BEGIN:VCALENDAR
VERSION:2.0
X-WR-CALNAME:Ateliergespraech-170610
PRODID:-//Apple Computer\, Inc//iCal 2.0//EN
X-WR-RELCALID:E94D5BDC-2E4B-41B6-9755-328F65A5194C
X-WR-TIMEZONE:Europe/Berlin
CALSCALE:GREGORIAN
METHOD:PUBLISH
BEGIN:VTIMEZONE
TZID:Europe/Berlin
LAST-MODIFIED:20100424T115955Z
BEGIN:DAYLIGHT
DTSTART:20100328T010000
TZOFFSETTO:+0200
TZOFFSETFROM:+0000
TZNAME:CEST
END:DAYLIGHT
BEGIN:STANDARD
DTSTART:20101031T030000
TZOFFSETTO:+0100
TZOFFSETFROM:+0200
TZNAME:CET
END:STANDARD
END:VTIMEZONE
BEGIN:VEVENT
DTSTAMP:20100424T115905Z
LOCATION:Atelier Wolfgang Beinert | Berlin
UID:5CD547D3-6B70-4D37-A86D-813C2A479C30
SEQUENCE:10
URL;VALUE=URI:http://www.beinert.net
DTSTART;TZID=Europe/Berlin:20100617T200000
SUMMARY:Beinert | Ateliergespräch mit Thomas Friedrich
DTEND;TZID=Europe/Berlin:20100617T214500
DESCRIPTION:ATELIERGESPRÄCH AM 17. JUNI 2010\nThomas Friedrich: Weltgest
 altung als Designbekenntnis \nWas säkulare Designer und Architekten mit 
 Katholiken\, Protestanten und Professoren zu tun haben. Vortrag und Gesp
 räch im Atelier Beinert | Berlin\n\nDonnerstag\, 17. Juni 2010 um 20:00 
 Uhr\nAtelier Wolfgang Beinert | Berlin\nGörlitzer Straße 51 [RGB\, Modes
 chule ESMOD\, linkes Entrée]\n10997 Berlin [Kreuzberg]\n\nTeilnahme kost
 enfrei\, Anmeldung erforderlich bis spätestens 16.06. über www.beinert.n
 et oder per eMail unter 2010@beinert.net.\n\nKURZ VORWEG\nEigentlich sol
 lte dieses Ateliergespräch mit Thomas Friedrich sich um ein ganz anderes
  Thema drehen\, nämlich um mögliche Zukunftsperspektiven für uns Designe
 r. Aber bereits nach einem Telefonat kamen wir zu dem Ergebnis\, dass di
 eses Thema eigentlich einen langen Bart hat und eigentlich schon längst 
 gegessen sein sollte.\n\nSo traf es sich ausgezeichnet\, dass Thomas Fri
 edrich seit geraumer Zeit »Über die konfessionelle Weltgestaltung und -e
 rfahrung im außerkirchlichen Sinn« philosophiert. Klingt auf den ersten 
 Blick etwas kompliziert\, ist es aber nicht. Und ich mir wiederum – seit
  ich aus Bayern nach Berlin gezogen bin\, den Kopf darüber zermartere\, 
 warum und wieso hier im Norden\, speziell in Berlin\, eine gänzlich ande
 re Ästhetikauffassung existiert als in den südlichen Gefilden\, beispiel
 sweise in meinen letzten Wohnorten Rom oder München. So lautet – seit ic
 h meinen Fuß über die Donau gesetzt habe – einer meiner zentralen Fragen
  als Gestalter: Warum wirkt Berlin und Brandenburg für einen Südländer v
 isuell oft so trist und uncharmant?\n\nAnfangs vermutete ich\, das es si
 ch um eine der typischen Ossi/Wessi-Diskrepanzen handelt. Aber irgendwan
 n überkam mich während einer meiner Exkursionen durch Brandenburg die Hy
 pothese\, dass es vielleicht daran liegen könnte\, dass hier ja mehrheit
 lich nüchterne Protestanten leben und ich mich schlicht und einfach nich
 t mehr im sinnlichen\, katholischen Süden befinde.\n\nSo dämmerte es mir
  langsam\, was der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière kurz 
 nach der Wiedervereinigung gemeint haben könnte\, als er sagte\, dass De
 utschland nun wieder etwas protestantischer werden wird.\n\nUnd Thomas F
 riedrich\, der Philosoph\, bestärkt mich nun in diesen Gedanken. Aus mei
 ner Hypothese formulierte er humorvoll seine Thesen ...\n\nVORAB EINIGE 
 FRAGEN AN DEN PHILOSOPHEN\nWie prägen christliche Konfessionen Produktde
 sign\, Kommunikationsdesign und Architektur? Wie bewerten Protestanten u
 nd Katholiken Arbeit? Welche Konsequenzen hat das auf ein Design? Ist di
 e Aussage \"Form folgt Funktion\" überhaupt sinnvoll? Wurde die klassisc
 he Moderne und Le Corbusiers Städteplanungskonzepte etwa von Luther gepr
