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Natur-, Feinst- und Künstlerpapiere im Offsetdruck

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Natur-, Feinst- und Künstlerpapiere im Offsetdruck

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Natur-, Feinst- und Künstlerpapiere im Offsetdruck

Tipps zur Herstellung von Wolfgang Beinert

 

Der Umgang mit den oftmals schwer zu verarbeitenden Natur-, Feinst- und Künstlerpapieren setzt in der Druckvorstufe, im Offsettdruck sowie in der buchbinderischen Weiterverarbeitung eine gewisse Erfahrung mit hochwertigen Druckerzeugnissen voraus. Die nachfolgenden Tipps resultieren aus jahrelanger Herstellungserfahrung.

 

Druckraster

Viele Hersteller von Naturpapieren empfehlen einen Feinstraster bis zu 60 l/cm. Dies ist erfahrungsgemäß sehr riskant. Zumindest bei Naturpapieren, beispielsweise mit viel Hanf, Baumwolle oder Hadern. Zu empfehlen ist hier ein Mittelraster bis maximal 54 l/cm. 60 l/cm sind nur zu empfehlen, wenn ein Zulaufen des Bildmotivs absichtlich aus gestalterischen Gründen beabsichtigt ist. Denn ganz besonders bei Naturpapieren gilt: Je feiner der Raster, desto stärker ist die Tonwertzunahme. Und: je mehr Druckfarben für das Bildmotiv benötigt werden, desto mehr läuft das Motiv zu.

Mit frequenzmodulierten Rastern (z.B. Agfa Cristalraster) können keine besseren Ergebnisse bei schweren Naturpapieren erzielt werden. Diese Rastermethode eignet sich besser für gestrichene und gussgestrichene Papiere.

 

Punktzuwachs

Naturpapiere haben eine spürbar stärkere Tonwertzunahme als gestrichene Papiere. Deshalb ist die Berücksichtigung des Punktzuwachses bei Natur-, Feinst- und Künstlerpapieren entscheidend für das Druckergebnis. Nicht ungewöhnlich sind bei manchen schweren Naturpapieren sogar bis zu 30% Punktzuwachs ( ! ) im 4c-Skalendruck bei einem 60er Raster. Proofs weichen sehr stark vom Auflagendruck ab und machen somit keinen Sinn. Um den Punktzuwachs zu kompensieren, gibt es deshalb nur zwei Möglichkeiten: Erstens. Die 08-15 Methode. Die Ausbelichtung der Daten erfolgt mit automatischer Korrektur der Gradationskurve (insbesondere Mitteltöne) durch die Software des Belichters. Hier grundsätzlich die richtige Papierqualität im Menü der Software wählen. Das Druckergebnis ist bei dieser Methode allerdings nicht vorherzusehen und nur sehr teure Geräte verfügen über diese Menüoption.

Zweitens. Die optimale Methode. Der Punktzuwachs wird bereits während der Bildbearbeitung korrigiert. Als Muster dient hierbei ein Andruck des Motivs auf Auflagenpapier. Der Punktzuwachs kann so optimal korrigiert werden. Allerdings sollte man hierbei bedenken, dass eine Offsetdruckmaschine (z.B. eine Heidelberg Speedmaster) einen anderen Anpreßdruck und einen anderen Farbauftrag hat, als eine Andruckmaschine. Dies sollte beim Messen des Druckkontrollstreifens mit dem Densitometer berücksichtigt werden.

Druckmaschinen mit spitzem Punkt (wie z.B. Planeta P24 SW oder Heidelberger Speedmaster 52) sind besser für das Bedrucken von Naturpapieren geeignet.

 

Farbflächen

Große Farbflächen (z.B. farbiger Vorsatz) in 4c-Skalendruck sind nicht zu empfehlen. Auch hier gilt: die gedruckten Farben unterscheiden sich erheblich von den Monitorfarben und den 4c-Farbtabellen. Hinzu kommt, dass aufgrund der Konsistenz von Naturpapieren sich in der Drucksache wiederholende gleichfarbige Flächen, unterschiedliche Farbanmutungen bekommen können. Große Farbflächen aus der 4c-Skala müssen also – wie Bildmotive – angedruckt werden. Im Echtfarbdruck umgeht man dieses Problem weitgehend.

