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Kommentar
zum Corporate Design des Goethe-Forums von Wolfgang Beinert
Beinerts Ziel bestand darin, einheitliche Gestaltungsparameter zu schaffen. Dabei stützt er sich hauptsächlich auf eine durchgängige Bildsprache sowie auf wiederkehrende typografische Elemente.
Wissentlich der Problematik, dass in der Regel kein professionelles Bildmaterial für die jeweiligen Veranstaltungsprogramme des Goethe-Forums und auch kein Fotoetat zur Verfügung stehen wird, macht Beinert aus der Not eine Tugend. Er modifiziert die Bilder und legt sie alle im Duplexverfahren an. Dabei verwendet er stets natürliche Farbtöne, die aus der klassischen Fotografie stammen. Braun, Blau und Grün. Ein weiteres übergreifendes Element ist das extreme Querformat der Bilder, welches einer Bühne oder dem Format einer Kinoleinwand ähnelt.
Diese allen Arbeiten zugrunde liegenden Merkmale garantieren nicht nur einen hohen Wiedererkennungswert, sondern sie ermöglichen eine einheitliche Verarbeitung von Ausgangsmaterialien mit sehr unterschiedlicher Qualität, Anmutung und Farbe. Mit diesem Gestaltungskonzept kann Beinert schnell und kostengünstig Bildvorlagen verarbeiten, egal ob es sich um einen privaten Schnappschuss oder ob es sich um eine professionelle Fotografie handelt.
Die Selbstdarstellung des Goethe-Forums ist aus der Mitte heraus aufgebaut. Dadurch schafft Beinert den Freiraum mit der Typografie zu spielen und trotzdem einer fundamentalen Ordnung zu folgen. Er positioniert die Bilder in der horizontalen Mitte und spiegelt sie im Heftfalz vertikal. Durch dieses Verzerren und Spiegeln der Bilder wird die Wirklichkeit relativiert. Es kommt zu einer Traumhaftigkeit, die den individuellen Eindruck des Zuschauers widerspiegelt. Das auf dem Altarumschlag abgebildete Motiv scheint unendlich und übergreifend zu sein. Es verbindet den Umschlag wie ein Band mit den Innenseiten.
Auf der Titelseite wird der zentrische Aufbau noch typografisch durch das sehr einem Kreis ähnliche O der Schrift Mason untermauert. O ist sowohl ein Buchstabe im Wort Forum als auch ein grafisches Signet für ein Forum und es ähnelt dem Signet des Goethe-Instituts. Das Wort Forum kommt ursprünglich aus dem lateinischen und bedeutet unter anderem Marktplatz oder Platz der öffentlichen Aussprache.
Die Schrift Mason enthält sowohl klassische als auch moderne Elemente aus den unterschiedlichsten Schriftkulturen. Dadurch wird das Verständnis des Goethe-Instituts als deutsches Kulturinstitut mit dem Goethe-Forum als Plattform für interkulturellen Austausch in Verbindung gesetzt. Die von Jonathan Barnbrook in London entworfene und bis 1998 kaum in Deutschland verwendete Schrift ist sehr breit geschnitten und passt so gut zum ungewöhnlichen Format der Bilder.
Die Corporate Schriftentrilogie stammt von dem Stuttgarter Schriftgestalter Kurt Weidemann. Beinert wählt die Trilogie, weil er sie in allen Arbeiten für das Goethe-Institut verwendet hat. Die einzelnen Schnitte der Trilogie lassen sich miteinander sehr gut mischen, da sie den gleichen Duktus haben und somit ein harmonisches Ganzes ergeben. Als Brotschrift verwendet Beinert die Corporate A, für die diversen Auszeichnungen die gemeinen Caps der Corporate sowie die Corporate S in den Schnitten normal und fett. Die Kapitelüberschriften sind ebenfalls in gemeinen Kapitälchen geschrieben. Das Besondere daran ist jeweils die Anfangsbuchstabe, in der Kursiven der Corporate A gesetzt ist. Eine besondere gestalterische Herausforderung war für Beinert der linksbündige handkorrigierte Schweizer Flattersatz, der schon fast ein Blocksatz ist.
Insgesamt hat Beinert dem Goethe-Forum ein starkes Erscheinungsbild verliehen, welches vielfältig anwendbar und auf die unterschiedlichsten Medien projizierbar ist. Obwohl er konequent den CD-Gedanken pflegt, sind die einzelnen Veranstaltungsprogramme immer wieder sehr unterschiedlich. Manchmal sehr streng. Manchmal verspielt. Je nach Sinn und beabsichtigter Anmutung. Beinert gelingt es immer wieder, das Corporate Design als Korsett und nicht als Zwangsjacke zu verstehen.
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