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Praktikum, Volontariat, Trainee und Werkstudium

Wolfgang Beinert | Newsletter : Typographie und Grafikesign

Praktikum, Volontariat, Trainee und Werkstudium

Informationen und Tipps von Wolfgang Beinert

 

Zuerst vielen Dank für Ihr Interesse an meinem Atelier. Aber leider muss ich Ihnen mitteilen, dass ich aus Zeitgründen keine Praktikanten, Volontäre, Studenten oder sonstige Zauberlehrlinge mehr aufnehmen kann und deshalb auch keine Praktika oder Volontariate vakant sind. Aber damit Ihre Suche nicht gänzlich umsonst ist, habe ich und einige meiner ehemaligen Studenten/innen nachfolgend einige Informationen und zu guter Letzt ein paar wichtige Tipps zusammengestellt. Ich hoffe, sie werden Ihnen weiterhelfen …

Der Coach Petra Spiess bringt es bei einem Interview in »Zeit-online« auf den Punkt: »Die konkrete Berufsplanung beginnt mit dem ersten Praktikum, denn damit gebe ich eine Richtung vor, in die ich mich entwickeln möchte. Auch wenn ich dabei herausfinde, dass ich mir diesen Job ganz anders vorgestellt habe, ist ein erster Schritt getan«. Formen des praktischen Lernens gehören vor, während und nach dem Studium zur Ausbildung eines Designers oder Fotografen.

Das ist eine Seite der Medaille. Die Kehrseite der Medaillie ist, dass die Weitergabe von praktischen Wissen heute mehrheitlich leider nicht mehr im Vordergrund seht, sondern die Rekrutierung kostenfreier oder minderentlohnter Arbeitskräfte und Ideengeber. Anders formuliert: Die »Generation Praktikum« scheint ausschließlich nur noch der Gewinnmaximierung von Werbeagenturen, Designbüros oder sonstigen privaten und öffentlichen Unternehmungen zu dienen. Da es für Schulabgänger, Berufseinsteiger und Berufsanfänger äußerst schwierig geworden ist, die Spreu vom Weizen zu trennen und sich für ein sinnvolles Praktikum, Volontariat, Trainee oder Werkstudium zu entscheiden, haben wir im folgenden mögliche praktische Ausbildungsformen differenziert und zum Schluss dieses Artikels einige Tipps formuliert.

 

Praktikum

Unter einem Praktikum versteht man in der Regel ein Arbeits- oder Berufsausbildungsverhältnis im Zusammenhang mit einer Hochschulausbildung oder einer beruflichen Ausbildung. Es sollte einen einführenden oder übenden Charakter haben, beziehungsweise einschlägige Kenntnisse und Erfahrungen im zukünftigen Berufsfeld vermitteln. Die Zeitspanne, über das sich ein Praktikum erstreckt, hängt von der jeweiligen Art des Praktikums ab. Der Zeitrahmen schwankt zwischen einer Woche bis zwölf Monaten. Die Entlohnung liegt in der Regel im Bereich zwischen 0,- und 400,- Euro, da in diesem Vergütungsrahmen der Praktikant sozialversicherungsfrei ist, solange das Praktikum Teil der Studien- und Prüfungsordnung, beziehungsweise Teil des ersten akademischen Abschlusses ist (siehe auch de.wikipedia.org/wiki/Praktikum). Sofern kein Arbeitsverhältnis abgeschlossen wurde, gelten für das Praktikantenverhältnis die Bestimmungen des Berufsausbildungsgesetzes. Man unterscheidet folgende Praktika: – Schüler- oder Schnupperpraktikum – Prae- oder Vorpraktikum – Studienbegleitendes Praktikum – Post-Praktikum

 

Schüler- oder Schnupperpraktikum
Das Schüler- beziehungsweise Schnupperpraktikum erfolgt häufig im Zusammenhang mit einer Berufswoche an Schulen. In dieser Zeit sollen die Schüler in einem Betrieb die Arbeits- und Ausbildungsbedingungen kennen lernen. Der Praktikant erlangt einen kurzen Einblick, der ihm für seine spätere Berufswahl von Nutzen sein kann. In der Regel dauern Schnupper- oder Schülerpraktika zwischen ein bis drei Wochen. Schüler- oder Schnupperpraktika werden nicht vergütet, da diese Form des Praktikums mit einem sehr hohen Betreuungsaufwand für die Betriebe verbunden ist. Schüler- oder Schnupperpraktikas werden in der Design- und Werbewirtschaft nur sehr selten angeboten. Deshalb hilft hier in der Regel nur »Vitamin B«.

