Atelier Wolfggang Beinert | Berlin und München : Visuelle Unternehmenskommunikation [ Graphic Designer, Typograph, Fotograf ]  
Atelier Beinert | Berlin und Munchen : Visuelle Unternehmenskommunikation [ Corporate Graphic Design, Corporate Typography, Corporate Picture ]
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Zitate, Thesen und Statements
von Wolfgang Beinert u.a. zu Design, Fotografie, Kreativität, Gestaltung und Typographie.
Überwiegend notiert und gesammelt von seinen Volontären und Studenten.

Über Auftraggeber und Unternehmen ...

... ich verstehe nicht, warum die Mehrheit der Designer sich ständig über ihre »konservativen« Auftraggeber beklagen. Ihr ständiges Credo: »Man könne kein gutes Design mit solchen Leuten machen«. Ich persönlich habe mit konservativen Firmen allerdings und ausschließlich nur positive Erfahrungen gemacht. Meine erfolgreichsten Projekte habe ich mit Ingenieuren, Juristen und Betriebswirten gemacht. Projekte, die sogar im total abgefahrenen Tokyo ausgezeichnet wurden. Mein Credo: Wenn »konservative« Auftraggeber erkennen, dass du was drauf hast, gehen sie mit dir durch dick und dünn. Und zwar bis zum Schluß. Was man von den möchtegernhippen Auftraggebern in der Kultur- und Medienbranche mit ihren Kaffeebechern in der linken Hand nicht unbedingt behaupten kann. -2005-

... ich arbeite grundsätzlich nur für Klienten, die mir die Freiheit lassen, mich für ihr Unternehmen zu engagieren, für die ich kein Erfüllungsgehilfe bin, sondern ein hochwertiger Dienstleister, der im Herzen ihres Unternehmens arbeitet. -1997-

... ich schätze Klienten, die sich für anspruchsvolles Design, gute Typographie, überzeugende Fotos und klare Texte sensibilisieren lassen, die neue Wege gehen und die das Getto der Mittelmäßigkeit verlassen wollen. -1997-

... ich lehne grundsätzlich Auftraggeber ab, für die visuelle Gestaltung nur ein Faktor am Rande ihres Marketingkonzeptes ist. -1998-

... wenn unsere Großunternehmen durch eine »Controller- und Geiz ist geil-Mentalität« zum seelenlosen Selbstzweck werden, ist es an der Zeit, die Situation umgehend zu korrigieren. Wir brauchen weniger Besitzstandswahrer, Verwerter und Verwalter, dafür mehr Werte, mehr Menschlichkeit, mehr Inhalte und mehr Visionen. Meine persönliche Schmerzgrenze haben unkultivierte Bilanzakrobaten, instinktlose Sachbearbeiter und Shareholder Values-Typen schon längst überschritten. -2.12.2003-


Über Grafikdesign und visuelle Gestaltung...

... schlicht und einfach wirkende Gestaltungslösungen sind in der Regel die schwierigsten. -2005-

... Computer sind schlicht und einfach dumm. Und die Mehrheit der Grafikdesigner neigt dazu, sich diesem Niveau vollständig anzupassen. Ein Grund dafür, warum alle Entwürfe gleich aussehen und jeglicher Phantasie und Intelligenz entbehren. -12.2004-

... die Ästhetik eines Designs fesselt und bezaubert den Betrachter. Denn das Streben und das Bedürfnis nach Schönheit ist uns Menschen angeboren. -1999-

... mit der Ästhetik verhält es sich wie mit dem »ersten Eindruck«. Intuitiv entscheidet sich ein Betrachter in den ersten Sekunden dafür oder dagegen. -2004-

... anspruchsvolle Gestaltung ist in der Phase ihrer Entstehung nicht konsensfähig. -2004-

... Routine ist der Tod der guten Gestaltung; der Tod des unerklärlichen Etwas, das eben da ist oder nicht. -9.7.2002-

... Gestaltung beginnt im Kopf. -2000-

... mach alles mit Leidenschaft und Liebe -7.2002-

... wer heute erfolgreich kommunizieren möchte, muss das Gewohnte verlassen. -2001-

