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Prof. Dr. Thomas Friedrich

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Prof. Dr. Thomas Friedrich

Prof. Dr. Thomas Friedrich: Weltgestaltung als Designbekenntnis

Was säkulare Designer und Architekten mit Katholiken, Protestanten und Professoren zu tun haben. Ein Ateliergespräch mit dem Philosophen Thomas Friedrich am Donnerstag, 17. Juni 2010 um 20:00 Uhr im Atelier Wolfgang Beinert | Berlin, Görlitzer Straße 51, 10997 Berlin.

 

KURZ VORWEG

Eigentlich sollte dieses Ateliergespräch mit Thomas Friedrich sich um ein ganz anderes Thema drehen, nämlich um mögliche Zukunftsperspektiven für uns Designer. Aber bereits nach einem Telefonat kamen wir zu dem Ergebnis, dass dieses Thema eigentlich einen langen Bart hat und eigentlich schon längst gegessen sein sollte. So traf es sich, dass Thomas Friedrich seit geraumer Zeit »Über die konfessionelle Weltgestaltung und -erfahrung im außerkirchlichen Sinn« philosophiert. Klingt auf den ersten Blick etwas kompliziert, ist es aber nicht. Gibt es Zufälle? Denn ich wiederum zermartere mir – seit ich aus Bayern nach Berlin gezogen bin, den Kopf darüber, warum und wieso hier im Norden, speziell natürlich in Berlin, eine gänzlich andere ästhetische Auffassung existiert als in den südlichen Gefilden, beispielsweise in meinen letzten Wohnorten Rom oder München.

Seit ich meinen Fuß über die Donau gesetzt habe, lautet einer meiner zentralen Fragen als Gestalter: Warum wirkt Berlin und Brandenburg auf Südländer oft so trist und uncharmant? Folgt hier die Form nur noch der Funktion? Ist Berlin etwa die Endstation Sehnsucht des protestantischen »form follows function«-Dogmas? Foto: Eine typische Berliner Straße im Wrangelkiez in unmittelbarer Nähe des temporären Ateliers von Wolfgang Beinert.

Seit ich meinen Fuß über die Donau gesetzt habe, lautet einer meiner zentralen Fragen als Gestalter: Warum wirkt Berlin und Brandenburg auf Südländer oft so trist und uncharmant? Folgt hier die Form nur noch der Funktion? Ist Berlin etwa die Endstation Sehnsucht des protestantischen »form follows function«-Dogmas? Foto: Eine typische Berliner Straße im Wrangelkiez in unmittelbarer Nähe des temporären Ateliers von Wolfgang Beinert.

 

Anfangs vermutete ich, dass es sich um eine der typischen Ossi/Wessi-Diskrepanzen handeln würde. Aber irgendwann überkam mich während einer meiner Exkursionen durch Brandenburg die Hypothese, dass es vielleicht daran liegen könnte, dass hier ja mehrheitlich nüchterne Protestanten leben und ich mich schlicht und einfach nicht mehr im sinnlichen, katholischen Süden befinde. So dämmerte es mir langsam, was der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière kurz nach der Wiedervereinigung gemeint haben könnte, als er sagte, dass Deutschland nun wieder etwas protestantischer werden wird. Und Thomas Friedrich, der Philosoph, bestärkt mich nun in diesen Gedanken. Aus meiner Hypothese formulierte er humorvoll seine Thesen …

 

