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WEIMAR | 5.6.2010
Ohne Pflicht keine Kür
Oder warum Qualität mit Q wie Qual beginnt
Vortrag von Wolfgang Beinert am 5. Juni 2010 auf dem »6. Internationalen SommerTyposium Typogravieh Lebt!« in Weimar.
Viele finden die exklusiven Drucksachen aus dem Atelier Beinert | Berlin bemerkenswert. All die wohlgestalteten Prospekte, Bücher und sonstigen Dinge für Leica, Chanel, Gmund oder für wen auch immer. Selbst Branchenfremde sind oftmals beeindruckt; so schrieb beispielsweise die Elle: »Seine Entwürfe, die überwiegend auf erlesenen Papieren gedruckt und in der Weiterverarbeitung veredelt werden, gehören zu den feinsinnigsten Drucksachen, die in Deutschland noch hergestellt werden«.
Nun, das liest sich natürlich alles toll und wunderbar. Aber die meisten insbesondere junge Kolleginnen und Kollegen vergessen dabei, wie viel Aufwand, Allgemein- und Fachwissen sowie produktionstechnisches Know-how vonnöten ist, um derartige Arbeiten realisieren zu können.

Viele Entwürfe von Wolfgang Beinert werden u.a. durch Prägungen veredelt. Unter einer »Blindprägung« versteht man beispielsweise eine partielle, plastische Verformungen des Papiers. Sie lebt durch die Wirkung von Licht und Schatten. Bild, Form oder Text werden durch die Prägung aus dem Bedruckstoff deutlich herausgehoben. Foto: Blindprägestempel von Wolfgang Beinert, Berlin.
Dieser Vortrag wird deshalb eine kleine Exkursion hinter die Kulissen des Top-Grafikdesigns. Eine Art Kurzseminar ein »Making of«, das anhand realisierter Grafikdesignprojekte von Wolfgang Beinert den elementaren Stellenwert der Typographie im Grafik- und Kommunikationsdesign vermittelt. An Auftragsarbeiten wird im Detail erklärt, wie derartige Projekte und Arbeiten entstehen und realisiert werden.
Im Vortrag werden Typo-Basics, Makro- und Mikrotypographie, Schrift ist nicht gleich Schrift, Kalligraphie, Schrift und Material, Schrift in unterschiedlichen Druck- und Produktionsverfahren, Schrift auf digitalen Benutzeroberflächen, Schrift im Prägedruck, Schrift und Druckfarben, Optimierung des typographischen Workflows, Raster- und Umbruchsysteme, Auftragsrecherche, Briefing, theoretische und praktische Herangehensweisen an einen Grafikdesignprojekt, Reinabwicklung, Präsentationstechniken und gewerbespezifischer Sprachschatz angesprochen. Nach dem Vortrag können Interessierte Fragen stellen.
Wolfgang Beinert gehört zu den wenigen deutschen Grafikdesignern, die sich ausschließlich auf exklusive Individuallösungen spezialisiert haben, die einen sehr hohen philologischen, handwerklichen, akademischen und künstlerischen Spezialisierungsgrad erfordern. Er wurde bereits vielfach international ausgestellt und ausgezeichnet; so u.a. vom Tokyo Type Directors Club, Art Directors Club und Type Directors Club of New York. Das Goethe-Institut widmete ihm 2001 als ersten Grafikdesigner eine Retrospektive. 2002 wurde er vom US-amerikanischen Designmagazin »Graphis« zu den wichtigen europäischen Grafikdesignern gezählt.

Veranstalter
Studenten der Fakultät Gestaltung
Bauhaus-Universität Weimar
Martin Schotten (Ansprechpartner)
Geschwister-Scholl-Straße 8
99423 Weimar
Infos unter http://vieh.typolis.net
Veranstaltungsort
5. Juni 2010 um 14:00 Uhr
E-Werk im Lichthaus Kino im Straßenbahndepot
Am Kirschberg 4
99423 Weimar
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