... meine wichtigsten Gestaltungsgrundsätze sind Transparenz, Ehrlichkeit und Ästhetik. Unter Transparenz verstehe ich, ein kompliziertes Produkt, eine erklärungsbedürftige Dienstleistung oder einen akademischen Gedanken verständlich darzustellen. Die Ehrlichkeit meiner Arbeiten ist für mich deshalb so wichtig, weil die Menschen in unserem Medienzeitalter ein instinktives Gespür für Wahrhaftigkeit entwickelt haben. Und Ästhetik fasziniert die Menschen. Denn das Streben und das Bedürfnis nach Schönheit und Ästhetik ist uns Menschen angeboren. -2000-

... Gott steckt in den Details. Das ist das simple Geheimnis eines guten Entwurfs. -1999-

... Inhalte werden schnell vergessen. Doch der emotionelle Eindruck guten Designs bleibt stabil. -2000-

... mein Design befriedigt nicht nur den Gesichtssinn, sondern auch den Tastsinn, selbst wenn ich dadurch meine Drucker und Buchbinder in den totalen Wahnsinn treibe. -1998-

Grafikdesign ist eine Anspruchshaltung. Sie spiegelt zuverlässig und ausnahmslos die Kultur ihres Besitzers wider. -1.2006-


Über Designer und Fotografen ...

... für einen Grafikdesigner reicht es heute nicht mehr, sich als narzisstischer Einzelkämpfer in seiner kleinen Placebowelt zu verstecken. Denn um heute eine nennenswerte Karriere zu realisieren, müssen »Designer« endlich lernen, sich für gesellschaftliche Belange zu interessieren und einen politischen Gestaltungswillen zu entwickeln. -2007-

... Designer und Fotografen sind in ihrer Mehrheit sicherlich Kleinbürger. Das ist auch einer der Gründe dafür, weshalb sie sich ständig angegriffen fühlen, fortlaufend jammern, selten wirtschaftlichen Erfolg haben und Neid und Missgunst zu ihren Erkennungsmerkmalen gehören. Ihnen fehlt die soziokulturelle Souveränität. -2005-

... Designer und Fotografen sind die Bergarbeiter des 21. Jahrhunderts. Allerdings mit dem gravierenden Unterschied, dass sich Bergarbeiter solidarisiert, in Gewerkschaften engagiert und ein Standesbewusstsein entwickelt haben. -2006-

... früher wollten kleine Mädchen Tierärztinnen und Stewardessen werden. Heute träumen sie von einen Kariere als Designerin oder Mediengestalterin. -2005-

... die Mehrheit meiner Kollegen und Kolleginnen sind tragischerweise blutige Amateure und standesunpolitische Schäfchen. Sie haben in den letzen Jahren eine blühende Branche in eine wirtschaftliche Brachlandschaft verwandelt. -2006-

... ich habe 2005 von einem Dekan einer Fachhochschule in Bayern einen Brief – und das ist kein Witz – mit über 60 orthographischen und typographischen Fehlern erhalten; von der Un-Ästhetik des Briefbogens einmal ganz abgesehen. Drei Mal dürft ihr raten, an welchem Fachbereich er Dekan (*) war. -2006-

(*) A.d.R.: Er war ein Dekan der Industrie-, Kommunikations- und Fotodesigner.


Über Druckereien ...

Druckereien sind in der Regel heute nur noch größere Copyshops, deren Mitarbeiter keine Handwerker mehr sind, sondern leider nur noch Maschinisten und Hilfsarbeiter. Wer also außergewöhnliche Druckergebnisse möchte, muss sich wohl oder übel in die Materie sehr gewissenhaft einarbeiten. Regel Nr. 1: Verlass Dich niemals auf die Meinung eines Druckers und treffe alle Entscheidungen selbst. Regel Nr. 2: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. -2001-


Über Erfolg, Karriere und Qualität ...