VORAB EINIGE FRAGEN AN DEN PHILOSOPHEN FRIEDRICH

Wie prägen christliche Konfessionen Produktdesign, Kommunikationsdesign und Architektur? Wie bewerten Protestanten und Katholiken Arbeit? Welche Konsequenzen hat das auf ein Design? Ist Graphic Design im Sinne der New Yorker Schule sinnlich, die Ulmer Schule hingegen streng, kühl und protestantisch? Ist Otl Aicher etwa ein calvinistischer Designguru? Und was ist mit Alessi-Design, das mit Gesichtern, Ornamenten, Witz und Ironie arbeitet? Ist Philippe Starck gar erzkatholisch?Form follows function: Le Corbusier plädierte für eine rigide Trennung der Funktionen, Wohnung, Arbeit, Erholung und Verkehr. Viele Städte Deutschlands in Ost und West wurden in der Nachkriegszeit nach diesen Kriterien neu strukturiert. Was von Le Cobusier menschenfreundlich gemeint war, führte zu den trostlosen Hochhaussiedlungen am Stadtrand, in denen die Menschen letztlich nur zum Schlafen fahren. Wurde die klassische Moderne und Le Corbusiers Städteplanungskonzepte etwa von Luther geprägt? Ist die Aussage "Form folgt Funktion" gar unmenschlich? Foto: Wolfgang Beinert auf Spurensuche vor dem Martin Gropius Bau in Berlin.

Form follows function: Le Corbusier plädierte für eine rigide Trennung der Funktionen, Wohnung, Arbeit, Erholung und Verkehr. Viele Städte Deutschlands in Ost und West wurden in der Nachkriegszeit nach diesen Kriterien neu strukturiert. Was von Le Cobusier menschenfreundlich gemeint war, führte zu den trostlosen Hochhaussiedlungen am Stadtrand, in denen die Menschen letztlich nur zum Schlafen fahren. Wurde die klassische Moderne und Le Corbusiers Städteplanungskonzepte etwa von Luther geprägt? Ist die Aussage „Form folgt Funktion“ gar unmenschlich? Foto: Wolfgang Beinert auf Spurensuche vor dem Martin Gropius Bau in Berlin.

 

ÜBER PROF. DR. THOMAS FRIEDRICH

Das Thema dieses Ateliergesprächs mit Thomas Friedrich, welches sich sicherlich auch auf Nietzsches »Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn« beziehen lässt, klingt – wie schon erwähnt – vielleicht etwas spröde. Aber das täuscht. Ich kenne Thomas Friedrich nun schon seit einigen Jahren. Und ich kann – Hand aufs Herz – versichern, dass er ein blendender, humorvoller und unterhaltsamer Rhetoriker, ja vielleicht sogar ein Redekünstler im Sinne Aristoteles ist. Er gehört zu den sprachgewandten Oratoren, die komplexe Thesen lebhaft und leichtblütig vortragen können, ohne dass das Publikum dabei sanft entschlummert. Es hat mir bisher immer sehr viel Freude bereitet, seinen intelligenten und kritischen Betrachtungsweisen zu folgen. Einen Beamer oder sonstige Präsentationshilfsmittel werden wir bei diesem Ateliergespräch nicht benötigen.

Bekommen die preußisch-protestantischen Designer und Architekten bei diesem Ateliergespräch nun ihr Fett weg? Braucht Berlin mehr Sinnlichkeit? Sind die Neuen Wilden Katholiken? Foto: Prof. Dr. Thomas Friedrich während einer Vorlesung.für Geschichte und Theorie der Visuellen Kommunikation an der Fakultät für Gestaltung der Bauhaus-Universität Weimar. Seit März 2000 ist er Professor für Philosophie und Designtheorie an der Fakultät Gestaltung der Hochschule Mannheim. Dort leitet er auch das Institut für Designwissenschaft. Zusammen mit Gerhard Schweppenhäuser gibt Thomas Friedrich die Buchreihe Ästhetik und Kulturphilosophie im LIT Verlag (Münster, London) heraus. Seit 2002 ist er Redakteur der Zeitschrift für kritische Theorie (zu Klampen, Springe). Er ist Gründungsmitglied der Gesellschaft für Designgeschichte, berufenes Mitglied der Freien Akademie der Künste Rhein-Neckar, des Deutschen Werkbundes Baden-Württemberg und Leiter der Sektion Design der Deutschen Gesellschaft für Semiotik e.V.

Bekommen die preußisch-protestantischen Designer und Architekten bei diesem Ateliergespräch nun ihr Fett weg? Braucht Berlin mehr Sinnlichkeit? Sind die Neuen Wilden Katholiken? Foto: Prof. Dr. Thomas Friedrich während einer Vorlesung.

