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Berliner Wirtschaftsgespräche

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Berliner Wirtschaftsgespräche

Vom Labor zur Qualitätswirtschaft – Die Herausforderung für Berlin!

Vom Labor zur Qualitätswirtschaft – Die Herausforderung für Berlin! Ateliergespräch am 5.4.2011 im Atelier Beinert in Berlin. Podiumsdiskussion mit Caroline Bakte, Wolfgang Beinert, Günther Faltin und Tim Renner. Moderation: Angela Pritzkow. Thematische Organisation: Berliner Wirtschaftsgespräche e.V. Dienstag, 5. April 2011 um 19:00 Uhr im Atelier Beinert | Berlin

 

Berlin – die Stadt der Kreativen in Deutschland. Unzählige Kreativschaffende arbeiten in sogenannten Laboren, ein Zusammenschluss in kleinen Unternehmen oder Bürogemeinschaften, häufig jedoch ohne wirtschaftliches Gesamtkonzept. Denn es soll der Kreativprozess im Vordergrund stehen – der marktwirtschaftliche Wert der Arbeit und dessen adäquate Vermarktung wird häufig als lästiger Störfaktor begriffen. Sieht so das Qualitätsunternehmen als Wirtschaftsmotor für Berlin aus? Diese und andere Fragen wurden mit Caroline Batke (Zampano Studios, Berlin, www.zampano-studios.com), Wolfgang Beinert (Atelier Beinert, Berlin, www.beinert.net), Prof. Dr. Günther Faltin (Freie Universität Berlin, www.fu-faltin.de), Tim Renner (Motor Entertainment, Berlin, www.motor.de) debattiert. Angela Pritzkow (F3 Marketing, Berlin, www.f3-marketing.de) moderierte dieses Gespräch.

 

Resümee


 

Und täglich grüßt das Murmeltier …

Nicht nur Bill Murray und Andie MacDowell sitzen in einer Zeitschleife fest. Scheinbar durchlebe ich als »Kreativer« ein ähnliches Schicksal. Zumindest was die Diskussion zur Design- und Kreativwirtschaft betrifft. Und da ich bei dieser Podiumsdiskussion leider auch kein hilfreicher Protagonist war – und dieser »Groundhog Day« auch nicht unbedingt zu meinen konstruktivsten Tagen zählte – bat ich kurzer Hand meinen Kollegen Christhard Landgraf, meine Rolle als Advocatus Diaboli zu übernehmen. Und wenn schon, denn schon – dann schicke ich gleich auch noch eine kritische Anmerkung von meinem Kollegen Jochen Heyermann hinterher …

Christhard Landgraf (zappo – Agentur für Kommunikation, Berlin): Kuscheln in der Kreativecke – Muss Berlin etwas für seine Kreativen tun?«.

Christhard Landgraf (zappo – Agentur für Kommunikation, Berlin): Kuscheln in der Kreativecke – Muss Berlin etwas für seine Kreativen tun?«.

 

Gastkommentar von Christhard Landgraf: Kuscheln in der Kreativecke oder kreative Explosion?


Ein Gespenst geht um in der Welt. Das Gespenst der Kreativität. Waren die Kameras schuld? Wie im richtigen Fernsehen wurde auch auf diesem Podium nicht so richtig diskutiert. Das wäre nicht ganz so schlimm, wenn die dargelegten Standpunkte wenigstens etwas zur Erhellung des Gegenstandes der Diskussion beigetragen hätten oder neue Sichten zu erkennen gewesen wären.

Was war geschehen, dass Wolfgang Beinert und viele Weitere von diesem Tag, der als »Vorhersage-Tag« (Groundhog Day) erwartet wurde, enttäuscht waren?

1. Die Murmeltiere sind an der mit ihnen verknüpften Voraussage wenig interessiert.
2. Das Murmeltier wird nicht gefragt.
3. Laut Recherchen und Statistik liegt die Trefferquote der Murmeltiere nach unterschiedlichen Rechnungen bei 20 bis 59 %.