... es ist völlig egal, wie hoch dein Aufwand für eine Arbeit ist. Hinterher frägt Dich keiner, wie viel Mühen und Zeit Du hineingesteckt hast. Hinterher zählt nur das Ergebnis. -7.2003-

... Glück haben gehört zum Erfolg dazu. -8.2003-

... Qualität ist krisensicher. -8.2003-

... Qualität beginnt mit Q wie Qual. -2004-


Über Fotografie und Bild...

... ein Foto ist die augenblickliche Simulation einer scheinbaren Wirklichkeit. -2006-

... das Gehirn verarbeitet größtenteils visuell. Das ist ein wissenschaftlicher Fakt, den heute schon jeder Psychologiestudent im zweiten Semester bestätigt. Weshalb geben die Unternehmen dann so wenig Geld für Fotografie aus? Weshalb wird dem Bild so wenig Aufmerksamkeit geschenkt? Weshalb dienen Bilder nur als Dekoration? Weshalb berücksichtigen die meisten Designer und Fotografen die wissenschaftlichen Aspekte der Bildgestaltung nicht? Was ist überhaupt ein Bild? -2001-

... wenn wir Kreativen nur etwas wissenschaftlicher gebildet wären, würden wir dem Bild mehr Aufmerksamkeit schenken. -2000-

... gute Fotos sind genauso wichtig wie gute Texte und gute Typo. Vermutlich sogar noch wichtiger als gute Texte und gute Typo. -2000-

... ein Foto, unabhängig von Kultur und Sprache, ist in seiner Bedeutung offen, das Wort ist festgelegt. Anders ausgedrückt: Das Bild ist konkret und das Wort bleibt abstrakt. -2001-

... Information ist das, was andere verstanden haben. So gesehen ist es natürlich leichter, ein Foto oder ein Bild zu verstehen, als ein Wort oder eine Sprache. -2001-

... wie schon damals Kurt Tucholsky schrieb: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Aber ich gebe zu bedenken, dass nicht jedes Bild mehr als tausend Worte sagen kann: Manches Wort ist stärker als tausend Bilder. -2001-


Über Geschmack ...

... Geschmack? Der Geschmack ist ein charakterloser Geselle. -2001-

... guten Geschmack kann man lernen. -2004-

... Geschmack ist vermutlich eine kollektive Angelegenheit. Zu manchen Zeiten und an manchen Orten fällt er einer Gesellschaft einfach in den Schoss. -2001-


Über Internet ...

... das Internet ist nur der Anfang eines fantastischen Paradigmenwechsels. Es wird die Unternehmenskommunikation auf den Kopf stellen und uns vom Diktat der 08/15-Werbeagenturen befreien. -1998-

... das Internet befindet sich momentan noch in der virtuellen Steinzeit. Das wird sich aber ziemlich schnell ändern. -2000-

... Internetagenturen wie Pixelpark, Kabel New Media und Co. sind doch nur ein virtueller Zauber. Ich sehe weder Wertschöpfung, noch Substanz, noch brauchbare Arbeitsergebnisse. Das sind doch nur gigantische Geldvernichtungsmaschinen. Nur eine Frage der Zeit, dass die Auftraggeber endlich mit einem blauen Auge aufwachen. Ich bin mir ziemlich sicher, das endet alles mit einem Riesenknall, unzähligen Pleiten und manch einem gebrochenen Herzen. -1999-

... für das menschliche Gehirn sind die meisten 3D-Animationen im Web überflüssig und verwirrend. -2001-

... Animationen, i-Punkte die blinken, ticken und sich drehen, ersetzen keine gute Gestaltung. Ganz zu schweigen von überzeugenden Konzepten und informativen Texten. -2000-


Über Geld ...