 

Prof. Dr. Thomas Friedrich ist Jahrgang 1959. Zuerst studierte er in Würzburg Grafikdesign und anschließend Philosophie, Politische Wissenschaft und Volkskunde. Dann Lehrtätigkeit als Hochschuldozent für Geschichte und Theorie der Visuellen Kommunikation an der Fakultät für Gestaltung der Bauhaus-Universität Weimar. Seit März 2000 ist er Professor für Philosophie und Designtheorie an der Fakultät Gestaltung der Hochschule Mannheim. Dort leitet er auch das Institut für Designwissenschaft. Zusammen mit Gerhard Schweppenhäuser gibt Thomas Friedrich die Buchreihe Ästhetik und Kulturphilosophie im LIT Verlag (Münster, London) heraus. Seit 2002 ist er Redakteur der Zeitschrift für kritische Theorie (zu Klampen, Springe). Er ist Gründungsmitglied der Gesellschaft für Designgeschichte, berufenes Mitglied der Freien Akademie der Künste Rhein-Neckar, des Deutschen Werkbundes Baden-Württemberg und Leiter der Sektion Design der Deutschen Gesellschaft für Semiotik e.V.

 

FRIEDRICHS THESE

Es macht Sinn, ganz allgemein sowohl in der Produktionsästhetik, als auch in der Rezeptionsästhetik von tendenziell katholischem oder evangelischem Design zu reden, also nicht nur im Zusammenhang mit kirchlichem Design, wo diese Unterscheidung selbstverständlich ist, sondern auch im säkularen Bereich der Gestaltung. Es macht auch Sinn, diese Dichotomie auf unterschiedliche Designtheorien anzuwenden.

Um dies aufzuzeigen zu können, wird Thomas Friedrich eine Art begriffliches Polaritätenprofil – was ist katholisch und was ist protestantisch – entwickeln. Dies könnte beispielsweise so aussehen: Protestanten fassen Arbeit als Gottesgeschenk auf, sie heroisieren in hektischer Betriebsamkeit die Arbeit. Und nicht nur das: Arbeit muss ihnen weh tun.Libidinös besetzte Arbeit zählt für sie nicht als Arbeit, denn mit einer solchen kommen sie natürlich nicht in den Himmel. Sie fragen sich: Ich bin bei meiner Arbeit glücklich, was mach ich nur falsch? Und im Übrigen: Müßiggang ist aller Laster Anfang und wer schläft, der sündigt! Die Katholiken dagegen fassen Arbeit grundsätzlich als Gottesstrafe auf. „Mei Ruah will i ham“ (Meine Ruhe will ich haben), sagt der katholische Bayer. Er neigt dadurch eher zur Betriebsstörung als zur Betriebsamkeit. Für ihn darf Arbeit auch Freude und Lust bereiten, sie darf auch libidinös besetzt sein. Sie fragen sich: Ich bin bei meiner Arbeit glücklich, gut so! Am schönsten ist es nichts zu tun und dann vom Nichtstun auszuruhen (Zitat des wunderbaren Klaus Havenstein) – und im Übrigen: wer schläft, der sündigt nicht!

Daraus entwickelt sich zwangsläufig eine weitere These: Sowohl Designproduktion (Encodierung) als auch Designrezeption (Decodierung) kann mono- oder plurifunktionalistisch bzw. protestantisch oder katholisch sein. Denn von einem Benutzer gebraucht zu werden ist gleichsam der Zweck des Designs. Das gilt für Kommunikationsdesign wie für Produktdesign und Architektur gleichermaßen. Der Designer kann nun seine Objekte im Hinblick auf eine oder auf mehrere Nutzungen anlegen oder encodieren, um es mit einem semiotischen Begriff zu bezeichnen. Dieser Unterschied entspricht dem zwischen monofunktionalistischem und plurifunktionalistischem Design.