 

Filmbelichtung

Filme sind – trotz digitaler Druckvorstufe – in einigen Druckereien auch heute noch im Einsatz. Die Daten sollten nur in der höchsten und feinsten Auflösung ausbelichtet werden. An dieser Stelle sei noch darauf hingewiesen, dass viele Belichtungsstudios und Druckereien immer noch die Maßsysteme lpi oder lpc verwechseln. Deshalb immer darauf achten, dass beim Ausbelichten die richtige Rasterweite eingestellt ist. Ebenso sollte darauf geachtet werden, dass nur einwandfreie und frische Chemie bei der Entwicklung verwendet wird. Auf jeden Fall müssen die Opazität bzw. Lichtundurchlässigkeit des Films und insbesondere die Punkte kontrolliert werden. Sind sie hart? Sind sie beschädigt? Sind die Passer exakt? Wurde bei Duplex- Triplex- oder Quadruplexmotiven die Rasterwinkelung gedreht? Naturpapier verzeiht hier weniger Nachlässigkeiten als gestrichenes Papier.

 

Platten

Nur qualitativ hochwertige Platten benutzen. Die Filme müssen auf die Platten so kopiert werden, dass keine Lichthöfe entstehen und der Punkt so hart wie möglich bleibt. Auch hier gilt, nur einwandfreie und frische Chemie bei der Entwicklung verwenden. Platten unbedingt auf Staub, Schmutz, Lichthöfe und Schärfe kontrollieren!

 

Digitale Plattenbelichtung

Gute Erfahrungen haben wir beim Bedrucken stark saugender Materialien mit der Verwendung von CtP-Platten gemacht. Wir belichten unsere Druckplatten u.a. mit dem Heidelberger Trendsetter. Hohlkopien, Punktverbreiterung durch falsche Belichtung, Schnittkanten etc. sind bei diesem Verfahren natürlich kein Thema.

 

Laufrichtung

Die meisten Natur-, Feinst- und Künstlerpapiere gibt es leider nur im ungünstigen Druckformat 70 cm x 100 cm Schmalbahn. Um hier bereits die Kosten zu minimieren, kann man – insbesondere schwere Naturpapiere – problemlos in falscher Laufrichtung bedrucken. Unterschiede im Vergleich zum Bedrucken in richtiger Laufrichtung sind nicht erkennbar.

Allerdings gilt dies nicht für die buchbinderische Verarbeitung. Hier gilt der Grundsatz: der Buchbinder muss feststellen, welche Laufrichtung er zur Verarbeitung benötigt. Denn die falsche Laufrichtung kann sich bei Naturpapieren während der buchbinderischen Verarbeitung katastrophal auswirken. Insbesondere beim Rillen, Falzen, Kaschieren und besonders beim Kleben. Bei größeren Drucksachen, wie z.B. Geschäftsberichten, ist die Fertigung eines 1:1 Dummys unerlässlich.

 

Klima und Lagerung

Natur-, Feinst- und Künstlerpapiere sollten schon einige Tage zuvor in der gleichen Umgebung gelagert werden, in der sie verarbeitet werden. Und Vorsicht: bei falscher Lagerung entstehen Randwellen oder Verspannungen. Besonders beim Transport während der kalten und nassen Jahreszeit ist die Gefahr besonders groß, dass die Stapelfeuchte von der Umgebungstemperatur stark abweicht. Deshalb darf das Papier erst dann ausgepackt werden, wenn die Temperatur an das Verarbeitungsklima angepasst wurde.

 

Andrucke

Die Druckergebnisse einer Andruckerei können bei Naturpapieren stark vom Auflagendruck abweichen. Der Anpreßdruck einer Offsetdruckmaschine (z.B. einer Heidelberg Speedmaster) ist anders, als der einer Andruckmaschine. Gleiches gilt für den Farbauftrag und die Farbkonsistenz. Die Korrelation Andruck – Auflagendruck muss mit der Andruckerei bereits im Vorfeld diskutiert werden. Beim Andruck muss nicht nur das gleiche Papier verwendet werden, sondern auch die gleiche Farbe. Optimal ist natürlich ein Andruck der problematischen Motive auf jener Offsetdruckmaschine, auf der später auch der Auflagendruck gefahren wird.