... Design ist manchmal nichts anderes als eine Form der Absatzförderung. Wenn auch die schönste Form. -1999-

... die meisten Unternehmen kennen die Marktpreise. Aber nur die erfolgreichen Unternehmen haben den merkantilen Wert guten Designs erkannt. Und die verdienen sich damit dumm und dusselig. -1998-

... viele Kollegen sind leider nicht einmal in der Lage, ihren Kostendeckungsbeitrag auszurechnen. Und dann wundern sie sich, dass sie nichts verdienen und in letzter Konsequenz vor dem Insolvenzrichter stehen. -2004-

... die Honorarempfehlungen des AGD und BDG sind realistisch und keinesfalls »zu hoch«. Hier haben Kaufleute fundiert gerechnet. Keine Bauch- und Gefühlsrechner, die permanent pleite sind. Ich kann jedem nur raten, sich daran zu orientieren. -2004-


Über Kreativität

... Kreativität setzt Sensibilität voraus. Und Sensibilität basiert – einmal abgesehen von der Begabung – überwiegend auf Wissen. Je mehr Wissen, desto mehr Kreativität. -2003-

... die meisten Aspiranten und Studenten begründen die Wahl für ein Designstudium damit, »kreativ sein zu wollen«. Klingt das nicht putzig? Kinder Gottes – wie kann euch Design kreativ machen? Kreativität hat doch nichts mit einer beruflichen Disziplin zu tun, sondern ausschließlich mit der Lösung einer Aufgabe. Ich persönlich kenne mehr kreative Juristen und Ingenieure als kreative Designer und Fotografen. -2003-


Über Lernen, Lehrende und Studenten...

... seht hinter die Kulissen und ihr werdet feststellen, dass überall nur mit Wasser gekocht wird. -7.2003-

... 30 Minuten »Sendung mit der Maus« vermitteln mehr Wissen als eine »Fachhochschule für Kommunikationsdesign« in acht Semestern. 4/2006

... »nett sein« ist kein Ersatz für Anstand, Intelligenz, Begabung, Fleiß oder Können. -2/2004-

... die meisten Lehrer an den »Design«-Fachhochschulen und an den Akademien verwechseln Können mit Toleranz. Sonst würden sie nicht ständig Studenten mit »sehr gut« qualifizieren, die nicht die geringste Ahnung von ihrem Beruf haben und die obendrein noch unbeschreiblich faul und unbegabt sind. -2000-

... klar: Viele Studenten würden gerne mehr lernen. Klar: Viele eurer Lehrer wollen lieber eine ruhige Kugel schieben und kümmern sich deshalb um nichts und niemanden. Jammern nützt da aber nichts. Seid einfach nicht so brav und angepaßt. Macht diesen Vorruheständlern doch endlich die Hölle heiß! -2002-

... wer als Grafik-Student nichts lernt, muss zur Strafe in einer Werbeagentur als Quark-Sklave arbeiten. 12 Stunden täglich. 6 Tage die Woche. 3 Euro die Stunde. Frust inbegriffen. Lebenslänglich! -2002-

... Wissen ist wichtig. Allgemeinbildung ist wichtig. Hinterfragt viel. Lernt viel. Lest viel. Schaut Euch die Dinge genau an. Ein mittelmäßiges Ergebnis kriegt ihr schnell verkauft, für ein gutes müsst ihr euch ziemlich ins Zeug legen. -1999-

... Wissen kennt keine Hierarchie. -2005-


Über Presse, Journalisten und Verlage ...

... das Credo unserer Fachpresse lautet: »Wer verdienen will, darf keine eigene Meinung haben«. -2002-

... die Mehrheit der Journalisten sind Datentypisten, die Pressemitteilungen umschreiben und als kreativen Höhepunkt ihr Namenskürzel hinzufügen. -2002-

... solange Verlagsleiter ihren Chefredakteuren die Order geben, sich doch bitte mehr ums Anzeigengeschäft zu kümmern, solange kann ich diese Magazine nicht ernst nehmen. -2002-

... es gibt leider kaum noch Verleger. Sondern nur noch »Bertelsmann-Manager«, die Verlage zu einem Profit-Center umwandeln. -2002-

... früher akquirierten die Väter Anzeigen von Metzgereien für das »Örtliche Telefonbuch«. Heute verkaufen ihre Töchter und Söhne erfolgreich den Grafikern Hochglanzseiten in Design-Annuals. -2001-


Über Trends und Zukunft ...