Monofunktionalistische Designproduktion und -rezeption ist für Thomas Friedrich eher protestantisch, die plurifunktionalistische Designproduktion und -rezeption hingegen katholisch. Eine auf diese Designkriterien hin verlängerte konfessionelle Polaritätenliste könnte nun – hier verkürzt – folgendermaßen formuliert werden: Für Protestanten (Monofunktionalismus) sind Bilder unerwünscht, Ornamente und Zierrat als Überfluss verpönt. Und es gilt das Credo »Weniger ist mehr« – und zum Teufel mit der Sinnlichkeit, der kühle, rationale Geist ist wichtiger. Für Katholiken (Plurifunktionalismus) hingegen sind Bilder durchaus erwünscht, Ornamente und Zierrat sind natürlich kein Problem – solange die Semantik stimmt. Es gilt das Credo: Und mehr ist mehr – und um Gottes Willen, ja zur fülligen Sinnlichkeit! Und lasst uns am Besten gleich dabei alle Sinne ansprechen …

Wolfgang Beinert
Everything good is fragile … Save it!
Berlin, 25.4.2010

 

RESÜMEE


 

Diskussionskultur unter Designern obsolet?

Oder: Wie man seinen Standpunkt auch respektvoll hätte erklären können … Drei Dinge fielen mir besonders bei diesem Ateliergespräch mit Prof. Dr. Thomas Friedrich auf. Erstens. Sonnenschein in Berlin und die Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika legten das kulturelle Leben im Atelier wider Erwarten doch nicht lahm. Zweitens. Es war ein Vortrag, der bemerkenswerter Weise ohne Beamer, Diaprojektor, Flipchart, Monitor, Leinwand, Mikrofon oder sonstige technische Hilfsmittel auskam. Und drittens. Einigen wenigen Gästen fehlte an diesem Abend – dezent formuliert – die Diskussionskultur. Erstens und zweitens kann ich erfreulich quittieren.

Zu drittens muss ich einfach ein paar Sätze los werden. Wie fange ich an? Nun, vielleicht so: Ich bekam in den nachfolgenden Tagen des Ateliergesprächs viel Resonanz. Abgesehen vom Feedback von Christhard (Otto) Landgraf (zappo – Agentur für Kommunikation, Berlin), dem rot trikotierten Herrn »Advocatus Diaboli«, hatten alle Rückmeldungen einen Konsens: Alle empfanden den Vortrag von Thomas Friedrich als sehr erfrischend provokant und anregend, einige der anschließenden Wortbeiträge aber mehr als unangenehm.

So stellte beispielsweise Axel Silbermann (Silbermann Design, Meißen) fest: »(…) Schade nur, dass die unterschiedlichen Auffassungen selten zu konstruktiver Weiterentwicklung der Gedanken führten, feste Standpunkte selten verlassen wurden (…)«.

Angelika Plag (Corporate Concepts, Berlin) karikierte es etwas deutlicher: »(…) das gibt’s wohl auch in keiner anderen Stadt, dass die Zuhörerschaft in teilweise unflätiger Art und Weise über einen Referenten herfällt! Zum Glück war Herr Friedrich klüger und gebildeter als alle nörglerischen Besserwisser zusammen. Hat grossen Spass gemacht! (…)«.

Und meine Kollegin betitelte den ein oder anderen Verbalbeitrag schlicht als »(…) unsympathisches, dummes Matchogesülze (…)«. Mir persönlich stellen sich nun folgende Fragen: Führten Testosteron geschwängerte Eitelkeiten an diesem Abend Regie? Warum hörte ich nur Statements statt Argumente? Warum konnten einige meiner Gäste ihren Standpunkt nicht respektvoll erklären? Und warum – in »Advocatus Angelis« Namen – stellte keiner die richtigen Fragen im Sinne Aristoteles?

War dieser Vortrag vielleicht ein Ersatz für den ein oder anderen Nicht-Fußball-Fan, sich öffentlich abzureagieren? Statt ein Fußballtrikot von Adidas ein T-Shirt mit der Aufschrift »Advocatus Diaboli«? Ich vertrat bisher den Standpunkt, mich bei meinen Ateliergesprächen konsequent zurückzunehmen und den Dingen ihren Lauf zu lassen. Das ging dieses Mal wohl etwas in die Hose. Beim nächsten Mal werde ich etwas aufmerksamer sein, präventiver sozusagen. Dann gibt es hoffentlich wieder mehr Disputanten und dafür weniger Selbstdarsteller. Nix für ungut, meine Herren. Aber das nächste Mal bitte einen Gang runter schalten und die Nacht zuvor den guten alten Adolph Freiherr Knigge unters Kopfkissen legen …

Peter-Paul Hennicke und Prof. Dr. Thomas Friedrich (Fakultät Gestaltung der Hochschule Mannheim) vor Beginn des Vortrags im Vorhof des Ateliers.