 ägt? Ist Graphic Design im Sinne der New Yorker Schule sinnlich\, die Ul
 mer Schule hingegen streng\, kühl und unmenschlich? Ist Otl Aicher etwa 
 ein calvinistischer Designguru? Und was ist mit Alessi-Design\, das mit 
 Gesichtern\, Ornamenten\, Witz und Ironie arbeitet? Ist Philippe Starck 
 gar erzkatholisch?\n\nÜBER PROF. DR. THOMAS FRIEDRICH\nDas Thema dieses 
 Ateliergesprächs mit Thomas Friedrich\, welches sich sicherlich auch auf
  Nietzsches »Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn« beziehen l
 ässt\, klingt – wie schon erwähnt – vielleicht etwas spröde. Aber das tä
 uscht.\n\nIch kenne Thomas Friedrich nun schon seit einigen Jahren. Und 
 ich kann – Hand aufs Herz – versichern\, dass er ein blendender\, humorv
 oller und unterhaltsamer Rhetoriker\, ja vielleicht sogar ein Redekünstl
 er im Sinne Aristoteles ist. Er gehört zu den sprachgewandten Oratoren\,
  die komplexe Thesen lebhaft und leichtblütig vortragen können\, ohne da
 ss das Publikum dabei sanft entschlummert. Es hat mir bisher immer sehr 
 viel Freude bereitet\, seinen intelligenten und kritischen Betrachtungsw
 eisen zu folgen. Einen Beamer oder sonstige Präsentationshilfsmittel wer
 den wir bei diesem Ateliergespräch nicht benötigen.\n\nProf. Dr. Thomas 
 Friedrich ist Jahrgang 1959. Zuerst studierte er in Würzburg Grafikdesig
 n und anschließend Philosophie\, Politische Wissenschaft und Volkskunde.
  Dann Lehrtätigkeit als Hochschuldozent für Geschichte und Theorie der V
 isuellen Kommunikation an der Fakultät für Gestaltung der Bauhaus-Univer
 sität Weimar. Seit März 2000 ist er Professor für Philosophie und Design
 theorie an der Fakultät Gestaltung der Hochschule Mannheim. Dort leitet 
 er auch das Institut für Designwissenschaft. Zusammen mit Gerhard Schwep
 penhäuser gibt Thomas Friedrich die Buchreihe Ästhetik und Kulturphiloso
 phie im LIT Verlag (Münster\, London) heraus. Seit 2002 ist er Redakteur
  der Zeitschrift für kritische Theorie (zu Klampen\, Springe). Er ist Gr
 ündungsmitglied der Gesellschaft für Designgeschichte\, berufenes Mitgli
 ed der Freien Akademie der Künste Rhein-Neckar\, des Deutschen Werkbunde
 s Baden-Württemberg und Leiter der Sektion Design der Deutschen Gesellsc
 haft für Semiotik e.V.\n\nFRIEDRICHS THESE\nEs macht Sinn\, ganz allgeme
 in sowohl in der Produktionsästhetik\, als auch in der Rezeptionsästheti
 k von tendenziell katholischem oder evangelischem Design zu reden\, also
  nicht nur im Zusammenhang mit kirchlichem Design\, wo diese Unterscheid
 ung selbstverständlich ist\, sondern auch im säkularen Bereich der Gesta
 ltung. Es macht auch Sinn\, diese Dichotomie auf unterschiedliche Design
 theorien anzuwenden. Um dies aufzuzeigen zu können\, wird Thomas Friedri
 ch eine Art begriffliches Polaritätenprofil – was ist katholisch und was
  ist protestantisch – entwickeln.\n\nDies könnte beispielsweise so ausse
 hen: Protestanten fassen Arbeit als Gottesgeschenk auf\, sie heroisieren
  in hektischer Betriebsamkeit die Arbeit. Und nicht nur das: Arbeit muss
  ihnen weh tun. Libidinös besetzte Arbeit zählt für sie nicht als Arbeit
 \, denn mit einer solchen kommen sie natürlich nicht in den Himmel. Sie 
 fragen sich: Ich bin bei meiner Arbeit glücklich\, was mach ich nur fals
 ch? Und im Übrigen: Müßiggang ist aller Laster Anfang und wer schläft\, 
 der sündigt!\n\nDie Katholiken dagegen fassen Arbeit grundsätzlich als G
 ottesstrafe auf. \"Mei Ruah will i ham\" (Meine Ruhe will ich haben)\, s
 agt der katholische Bayer. Er neigt dadurch eher zur Betriebsstörung als
  zur Betriebsamkeit. Für ihn darf Arbeit auch Freude und Lust bereiten\,
