Atelier Beinert | Berlin und München : Grafikdesign, Typographie, Fotografie  
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WERKSTATTGESPRÄCH | 21.02.2002
Willy Fleckhaus »Deutschlands erster Art Director«
Michael Koetzle referierte am 21. Februar 2002 im Rahmen eines Werkstattgesprächs im Atelier Beinert in München


Am 21. Februar 2002 hielt Michael Koetzle im Atelier Beinert München einen Vortrag über Willy Fleckhaus. Die rund 110 geladenen Gäste lauschten den Worten des Autors, der von einem Mann erzählte, der die Öffentlichkeit mied, auf keinem Film zu sehen ist, der aber trotz dieser Scheu die visuelle Kultur der sechziger bis hin zu den achziger Jahren wie kein zweiter bestimmte.


(c) 2002 Beinert Digital Painting

Willy Fleckhaus [1925-1983], der »teuerste Bleistift Deutschlands«, wurde bekannt als der erste Art Director in der Bundesrepublik. Er war Journalist, Buchgestalter, Zeitschriftenmacher und Professor für visuelle Kommunikation in Essen und Wuppertal, wohl aber vor allem einer der wichtigsten Grafik-Designer der Nachkriegszeit.

Fleckhaus avancierte zu einem Art Director mit internationaler Vorbildfunktion, welche er besonders seinem einzigartigen Stil, die Mischung aus der Ratio der Schweizer Grafik mit dem phantasievollen amerikanischen Editorial Design zu verdanken hatte. Fleckhaus vertraute auf die visuelle Kraft des großen, plakativen Bildes, welches durchaus hier und da rühren und emotionalisieren durfte. Er strebte in all seinen Arbeiten, sei es Wort und Bild, Typografie oder Fotografie nach Ordnung, nach nachvollziehbaren Strukturen und einer sinnstiftenden Organisation. Er schätzte Standards, Regeln und Gesetze, aber er beachtete sie auch nicht. Mit dieser Auffassung stellte er einen klaren Gegenpol zu der Gestaltung von Otl Aicher dar.

Zu seinem gestalterischen Portfolio gehören die Entwürfe für das Lifestylemagazin twen, das »Q« für die Zeitschrift Quick, das Frankfurter Allgemeinen Magazin, Bücher für den Suhrkamp Verlag, den Insel Verlag oder den Piper Verlag. Menschen, denen der Name »Fleckhaus« nichts sagt, werden sich aber sicher noch an das alte WDR-Logo oder an das Signet der Bild Aktion »Ein Herz für Kinder« erinnern.

Michael Koetzle und Carsten M. Wolff recherchierten in jahrelanger Arbeit das Leben dieses Mannes, der selbst nie ein Wort über seinen Lebenslauf verloren hat. Sie führten unzählige Interviews mit Kollegen, Freunden, und ehemaligen Studenten. Das Ergebnis fassten sie in der umfassenden Monografie »Willy Fleckhaus«, die im Klinkhardt und Biermann Verlag 1997 erschienen ist, zusammen. Ein Versuch, der uns die Person Willy Fleckhaus ein wenig näher bringt.


Michael Koetzle

Hans-Michael Koetzle, München 2001

Hans-Michael Koetzle, geboren 1953 in Ulm, studierte Germanistik und Geschichte in München. Als freier Schriftsteller, Publizist und Ausstellungsmacher bekannt, und mit mehreren Stipendien, wie zum Beispiel dem Literaturstipendium der Stadt München ausgezeichnet, widmet er sich der Belletristik und schreibt für Zeitungen und Magazine. Seine besondere Leidenschaft gilt der Fotografie. Er verfasst etliche Arbeiten über die Fotografie und ihre Geschichte, u.a. »Bertold Brecht beim Photographen« [1987], »Robert Doisneau: Renault« [1990], »Fotografie an der HfG Ulm« [1991], »1000 Nudes« [1994], »Die Zeitschrift twen« [1996] und René Burri »Die Deutschen«. Seit 1996 ist er auch Chefredakteur der international mehrfach ausgezeichneten Zeitschrift »Leica World«.

Willy Fleckhaus

Michael Koetzle, Carsten M. Wolff [Hrsg.]
Fleckhaus. Deutschlands erster Art Director
ca. 304 Seiten, ca. 300 Abbildungen
22 x 27,8 cm; Leinen mit Schutzumschlag
Verlag Klinkhardt & Biermann
ISBN 3-7814-0405-6

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