Peter-Paul Hennicke und Prof. Dr. Thomas Friedrich (Fakultät Gestaltung der Hochschule Mannheim) vor Beginn des Vortrags im Vorhof des Ateliers.

Trotz Sonnenscheins und Fußball-WM war das Ateliergespräch mit Prof. Dr. Friedrich wider Erwarten gut besucht. Sein Vortrag glich in gewisser Weise einem technischen Anachronismus: Keinerlei Präsentationshilfsmittel – nur Wort und Gestik. Für »tastaturgläubige Bildschirmglotzer« (GGL) eine Art Therapie.

Trotz Sonnenscheins und Fußball-WM war das Ateliergespräch mit Prof. Dr. Friedrich wider Erwarten gut besucht. Sein Vortrag glich in gewisser Weise einem technischen Anachronismus: Keinerlei Präsentationshilfsmittel – nur Wort und Gestik. Frei nach GGL: »Für tastaturgläubige Bildschirmglotzer eine Art Therapie«.

Prof. Dr. Friedrich eröffnete seinen Vortrag mit einem Zitat von Umberto Eco aus L’Espresso: »(...) Noch niemals wurde über den neuen Religionskampf nachgedacht, der die heutige Welt untergründig verändert, der die Tatsache ist, dass die Welt sich spaltet – in Macintosh-Benutzer und Benutzer des kompatiblen Betriebssystems MS-Dos. Ich bin zutiefst überzeugt, dass Macintosh katholisch und MS-Dos protestantisch ist (...)«. Hintere Reihe mit im Bild von links: Hannes Wanderer (Verleger von Peperoni Books, Berlin), Kerstin Berger (31grad branddesign, Berlin), Anne Hofmann (Fachhochschule Potsdam, Fachbereich Design), Thomas Schneider (thomas schneider design, Berlin), Katharina Pätzold und Janine Martini (Pätzold/Martini, Büro für Visuelle Kommunikation, Berlin).

Prof. Dr. Friedrich eröffnete seinen Vortrag mit einem Zitat von Umberto Eco aus L’Espresso: »(…) Noch niemals wurde über den neuen Religionskampf nachgedacht, der die heutige Welt untergründig verändert, der die Tatsache ist, dass die Welt sich spaltet – in Macintosh-Benutzer und Benutzer des kompatiblen Betriebssystems MS-Dos. Ich bin zutiefst überzeugt, dass Macintosh katholisch und MS-Dos protestantisch ist (…)«. Hintere Reihe mit im Bild von links: Hannes Wanderer (Verleger von Peperoni Books, Berlin), Kerstin Berger (31grad branddesign, Berlin), Anne Hofmann (Fachhochschule Potsdam, Fachbereich Design), Thomas Schneider (thomas schneider design, Berlin), Katharina Pätzold und Janine Martini (Pätzold/Martini, Büro für Visuelle Kommunikation, Berlin).

Unter den Zuhörern befanden sich auch rund ein halbes Duzend ehemalige Studenten von Prof. Dr. Friedrich. So auch Alexandra Fragstein (Kommunikationsdesignerin, Berlin).

Unter den Zuhörern befanden sich auch rund ein halbes Duzend ehemalige Studenten von Prof. Dr. Friedrich. So auch Alexandra Fragstein (Kommunikationsdesignerin, Berlin).

Linde Kapitzki und Florian Adler (Adler & Schmidt, Berlin), Vorstand des Forums für Entwerfen e.V.

Linde Kapitzki und Florian Adler (Adler & Schmidt, Berlin), Vorstand des Forums für Entwerfen e.V.