... wir stehen am Anfang eines multidisziplinären Strukturwandels, mit Auswirkungen, die weitaus gravierender sein werden, als es durch die Typographie Gutenbergs geschah. Arbeit wird zur Tätigkeit, analoge Handlungsweisen werden zur Flexibilität, mechanische Zeit wird zur Echtzeit, Sendemasten ersetzen Bahnhofsuhren, Beschleunigung wird zur Gleichzeitigkeit und unsere Lebensräume und Werte werden sich weiterhin nachhaltig verändern. Wer diese Veränderungen erkennt und konstruktiv nutzt, wird sicherlich zu den Gewinnern gehören. -2003-

... wir werden uns von unserer »Schneller-Höher- Weiter- Mentalität« verabschieden müssen. Qualität, Nachhaltigkeit und Rhythmus werden wichtiger als Quantität, Kürze und Takt. -2003-

... die klassische Werbung ist passee. Spätestens am Ende dieses Jahrzehnts werden intelligente Super-Echtzeit-Netzwerke eine neue, individuelle und intelligente Kommunikation ermöglichen. -2003-


Über Typographie ...

... Typographie bedeutet nicht, Buchstaben zu tippen, sondern Gedanken sichtbar und verständlich zu machen; in der Art, dass Inhalt, Schrift und Bild ein optisch und didaktisch befriedigendes Ganzes ergeben. -2008-

... du musst die Regeln der Typographie kennen, bevor du sie brechen kannst. Das ist ganz, ganz wichtig. Erst lernen, dann brechen! -07.2003

... erst durch die Typographie konnten Ideen und Wissen maschinell reproduziert werden. Ohne Typographie sind Humanismus, Aufklärung, die Entdogmatisierung der Wissenschaft im Ursprung Galileis und Keplers sowie die Liberalisierung undenkbar. Anders ausgedrückt: Ohne die Typographie würden die 5er-BMW-fahrenden Shareholder Values-Typen noch immer mit den Händen Kartoffeln ausgraben. -2003-

... ich widerspreche ausdrücklich all denjenigen, die behaupten, Typographie müsse sich unterordnen, leise sein und sie hätte keinen Bezug zum sprachlichen oder emotionalen Inhalt eines Textes. Genau das Gegenteil ist real. Ein Buchstabe ist keinesfalls kategorisch unbedeutend. Die Wahl der richtigen Schrift und deren mikrotypographischer Implementierung kann äußerst produktiv sein oder ziemlich genau das Gegenteil bewirken. Ein Liebesgedicht von Rilke und die Betriebsanleitung für einen Vibrator sind zweierlei. Werkdruckpapier und ein VGA-Monitor sind zweierlei. Theorie und Praxis sind zweierlei. Tut mir leid meine Herren, die Erde ist rund und die Typographie bricht gerade aus dem Getto des Stehkragenproletariats aus! -2003-

... heute stehen sämtliche Thesen über die »richtige und gute« Typographie auf dem Prüfstand. Typographie bedeutet nicht mehr eine »Times« in Cicero von links oben nach rechts unten - im besten Sinne Tschicholds - zu setzten. Unsere Kommunikationsmittel, unsere Kommunikationszielgruppen und unsere Lese- und Betrachtungsgewohnheiten sind so different und schnelllebig geworden, dass Typographie heute sowohl Handwerk, technisches Wissen, Lehre als auch Wissenschaft beinhaltet. Wer sich heute ernsthaft der Typographie widmet, muss sich folglich auch für visuelle und phonologische Prozesse beim Lesen, Lesbarkeitsforschung, Wahrnehmungspsychologie und der Organisation von Hirnprozessen beim Betrachten einer typographierten Flash-Animation beschäftigen. -2002-

... Buchstaben können ziemlich sexy sein. So hat z.B. das gemeine "g" eine ziemlich erotische Wirkung auf mich. Ganz abgesehen vom „Q“ einer Renaissanceantiqua im Schnitt eines gemeinen Kapitälchens. -1996-