 

Passgenauigkeit

Ist die Passgenauigkeit der Motive bzw. des Entwurfs sehr wichtig, niemals den gleichen Bogen in zwei unterschiedlichen Durchgängen bedrucken! 4c Druck auf einer Ein- oder Zweifarbenmaschine ist somit sehr problematisch. Naturpapiere arbeiten sehr stark. Insbesondere Papiere, die einen hohen Anteil von Baumwolle oder Hanf enthalten. Wird auf schweren Naturpapieren in falscher Laufrichtung gedruckt, können Passerdifferenzen (Farbwerk 1 zu Farbwerk 4 und aufwärts) entstehen.

 

Druckfarben

Bei Naturpapieren nur schnell wegschlagende, oxydativ trocknende Farben verwenden, die es allerding nur im Skalendruck gibt. Bei hohem Farbaufwand Trockenstoff zugeben. Auf keinen Fall Fresh-Farben (Farben, die über Nacht in der Maschine bleiben können) verwenden. Fresh-Farben verursachen einen Löschblatteffekt. Für den Skalendruck sind Nova- und Turbo-Board-Farben zu empfehlen. Die optimale Schwarzfarbe für Naturpapiere ist ein Intensivschwarz mit starker Pigmentierung. Hier hat man die beste Möglichkeit, während des Drucks die Farbe optimal zu regulieren.

 

Pantone Druckfarben

Echtfarben (z.B. HKS und Pantone) gibt es leider seit Jahren nur noch als Fresh-Farben. Es muss also 5 % Trockenstoff zugemischt werden. Die optimale Lösung ist aber, sich von seinem Lieferanten eine schnell wegschlagende, oxydativ trocknende Sonderfarbe anmischen zu lassen. Ab ca. 15 kg geschieht dies ohne Aufpreis. Darunter muss man bis ca. 150-200 Euro pro Farbe zusätzlich rechnen.

 

Werden helle HKS- oder Pantone-Sonderfarben, insbesondere helle Pantonefarben gedruckt, Farbwerke gründlich waschen! Bei alten Farbwerken sind in den spröden Walzen in der Regel Farbreste eingetrocknet, die selbst bei mehrfachem Reinigen nicht beseitigt werden können. Die Farbwerke verfälschen die Echtfarben erheblich. Pasten oder Spezialchemikalien helfen hier erfahrungsgemäß nicht mehr, um optimal helle Pantonetöne zu erhalten.

 

Anpressdruck

Wenn möglich, kompressibles Gummituch mit hartem Aufzug verwenden. Bei schweren Naturpapieren (z. B. Arches Expression von Arjo Wiggins) Erhöhung des Anpreßdrucks auf ein Maximum, auch wenn das der landläufigen Meinung widerspricht. Die Bilder bekommen somit mehr Zeichnung. Den Anpreßdruck so erhöhen, dass die Typo nicht ins Schwimmen gerät.

 

Feuchtmittelzusatz

Keinen Alkoholersatz oder sonstige Feuchtmittelzusätze benutzen, sondern nur Alkoholfeuchtung mit maximal 10%iger Konzentration! Der ph-Wert sollte bei Naturpapieren mit oxydativ trocknenden Farben etwas über Normalwert liegen. Ideal ist hier ein Ph-Wert von 5,5.

 

Staub

Schwere Naturpapiere stauben während des Druckvorgangs oftmals sehr. Um ein optimales Druckergebnis zu erreichen, müssen regelmäßig die Farbwerke geputzt werden. Dies gilt besonders bei hohen Auflagen.

 

Trocknung

Am besten keine Druckbestäubung während des Auflagendrucks verwenden! Richtig bedrucktes Naturpapier braucht länger, bis es trocken ist. Das bedruckte Papier darf nicht zu hoch gestapelt werden, da sonst Motive oder Farbflächen auf die nächste Seite ablegen.

 

Atelier Beinert | The Fine Art of Graphic Design
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