Aufmerksam verfolgte das Publikum Prof. Dr. Friedrichs Ausführungen zur Metamorphose der Arbeit. Der religionsgeschichtliche Zusammenhang der Transformation der Arbeit dürfte vielen sicherlich nicht bekannt gewesen sein. Aber nur vor diesem Wissenshintergrund wurde verständlich, warum Arbeit in unserer Gesellschaft bis heute überhaupt so hoch angesehen ist. Mit im Bild von links: Tim Knörr (Kommunikationsdesigner, Berlin), Alexandra Fragstein (Kommunikationsdesignerin, Berlin) und Stefanie Schmitt (Frollein Schmitt Kommunikationsdesign, Berlin).

Aufmerksam verfolgte das Publikum Prof. Dr. Friedrichs Ausführungen zur Metamorphose der Arbeit. Der religionsgeschichtliche Zusammenhang der Transformation der Arbeit dürfte vielen sicherlich nicht bekannt gewesen sein. Aber nur vor diesem Wissenshintergrund wurde verständlich, warum Arbeit in unserer Gesellschaft bis heute überhaupt so hoch angesehen ist. Mit im Bild von links: Tim Knörr (Kommunikationsdesigner, Berlin), Alexandra Fragstein (Kommunikationsdesignerin, Berlin) und Stefanie Schmitt (Frollein Schmitt Kommunikationsdesign, Berlin).

Prof. Veruschka Götz, Institut für Printorientierte Medien an der Hochschule Mannheim, Fakultät für Gestaltung.

Prof. Veruschka Götz, Institut für Printorientierte Medien an der Hochschule Mannheim, Fakultät für Gestaltung.

Nach dem rund einstündigen Vortrag von Prof. Dr. Friedrich folgte eine heftige, einstündige Diskussion. Als erster »polterte« Florian Fischer (Begleitung im Wandel, Berlin) los. Er echauffierte sich dermaßen, dass ihm anfangs sogar die Worte fehlten. Seine anfänglich etwas irritierenden Bemerkungen quittierten Teile des Publikums mit sichtbaren Unverständnis. Mit im Bild von links: Peter-Paul Hennicke (AGD), Jochen Jeyermann (Kontext Kommunikation & Gestaltung, Berlin), Florian Fischer, Marita Wischerhoff (Philologin, Berlin) und Cindy Koch (Kommunikationsdesignerin, Berlin).

Nach dem rund einstündigen Vortrag von Prof. Dr. Friedrich folgte eine heftige, rund einstündige Diskussion. Als erster »polterte« Florian Fischer (Begleitung im Wandel, Berlin) los. Er echauffierte sich dermaßen, dass ihm anfangs sogar die Worte fehlten. Seine etwas irritierenden Behauptungen nebst Totschlagargumenten a la » Sie haben Sullivan nicht gelesen«, quittierten Teile des Publikums lauthals mit Häme. Mit im Bild von links: Peter-Paul Hennicke (AGD), Jochen Jeyermann (Kontext Kommunikation & Gestaltung, Berlin), Florian Fischer, Marita Wischerhoff (Philologin, Berlin) und Cindy Koch (Kommunikationsdesignerin, Berlin).

Ursula Wünsch quittierte ein Statement von Florian Fischer buchstäblich als »feige«. Andere meinten, sie seinen absolut irrelevant und haben mit dem Thema nichts zu tun. Im Bild von links nach rechts: Anke Rahusen (PixelGräfin, Berlin), Ursula Wünsch (Wünsch' Dir Was, Spielmittel- und Spielobjektedesign, Berlin) und Linde Kapitzki (Berlin).

Ursula Wünsch quittierte eine Unterstellung von Florian Fischer buchstäblich als »feige«. Andere meinten, sie seinen absolut irrelevant und haben mit dem Thema nichts zu tun. Im Bild von links nach rechts: Anke Rahusen (PixelGräfin, Berlin), Ursula Wünsch (Wünsch‘ Dir Was, Spielmittel- und Spielobjektedesign, Berlin) und Linde Kapitzki (Berlin).

