ist deshalb auch das Zeichen der mystischen Wiedergeburt Jesus. In der Alchimie spielte die meist siebenblättrige Rose eine Rolle als Sinnbild komplexer Zusammenhänge, sei es z.B. der sieben Planeten mit den entsprechenden Metallen, sei es verschiedener Schritte innerhalb alchimistischer Operationen. Für die breite Bevölkerung ist die Rose – heute wie damals – das Symbol der Liebe.

 

Kurz zu Aurelius Augustinus (354–430 n.Chr.)

Der Philosoph und Theologe Augustinus wurde in Karthago in Rhetorik ausgebildet und im Jahr 374 Lehrer in diesem Fach. 383 wurde er nach Rom berufen und kurz danach in die Residenzstadt Mailand, wo er als Rhetor wirkte. Die Krisen seiner Jugend hat Augustinus um 397–401 in seinen Bekenntnissen niedergeschrieben. Die Bekenntnisse sind eine der ersten individualistischen Selbstbiographien der Weltliteratur.

Die Lektüre von Ciceros Hortensius führte Augustinus zur Philosophie. Viele Jahre war er Anhänger des Manichäismus, dann kurz der Skepsis. In Mailand lernte er den Neoplatonismus kennen und kam durch ihn zum Christentum. 387 ließ er sich taufen. Er wurde 391 zum Priester in Hippo Regius in Nordafrika ernannt. Von 396 bis zu seinem Tod war er in dieser Stadt Bischof.

Für Augustinus lassen sich Theologie und Philosophie nicht scharf unterscheiden. Diese Position zeigt sich u. a. in seiner Maxime: „Ich glaube, damit ich erkennen kann“ (lat. credo, ut intelligam). Ohne die göttliche Erleuchtung in unserem Glauben können wir die Weisheit (lat. sapientia), mit deren Hilfe wir zur Glückseligkeit (lat. beatitudo) gelangen, nicht erkennen. Der Wunsch nach Glückseligkeit ist der einzige Grund zum Philosophieren. Die Philosophie ist ein Mittel, den Glauben zu vertiefen.

Augustinus knüpft an Platons Unterscheidung zwischen der veränderlichen Erscheinungswelt und der ewigen, unveränderlichen Ideenwelt der Vernunft an. Er greift Platons Gedanken, dass nur das Wirkliche voll und ganz erkannt werden kann, und dessen Dualismus zwischen Seele und Leib auf.

Gegen die Skeptiker wendet Augustinus ein: Wenn sich jemand in seinem Glauben irrt, existiert er, denn derjenige, der nicht existiert, kann auch nicht irren. Daraus folgt, wenn ich mich im Glauben an meine Existenz irre, existiere ich. Wenn ich existiere, so kann ich mich nicht in meinem Glauben an meine Existenz irren. Aus den beiden letzten Behauptungen folgt: Wenn ich mich im Glauben an meine Existenz irre, dann irre ich mich nicht im Glauben an meine Existenz. Daher irre ich mich nicht in meinem Glauben an meine Existenz. Damit gibt es zumindest eine wahre Aussage.

Augustinus hält außerdem an dem Satz vom ausgeschlossenen Widerspruch als Voraussetzung alles Denkens und als wahre Aussage fest. Augustinus vertrat die Lehre von der Prädestination, wonach der Mensch zur Seligkeit oder zur Verdammnis von Gott vorausbestimmt ist.

Der Mensch ist von Natur aus ein Gemeinschaftswesen. Die Gemeinschaft ist notwendig, damit der Mensch seine Anlagen entwickeln kann. Der Staat ist zwar nicht natürlich, aber nötig, um die schlimmsten Folgen des Sündenfalls zu beheben. Der Staat hat sich um Gesetz, Ordnung und den materiellen Wohlstand zu bemühen. Die geistige Wohlfahrt wird dem Einzelnen überlassen. Hier setzt auch das Zitat »Ama et fac quod vis“« an.

Augustinus übte u. a. durch Petrus Lombardus Sententiae großen Einfluß auf die mittelalterliche Philosophie aus. Seine von der Stoa inspirierte Zeichentheorie beeinflußte u. a. Roger Bacon.

 

Das Bivalenzprinzip

Prinzip der Zweiwertigkeit bzw. Bivalenzprinzip (lat. bi-valeo, sich auf zwei beziehen) nennt sich das semantische Prinzip, wonach jeder Satz entweder wahr oder falsch sein muß, unabhängig von unserer Fähigkeit, seinen Wahrheitswert festzustellen.

Das schon bei Aristoteles diskutierte Prinzip wird in der klassischen Aussagenlogik durch Bewertungen umgesetzt, die Abbildungen der Aussagenvariablen in die zweielementige Boolesche Algebra.

Aus dem Prinzip der Zweiwertigkeit folgen zwei Prinzipien:

1. Das Prinzip vom ausgeschlossenen Widerspruch, (auch: Satz vom Widerspruch, Prinzip vom Widerspruch, Kontradiktionsprinzip) das besagt: Keine Aussage ist zugleich wahr und falsch.

2. Das Prinzip vom ausgeschlossenen Dritten, welches auch tertium non datur (lat.: ein Drittes gib es nicht) genannt wird: Jede Aussage ist wahr oder falsch.

Als erster formulierte Aristoteles die logischen Grundgesetze des Widerspruchs und des ausgeschlossenen Dritten und wendete sie auf Aussageverbindungen an. Das Prinzip der Zweiwertigkeit wird für nicht-klassische Logik zurückgewiesen oder verändert, indem auf das Prinzip vom ausgeschlossenen Dritten verzichtet und angenommen wird, dass Aussagen mehr als zwei Aussagen Wahrheitswerte (mehrwertige Logik) oder keine Wahrheitswerte haben können. Auch die intuitionistische Logik, verzichtet auf das Prinzip vom ausgeschlossenen Dritten. Parakonsistente Logiken verzichten auf das Prinzip vom ausgeschlossenen Widerspruch und akzeptieren, dass Aussagen mehrere Wahrheitswerte haben können. Ähnlich die imaginäre Logik von N. A. Wassiljew. In Dummetts Sprachphilosophie ist die Zustimmung zum Prinzip der Zweiwertigkeit charakteristisch für den bedeutungstheoretischen Realisten.

 

Weiterführende Informationen

 Portfolio Peter Stangel, Dirigent.

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Atelier Beinert | The Fine Art of Graphic Design
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