... Typographie ist für uns ein wichtiger Gestaltungsparameter. Wir investieren deshalb sehr viel Zeit in diesen Bereich der Gestaltung. Wir wählen Schriften immer sehr überlegt aus und überlassen nichts dem Zufall. Wir testen sie immer auf ihre Anwend- und Lesbarkeit. Jeder Buchstabe, jeder Abstand und jeder Leerraum wird von uns bewusst realisiert. Wir entwickeln für jede Arbeit eine typographische Auszeichnungshierarchie, die den Leser bzw. Betrachter so angenehm wie möglich durch unsere Arbeit führen soll und die ihn hoffentlich nicht langweilt. -2000-

... ich bin ein Lyriker unter den Typographen. -2001-

... Schriften haben schon vor Jahrhunderten ihre perfekten Formen gefunden. Wer glaubt, heute noch eine Schrift entwickeln zu können, die schöner ist als eine von William Caslon oder von Giambattista Bodoni, der hat vermutlich wenig verstanden. -2000-

... deutsche und schweizer Typographen sollten sich nicht nur mit Tschichold und der linearen Anordnung einer Grotesk auseinandersetzen. Sie sollten öfters einmal ein TDC-Annual studieren, ohne nach der zehnten Seite Magensausen zu bekommen. -1998-

... die meisten Typographen in Deutschland bekommen schon einen kleinen Orgasmus, wenn sie eine kursive Sabon mit einer fetten Imago mischen. -2001-

... eigentlich müsste die Helvetica Germanica heißen. -1994-

... die meisten Typographen sind zu ihrem Schutz dogmatisch geworden. -2000-

... alle Top-Grafikdesigner die ich kenne, sind auch leidenschaftliche Typographen. -2006-


Über Vereine und Verbände ...

... viele Vereine, beispielsweise die TGM oder der TDC Deutschland, dienen primär nur noch den wirtschaftlichen Interessen einiger weniger Personen, die diese ehemals gemeinnützigen und ehrenwerten Vereine rücksichtslos für sich instrumentalisiert haben. -2002-

... warum ist für den einen oder anderen Kollegen die Bekanntgabe seiner Mitgliedschaft beim TDC »New York« (Erwachsene $ 110,-, Studenten $ 40,-) wichtiger, als die beim ADAC »München« (Erwachsene EUR 37,84, Studenten EUR 0,-)? Bietet der ADAC eigentlich nicht mehr fürs Geld? -3/2004-

... ich halte es da ganz wie Groucho Marx: Vereine, die solche Typen wie mich als Mitglieder aufnehmen, sind mir äußerst suspekt. -2002-


Über Werbeagenturen und Werbung ...

... wir sind zu dick. Wir sind zu hässlich. Glatzen sind out. Dicke Dinger in. Geiz ist geil und ohne Hugo Boss bist du kein Mann. Nur mit Premiere gibt es noch gute Zeiten und nur Miracoli bringt Leben an den Tisch ... Ich bin doch nicht blöd. -2003-

... über zwei Drittel der deutschen Werbung ist unbeschreiblich dümmlich, unästhetisch und humorlos. Sie spiegelt den intellektuellen und kulturellen Anspruch unserer Werbeagenturen und Unternehmen wieder. -2003-

... eine Bekannte hat mir erzählt, dass sie bei Jung von Matt an der Alster gegen 5.30 Uhr früh nachgerechnet haben, wie hoch ihr Stundenlohn eigentlich ist. Die morgendliche Milchmädchenrechnung in der Box Rot ergab stolze 6 Mark. Nun frage ich mich ernsthaft, ob ich meiner Putzfrau vielleicht zu viel bezahle. -2002-

... die klassische Werbung ist tot. Wir erleben gerade den Anfang vom Ende. Die nächsten Jahre werden ein Sodom und Gomorrha für deutsche Werbeagenturen. -2001-

... gute Gestaltung und Typographie in deutschen Werbeagenturen? Unterhalten sie sich doch mal mit einem Art- oder Kreativdirektor über Gestaltung und Typographie. Spätestens nach fünf Minuten weiß der doch gar nicht mehr, worüber ich mit ihm rede. -2000-