Christhard (Otto) Landgraf (zappo – Agentur für Kommunikation, Berlin) schoss dann gänzlich übers Ziel hinaus. Mit einem T-Shirt kostümiert, welches die Aufschrift »Advocatus Diaboli« trug, formulierte er seine erste schroffe Frage: »Ich frage sie Herr Friedrich, sind sie ein Lügner?. In seinem Feedback »Offener Brief zum Ateliergespräch« legte er noch einmal nach: »Ich habe keine Ahnung was Sie dazu getrieben hat, hier in Berlin zu versuchen, einen neuen Religionsstreit vom Zaun zu brechen (...)«. Harter Tobacco und etwas neben der Spur, lieber Otto! Deshalb ein freundschaftlicher Tipp für das nächste Mal: Im Bereich der Rhetorik ist ein »advocatus diaboli« eine Person, die mit ihren Argumenten die Position der Gegenseite vertritt, ohne ihr selbst anzugehören. Anders formuliert: Damit ist eine Person gemeint, die Argumente sachlich hinterfragt und grundsätzlich eine Gegenposition einnimmt – aber keine Statements im Zuge der Selbstdarstellung abgibt. Und nebenbei: Der »advocatus diaboli« (lat. für des Teufels Anwalt) ist eine Erfindung der römisch-katholischen Kirche für die Verfahren ihrer Selig- und Heiligsprechungen. Aber eine Entschuldigung gibt es vielleicht: Disputationen mit Proponent und Opponent gehört sicherlich nicht zur Ausbildung eines Designers.

Christhard Landgraf (zappo – Agentur für Kommunikation, Berlin) schoss dann gänzlich übers Ziel hinaus. Mit einem T-Shirt kostümiert, welches die Aufschrift »Advocatus Diaboli« trug, formulierte er seine erste schroffe Frage: »Ich frage sie Herr Friedrich, sind sie ein Lügner?. In seinem Bulletin »Offener Brief zum Ateliergespräch« legte er noch einmal nach: »Ich habe keine Ahnung was Sie dazu getrieben hat, hier in Berlin zu versuchen, einen neuen Religionsstreit vom Zaun zu brechen (…)«.

 

Harter Tobacco und etwas neben der Landebahn, Monsieur Je-sais-tout Otto! Deshalb ein verhaltener Hinweis: Im Bereich der Rhetorik ist ein »advocatus diaboli« eine Person, die mit ihren Argumenten die Position der Gegenseite vertritt, ohne ihr selbst anzugehören. Apodiktisch formuliert: Damit ist eine Person gemeint, die Argumente sachlich hinterfragt und grundsätzlich eine Gegenposition einnimmt – aber kein Manifest im Zuge der Selbstdarstellung abgibt. Und noch etwas Nektar für die ungläubigen Gehirnwindungen: Der »advocatus diaboli« (lat. für des Teufels Anwalt) ist eine Erfindung der römisch-katholischen Kirche für die Verfahren ihrer Selig- und Heiligsprechungen. Das Pondon dazu ist der »Advocatus Angelis« – also in diesem Fall ich. Himmel Herrgott Sakrament, warum ist mit meinen Kollegen ein zivilisiertes, universitäres Lehr- und Streitgespräch nicht zu machen?

Prof. Dr. med. Lutz von Laer (Kinderchirurg und Orthopäde, Basel) amüsierte sich sichtlich über den ein oder anderen Diskutanten. Ich dagegen frage mich: Sind Designer überhaupt disputfähig? Warum ist Designern ein universitäres Streit- oder Lehrgespräch so fremd?

Prof. Dr. med. Lutz von Laer (Kinderchirurg und Orthopäde, Basel) amüsierte sich sichtlich über den ein oder anderen Diskutanten.

Im Bild von links: Hans Freudenreich (CMO Neurotronics GmbH, Berlin), Johannes Knöspel (Freier Grafiker, Berlin) und N.N.: »Ich habe diesen Vortrag sehr geschätzt, gleichzeitig haben sich mir meine Zähnenägel hochgerollt. Wieso, könnten Sie mir noch einmal erklären, wieso Sie ausgerechnet den Katholizismus und den Protestantismus als ihre zwei Parameter ausgewählt haben? Sie hätten auch Stadt und Land nehmen können (...) den Buddhismus oder den Islam (...). Prof. Friedrich: »Die Differenzierung habe ich deshalb gemacht, weil unsere Kultur nun mal eine christlich geprägten Kultur ist (...).