 

Prae- oder Vorpraktikum
Das Vorpraktikum wird vor allem von Schülern und Abiturienten absolviert, die in den Beruf etwas länger als ein paar Tage »reinschnuppern« möchten. An vielen Berliner Hochschulen ist dies auch Vorraussetzung für die Immatrikulation. Für den Arbeitgeber kann diese Art von Praktikum, je nach Engagement und Vermittlungsbedarf, sehr zeit- und betreuungsintensiv sein. Denn der Praktikant schaut sich die Dinge an, kann aber in der Regel kaum Arbeiten selbst übernehmen. Auf diese Weise ist es nur möglich, einen groben Überblick über die Tätigkeiten im Bereich der Gestaltung und im Idealfall auch die Freude am Gestalten zu vermittelt. Unter Umständen kann diese Art von Praktikum ausschlaggebend für die zukünftige Berufswahl sein. Generell dauert ein Vorpraktikum zwischen sechs bis 13 Wochen. Das Prae- oder Vorpraktikum wird in der Regel gering oder nicht vergütet.

 

Studienbegleitendes Praktikum
Es gibt zwei verschiedene Arten des studienbegleitenden Praktikums: nämlich das Praxissemester und das freiwillige Praktikum, das beispielsweise während der Semesterferien oder während eines Urlaubssemesters absolviert werden kann. Praktika im Zusammenhang mit einem Praxissemester sind an Hochhochschulen üblich, aber nicht immer vorgeschrieben. Aus diesem Grunde machen viele Studenten ein zusätzliches Praktikum, um eine bei späteren Arbeitgebern gern gesehene Zusatzqualifikationen zu erlangen. Es soll dem Studenten tiefer gehende Einblicke in das Berufsleben verschaffen. Darüber hinaus möchte dieser die bisher erworbenen Fähigkeiten auf die Probe stellen und gleichzeitig die eigenen Grenzen austesten. Vom Arbeitgeber wird zu Beginn des Praktikums meist eine sehr intensive und zeitaufwändige Betreuung des Praktikanten gefordert, bis dieser mit den generellen Abläufen des Arbeitsplatzes vertraut ist. Erst nach dieser Einarbeitungszeit, die circa sechs bis acht Wochen dauert, wird der Arbeitnehmer »wirtschaftlich interessant«. Aufgrund dieser Tatsache beträgt die erwartete Verweil in den meisten Unternehmen zwei bis drei Monate. Dies jedoch hat häufig eine Kollision mit den an Hochschulen nur zwei Monaten dauernden Semesterferien zur Folge. Nicht nur um den Einarbeitungsprozess so effektiv wie möglich zu gestalten, wird von den Praktikanten erwartet, dass sie sich aktiv am Geschehen beteiligen und sich in die Firma einbringen. Das Praxissemester bzw. das freiwillige Praktikum wird ab der Einarbeitungsphase mit bis zu 400,- Euro vergütet. Besitzt der Praktikant bereits Praxiswissen und muss nicht mehr eingearbeitet werden, wird das Praktikum von Anfang an mit bis zu 400,- Euro vergütet.

 

Post Praktikum
In keinem anderen Bereich außer der Design- und Werbewirtschaft hat es sich so stark eingebürgert, dass Absolventen zunächst als Praktikanten eingestellt werden. Oftmals wird dies mit »dem Mangel an praktischer Erfahrung« begründet, die während des Studiums oftmals zu kurz kommt. Häufig besteht jedoch die Option der anschließenden Übernahme, die aber keineswegs garantiert wird. Das Interesse der Praktikanten jedoch liegt nicht allein darin, sich einen Einstieg in das Berufsleben zu ermöglichen, sondern genauso in der Einarbeitung in einen speziellen Bereich und somit der Orientierung. Darüber hinaus hoffen die meisten sowohl auf eine Weiterentwicklung des gestalterischen Könnens als auch auf eine Erweiterung des Horizonts. Um dies zu ermöglichen erwartet der Praktikant Beteiligung an allen gestalterischen Prozessen und die Chance der eigenständigen Übernahme von Projekten. Voraussetzung hierfür ist eine aktive und eigenständige Mitarbeit. Deswegen sollte der Praktikant fähig sein, Arbeiten ohne große Hilfestellung zu bewältigen. Dies fordert zunächst in der Einarbeitungszeit von Seiten des Arbeitgebers Unterstützung, bietet aber gleichzeitig die Möglichkeit, eigene Nachwuchskräfte zu fördern. Diese Art von Praktikum dauert in der Regel zwischen drei und zwölf Monaten. Ein Praktikant mit Diplom-, Bachelor- oder Master-Abschluss erhält je nach Dauer und Qualifikation ca. 400,- bis 1.500,- Euro. Achtung: Da der Praktikant nach dem Studium exmatrikuliert ist, ändern sich auch die sozial- und arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen.