... die meisten Werber, die ich kennengelernt habe, haben noch nie Rilke gelesen, verwechseln Fraunhofer mit einer Kneipe und halten Paganini für ein belegtes Brötchen. -2000-

... Werber unterfordern grundsätzlich die Leute. Mein Statement: Schluss mit dem Terror der Verständlichkeit und haltet die Leute nicht für blöde! Denn das Modell »Nürnberger Trichter« funktioniert nicht. -2000-

... für manch einen Werber ist es leider wichtiger, für eine bekannte Marke 08-15 Jobs zu erledigen, als Qualität für eine unbekannte Firma zu produzieren. -1999-

... was mir spontan zu Werbern einfällt? Weiß sein, schön sein, schick sein, reich sein. -2000-

... Kurt Weidemann: Sag mal Wolfgang, kann es sein, dass du keine Werber magst? Wolfgang: Merkt man mir das etwa an? -7.3.2004-


Über Wettbewerbe [Awards] ...

... die Zeit der idealistischen Wettbewerbe ist leider vorbei. Denn jedes Provinzei veranstaltet heute einen, jeder macht mit, jeder juriert und jeder gewinnt. Eine wahre Inflation der Mittelmäßigkeit. -2002-

... seit Ende 2002 nehme ich prinzipiell nicht mehr an Design-Wettbewerben teil. Denn ich musste leider immer wieder feststellen, dass nahezu alle Veranstaltungen zu einer niveaulosen Geschäftemacherei verkommen sind. Ambitionslose »Verwerter« dealen nur noch mit den Arbeiten von uns Kreativen. Inhalte sind ihnen völlig egal. Es geht ihnen ausschließlich nur noch um Teilnahmegebühren und Anzeigen in Jahrbüchern, Zeitschriften und Websites sowie um ihr eigenes Image. Zahlst Du nicht, existierst Du nicht. Das Beste Beispiel dafür ist das Designzentrum NRW. Ursprünglich aus öffentlichen Geldern finanziert, hat es heute AGB´s wie eine Bank, Teilnahmebedingungen wie eine Messegesellschaft und Kostenforderungen bei Teilnahme, die in die Abertausende gehen können. Und wozu? Nur noch dumpfe Geschäftemacherei, die nichts mehr mit Designförderung zu tun hat. Denn zur gleichen Zeit werden Lehraufträge und Professorenstellen an den FH´s für Gestaltung gestrichen, unzählige Designer leben unter dem Existenzminimum, tausende von Agenturen wurden liquidiert und kein Normalbürger weiß, was ein Designer eigentlich ist und macht. Fragen sie doch einmal ihre Mutter, was ein reddot ist? Mal ehrlich: Wissen sie eigentlich, was Design ist? -2003-

... viele Agenturen und Büros senden nur noch Placebos oder sogar Plagiate zu Design-Wettbewerben ein, also extra dafür produzierte Werbemittel in geringer Auflage, die unter Alltagsbedingungen niemals produziert worden wären. Oft engagieren sie dafür auch gut bezahlte Freelancer und stellen dafür Etats in sechsstelliger Höhe per annum bereit. Im realen Arbeitsalltag produzieren sie dagegen nur unscheinbaren und mittelmäßigen Output. -2003-


Über Wettbewerbspräsentationen ...

... ich nehmen grundsätzlich nicht an Wettbewerbspräsentationen teil. Wieso auch? Erstens. Die meisten Anfragen sind unprofessionell vorbereitet und sowohl kaufmännisch als auch juristisch nicht verifiziert. Zweitens. Eine Arbeit kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie im interaktiven Prozess mit dem Auftraggeber entsteht. Drittens. Wie soll ich mit Blindtexten und Placebofotos gestalten? Resümee. Wettbewerbspräsentationen sind schwachsinnig und nur was für Rambos. Sie bieten in der Regel keine sinnvolle Entscheidungsgrundlage. -1996-

... jede Pupsfirma lädt heute zur Wettbewerbspräsentation ein. Und Hinz und Kunz sind scheinbar auch noch froh, an diesem seltsamen Ritual teilzunehmen. -2002-

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