Im Bild von links: Hans Freudenreich (CMO Neurotronics GmbH, Berlin), Johannes Knöspel (Freier Grafiker, Berlin) und N.N.: »Ich habe diesen Vortrag sehr geschätzt, gleichzeitig haben sich mir meine Zähnenägel hochgerollt. Wieso, könnten Sie mir noch einmal erklären, wieso Sie ausgerechnet den Katholizismus und den Protestantismus als ihre zwei Parameter ausgewählt haben? Sie hätten auch Stadt und Land nehmen können (…) den Buddhismus oder den Islam (…). Prof. Friedrich: »Die Differenzierung habe ich deshalb gemacht, weil unsere Kultur nun mal eine christlich geprägten Kultur ist (…).

Prof. Dr. Friedrich war einfach nicht zu bremsen. Nicht nur ich hatte den Verdacht, dass er die Konfrontation genoss. Hätte ich die Diskussion nicht zur späten Stunde abgebrochen, wer weiß, wie lange das so noch weitergegangen wäre. Aber Ende gut, alles gut ... Kerstin Berger: »Gib mir mal die Kamera, ich mach noch ein Bild von Euch beiden«. Im Bild: Prof. Dr. Thomas Friedrich und Wolfgang Beinert.

Prof. Dr. Friedrich war einfach nicht zu bremsen. Nicht nur ich hatte den Verdacht, dass er die Konfrontation genoss. Hätte ich die Diskussion nicht zur späten Stunde abgebrochen, wer weiß, wie lange das so noch weitergegangen wäre. Aber Ende gut, alles gut … Kerstin Berger: »Gib mir mal die Kamera, ich mach noch ein Bild von Euch beiden«. Im Bild: Prof. Dr. Thomas Friedrich und Wolfgang Beinert.

 

Zum Schluss noch herzlichen Dank an alle Protagonisten des Ateliergesprächs. An Prof. Dr. Thomas Friedrich, der extra für uns 1.217 Kilometer per Zug unterwegs war. Und natürlich ein Merci an meine vielen Gäste, Kollegen und Freunde, die trotz herrlichem Wetter und Fußball-WM ins wilde Kreuzberg kamen.

Wolfgang Beinert
Everything good is fragile … Save it!
Berlin, 25. Juni 2010

 

LITERATUR


 

  1. Thomas Friedrich und Gerhard Schweppenhäuser: Bildsemiotik. Grundlagen und exemplarische Analysen visueller Kommunikation, Basel 2010
  2. Thomas Friedrich: Ist Industriekultur Kulturerbe für Europa? in Klaus Kufeld (Herausgeber), Europa – kreativ, Kulturregion(en) im Aufbruch, Freiburg 2008
  3. Thomas Friedrich und Klaus Schwarzfischer: Wirklichkeit als Design-Problem. Zum Verhältnis von Ästhetik, Ökonomik und Ethik, Würzburg 2008
  4. Thomas Friedrich und Jörg H. Gleiter (Herausgeber): Einfühlung und phänomenologische Reduktion. Grundlagentexte zu Architektur, Design und Kunst, Reihe Ästhetik und Kulturphilosophie, Band V, Münster 2007
  5. Thomas Friedrich und Ruth Dommaschk: bildklangwort. Grundlagenwissen Gestaltung Band 1, Reihe Ästhetik und Kulturphilosophie, Band IV, Münster 2005
  6. Thomas Friedrich: Alles fake – oder was? in Kritische Ästhetik und humane Gestaltung. Festschrift für Olaf Weber zum 60. Geburtstag, Weimar 2005
  7. Thomas Friedrich: The Medium is McLuhan in Massenkultur. Kritische Theorien im interkulturellen Vergleich, Reihe Ästhetik und Kulturphilosophie, Band II, Münster 2003
  8. Thomas Friedrich: Phänomenologie für Künstler und Designer. Grundlegendes zum Verständnis der Wahrnehmungstheorie Edmund Husserls in Visuelle Sprache. Jahrbuch der Fakultät Gestaltung, Heft 1, Weimar 2001
  9. Thomas Friedrich: Bewußtseinsleistung und Struktur. Aspekte einer phänomenologisch-strukturalistischen Theorie des Erlebens, Würzburg 1999

 

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