 

Volontariat

Der Begriff Volontariat stammt ursprünglich von dem französischen Wort »Volontaire« ab, das soviel wie »Freiwilliger ohne Sold« bedeutet. Dies ist gleichbedeutend mit dem lateinischen Volontarius »freiwillig« (siehe auch de.wikipedia.org/wiki/Volontariat). Anfänglich stand das Volontariat für eine journalistische Ausbildung in den verschiedenen Ressorts der Massenmedien, die seit 1990 auch tariflich vertraglich geregelt ist. Aufgrund des freien Zugangs zum Beruf des Redakteurs ist diese Art von Ausbildung in diesem Bereich allgemein üblich, jedoch nicht zwingend vorgeschrieben. Vermittelt werden praktische Kenntnisse und Erfahrungen in den journalistischen Tätigkeiten (Schreiben, Recherchieren, Redigieren, Auswählen, Bewerten) sowie Layout- und Umbruchtechniken. Sinn und Zweck ist das Kennenlernen des gesamten Ablaufes einer Redaktion und der von ihr zu erfüllenden Aufgaben. (Absolventen einer Journalistenschule müssen in der Regel kein Volontariat mehr absolvieren, sondern werden direkt als Redakteure eingestellt.) Die meisten Volontariate werden bei Tageszeitungen angeboten. Diese Form von praktischer Ausbildung ist inzwischen aber auch in anderen Berufen wie beispielsweise Fotografen und Designern üblich. Die Dauer eines Volontariats liegt im Normalfall zwischen zwölf bis 24 Monaten und wird selten vergütet.

 

Trainee

Das Traineeprogramm ist ein berufs- und unternehmensspezifisches Förderprogramm für akademische Berufsanfänger. Es dient in erster Linie zur Ausbildung zukünftiger Führungskräfte. Aus diesem Grund wird dem Trainee von Beginn an mehr Verantwortung übertragen als zum Beispiel einem Praktikanten. Vorausgesetzte Schlüsselqualifikationen für einen Trainee sind unternehmerisches und problemorientiertes Denken, viel Eigeninitiative und Durchsetzungsvermögen, neben Auslandserfahrungen und vorhergehenden Praktika. Stellen sind vor allem im Bereich der Wirtschafts-, Rechts- und Naturwissenschaft, im (Wirtschafts-)Ingenieurwesen und in der Informatik üblich. Im Bereich der Design- und Werbewirtschaft ist diese Form der praktischen Ausbildung und Nachwuchsförderung so gut wie nicht bekannt und wenn, dann nur bei sehr großen international operierenden Design- und Werbeagenturen. Eine Traineeausbildung dauert ein bis zwei Jahre. Die Wahrscheinlichkeit der anschließenden Übernahme ist sehr hoch. Die durchschnittliche Vergütung beginnt ab etwa 3.500,- Euro pro Monat.

 

Werkstudium

Die Werkstudententätigkeit ist ein semesterbegleitendes Arbeitsverhältnis, das sich über mehrere Monate oder Jahre erstreckt. Der Student wird von Anfang an fest in die Arbeitsabläufe mit eingebunden. Dies hat zur Folge, dass der Student realitätsnahe Erfahrungen sammeln kann und sich ihm häufig die Möglichkeit einer praxisbezogenen Masterarbeit bei dem jeweiligen Unternehmen bietet. Daraus ergeben sich sowohl für den Arbeitgeber als auch für den Studenten Vorteile. Der Student lernt von Beginn an das zukünftige Aufgabengebiet kennen und kann praktische Erfahrung sammeln. Der Arbeitgeber kann auf diese Weise einen Blick auf den Nachwuchs werfen und hat später die Möglichkeit, bereits eingearbeitete Leute zu übernehmen. Werkstudentenstellen werden immer bezahlt. Die Vergütung hängt stark von dem jeweiligen Unternehmen ab, übertrifft aber jedes Praktikantengehalt um ein Vielfaches. Vertraglich werden Werkstudenten in der Regel genauso behandelt wie andere Arbeitnehmer. Dies bedeutet, dass Tarifverträge theoretisch auch für Werkstudenten gelten. Die Verträge verpflichten zumeist zu einer 20-Stunden-Woche, die nur in den Semesterferien überschritten werden darf, um weiterhin steuerfrei und eventuell auch sozialversicherungsfrei zu sein. Die Rentenversicherungspflicht bleibt aber in jedem Fall bestehen.