  sie darf auch libidinös besetzt sein. Sie fragen sich: Ich bin bei mein
 er Arbeit glücklich\, gut so! Am schönsten ist es nichts zu tun und dann
  vom Nichtstun auszuruhen (Zitat des wunderbaren Klaus Havenstein) – und
  im Übrigen: wer schläft\, der sündigt nicht!\n\nDaraus entwickelt sich 
 zwangsläufig eine weitere These: Sowohl Designproduktion (Encodierung) a
 ls auch Designrezeption (Decodierung) kann mono- oder plurifunktionalist
 isch bzw. protestantisch oder katholisch sein. Denn von einem Benutzer g
 ebraucht zu werden ist gleichsam der Zweck des Designs. Das gilt für Kom
 munikationsdesign wie für Produktdesign und Architektur gleichermaßen. D
 er Designer kann nun seine Objekte im Hinblick auf eine oder auf mehrere
  Nutzungen anlegen oder encodieren\, um es mit einem semiotischen Begrif
 f zu bezeichnen. Dieser Unterschied entspricht dem zwischen monofunktion
 alistischem und plurifunktionalistischem Design. Monofunktionalistische 
 Designproduktion und -rezeption ist für Thomas Friedrich eher protestant
 isch\, die plurifunktionalistische Designproduktion und -rezeption hinge
 gen katholisch.\n\nEine auf diese Designkriterien hin verlängerte konfes
 sionelle Polaritätenliste könnte nun – hier verkürzt – folgendermaßen fo
 rmuliert werden: Für Protestanten (Monofunktionalismus) sind Bilder uner
 wünscht\, Ornamente und Zierrat als Überfluss verpönt. Und es gilt das C
 redo »Weniger ist mehr« – und zum Teufel mit der Sinnlichkeit\, der kühl
 e\, rationale Geist ist wichtiger.\n\nFür Katholiken (Plurifunktionalism
 us) hingegen sind Bilder durchaus erwünscht\, Ornamente und Zierrat sind
  natürlich kein Problem – solange die Semantik stimmt. Es gilt das Credo
 : Und mehr ist mehr – und um Gottes Willen\, ja zur fülligen Sinnlichkei
 t! Und lasst uns am Besten gleich dabei alle Sinne ansprechen ...\n\nWEI
 TERFÜHRENDE INFORMATIONEN UND LITERATUR\nThomas Friedrich und Gerhard Sc
 hweppenhäuser: Bildsemiotik. Grundlagen und exemplarische Analysen visue
 ller Kommunikation\, Basel 2010\nThomas Friedrich: Ist Industriekultur K
 ulturerbe für Europa? in Klaus Kufeld (Herausgeber)\, Europa – kreativ\,
  Kulturregion(en) im Aufbruch\, Freiburg 2008\nThomas Friedrich und Klau
 s Schwarzfischer: Wirklichkeit als Design-Problem. Zum Verhältnis von Äs
 thetik\, Ökonomik und Ethik\, Würzburg 2008\nThomas Friedrich und Jörg H
 . Gleiter (Herausgeber): Einfühlung und phänomenologische Reduktion. Gru
 ndlagentexte zu Architektur\, Design und Kunst\, Reihe Ästhetik und Kult
 urphilosophie\, Band V\, Münster 2007\nThomas Friedrich und Ruth Dommasc
 hk: bildklangwort. Grundlagenwissen Gestaltung Band 1\, Reihe Ästhetik u
 nd Kulturphilosophie\, Band IV\, Münster 2005\nThomas Friedrich: Alles f
 ake – oder was? in Kritische Ästhetik und humane Gestaltung. Festschrift
  für Olaf Weber zum 60. Geburtstag\, Weimar 2005\nThomas Friedrich: The 
 Medium is McLuhan in Massenkultur. Kritische Theorien im interkulturelle
 n Vergleich\, Reihe Ästhetik und Kulturphilosophie\, Band II\, Münster 2
 003\nThomas Friedrich: Phänomenologie für Künstler und Designer. Grundle
 gendes zum Verständnis der Wahrnehmungstheorie Edmund Husserls in Visuel
 le Sprache. Jahrbuch der Fakultät Gestaltung\, Heft 1\, Weimar 2001\nTho
 mas Friedrich: Bewußtseinsleistung und Struktur. Aspekte einer phänomeno
 logisch-strukturalistischen Theorie des Erlebens\, Würzburg 1999\n\nWolf
 gang Beinert\nEverything good is fragile ... Save it!\nBerlin\, 25.4.201
 0
BEGIN:VALARM
ACTION:AUDIO
TRIGGER:-P1D
X-WR-ALARMUID:71958E09-F18A-4225-A73D-38A9FB6E3098
ATTACH;VALUE=URI:Basso
END:VALARM
END:VEVENT
END:VCALENDAR