 

Tipps

1. Überlegen Sie sich sehr genau, welche Form des praktischen Lernens für Sie sinnvoll ist. Einfach nur »irgendwo in Berlin ein Praktikum machen«, ist in der Regel nicht zielführend.

2. Wenn ein Praktikum nicht im Zuge einer (Hochschul)Ausbildung erfolgt, ist es kein Praktikum, sondern schlicht und einfach ein minderbezahlter Hilfsarbeiterjob – also ein Minijob. An dieser Tatsache hilft auch Schönrednerei nichts.

3. Schauen Sie sich deshalb sehr genau die Offerten an. Recherchieren Sie mit der Lupe, was das für ein Designer, Fotograf oder was das für eine Werbeagentur ist.

4. Glauben Sie nicht alles, was Sie lesen, hören oder sehen. Denken Sie daran, dass »Versprechungen und Märchengeschichten” das Kerngeschäft der Werbeindustrie ist. Anders formuliert: Es ist garantiert nicht alles Gold was glänzt. Das gilt insbesondere für Berlin.

5. Hinterfragen Sie detailliert, was Sie in dieser Zeit lernen. Gibt es einen Lehr- oder Ausbildungsplan? Über welches Wissen werden Sie nach Beendigung des Praktikums, Volontariats, Trainees oder Werkstudiums verfügen?

6. Große Werbeagentur oder kleines Designbüro? Beide Betriebsgrößen haben Vor- und Nachteile. Die entscheidende Frage bleibt jedoch: Was lerne ich und wen lerne ich kennen?

7. Bekanntlich sind Lehrjahre keine Herrenjahre. Aber lassen Sie sich nicht zur kostenlosen oder minderentlohnten Arbeitskraft degradieren, die nur einen Hilfsarbeiterjob ausführt. Das gilt insbesondere für Praktikas nach dem Studium. Glauben Sie grundsätzlich niemals den Versprechungen, die Ihnen suggerieren, dass Sie nach einem (langen und minderentlohnten) Post-Praktikum zu regulären Arbeitsbedingungen übernommen werden. Oder dass Sie für kein oder wenig Geld arbeiten müssten, um dann »etwas in der Mappe zu haben« – um wiederum damit andere Jobs damit zu akquirieren. Solche Versprechungen sind in der Regel zu hundert Prozent heiße Luft.

8. Abgesehen von der journalistischen Ausbildung, lohnt sich ein Volontariat in der Design- und Werbewirtschaft nur bei sehr renommierten Designern, Fotografen oder Agenturen. Hier steht das Generieren von »Herrschaftswissen« und nachhaltigen Kontakten im Vordergrund. Nur dafür lohnt es sich, ein Jahr ohne Vergütung zu arbeiten.

9. Bewerben Sie sich mit Elan, Engagement, Kreativität und Hartnäckigkeit. Mal einfach eine »Rundmail mit PDF rüberschicken« reicht bei guten Designbüros, Ateliers oder Agenturen bei Gott nicht aus. Bedenken Sie: Gleich und gleich gesellt sich gern. Anders formuliert: Wirklich gute Designer und Agenturen suchen auch wirklich gute Praktikanten, Volontäre, Trainees oder Werkstudenten. Und natürlich umgekehrt: 08/15-Bewerber landen bei 08/15-Agenturen und 08/15-Büros. Faustregel: Je mehr Sie sich bei Ihrer Bewerbung ins Zeug legen, desto wahrscheinlicher ist Ihr Erfolg. Und noch etwas: Wenn Sie zu einem guten Designer oder guten Agentur wollen, ist es vorprogrammiert, dass Sie erst einmal eine Absage erhalten. Das ist wie bei einer guten Hochschule. Also seien Sie hartnäckig und bleiben Sie am Ball …

Ihr
Wolfgang Beinert
Liebe, Leidenschaft, Neugierde …

 

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Wolfgang Beinert | Berlin: Graphic Design Studio
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