Aber jetzt von vorn. Um Klarheit zu schaffen, hatte ich für mich im Vorfeld das Thema etwas umformuliert: »Kuscheln in der Kreativecke – Muss Berlin etwas für seine Kreativen tun?« Folgende Teilaspekte wurden dann bei der Analyse als relevant erachtet: Wer oder was ist Berlin? Wer oder was sind Kreative? Wer oder wie, warum oder wann arbeitet man zusammen? Wer oder was ist Qualität? Wie geht wirtschaften? Was erwarten wir von der Zukunft? Wie wollen wir den Weg dorthin gestalten?

 

Wer oder was ist Berlin?

Für die einen zu dreckig, für die anderen zu wenig stylisch, für anderen wieder gottlos – vergleichende und bewertende Aussagen sind wenig hilfreich. Berlin ist ein abgegrenztes räumliches Gebiet, in dem eine große Anzahl von Menschen ständig leben, Berliner und Berlinerinnen, und eine weniger große Anzahl von Menschen, die nur temporär hier leben, die Gäste – ein Kulturraum mit hoher Verdichtung. Berlin ist also nicht die Berliner Wirtschaft, auch ist es nicht die Berliner Politik oder die Berliner Verwaltung. Berlin sind immer alle. Also stehen alle Berliner und Berlinerinnen zusammen mit ihren Gästen vor einer Herausforderung.

Wolfgang Beinert (Atelier Beinert, Berlin): »… die Kreativen sollten nicht nur ständig Hilfe und Projektmittel einfordern, sondern sie sollten sich für Berlin engagieren. Nicht nur reden, sondern tun ...«.

Wolfgang Beinert (Atelier Beinert, Berlin): »… die Kreativen sollten nicht nur ständig Hilfe und Projektmittel einfordern, sondern sie sollten sich für Berlin engagieren. Nicht nur reden, sondern tun …«.

 

Wer oder was sind Kreative?

Um keine Grundsatzdebatte zu führen, würde man im vorliegenden Fall »alle Mitwirkenden in der Kultur- und Kreativwirtschaft« bezeichnen. Das ist ungefähr so klar wie »alle Spitzköpfe [1] haben spitze Köpfe«. Ein Anderes ist die Unterscheidung in Schöpfer, im Sinne einer ideellen Wertschöpfung, und in Verwerter. Eine weitere ist die in die Angsthasen, die Faulen, die Streber, die Mutigen und die Ausgebufften, Raucher und Nichtraucher. Weitere Schubladen sind: Gamer, Designer, Musiker, Texter, Produzenten, Programmierer, Filmer, Regisseure, Maler, Bildhauer … Freie, Freelancer, Angestellte und Beamte. Es ist aber weniger hilfreich immer das Trennende zu suchen, besser ist es sich der Gemeinsamkeiten zu besinnen: Kreative sind die Schöpfer ideeller Werte oder immaterieller Güter. Sie stehen am Anfang jeder ideellen Wertschöpfungskette [2].

Tim Renner (Motor Entertainment, Berlin): »… Kleinteiligkeit entstand durch die Digitalisierung …«. Beinert: »… Netzwerke sind meist Placebos. Erst wenn man etwas hineingibt kann man Profit daraus ziehen«.

Tim Renner (Motor Entertainment, Berlin): »… Kleinteiligkeit entstand durch die Digitalisierung …«. Beinert: »… Netzwerke sind meist Placebos. Erst wenn man etwas hineingibt kann man Profit daraus ziehen«.

 

Wer oder wie, warum und wann arbeitet man zusammen?

In diesem Abschnitt der Diskussion wurde die Bedeutung der Netzwerke wieder über alle Maßen strapaziert. Aber was ist ein Netzwerk? Ein System, das eine gewisse Organisation besitzt oder, auf die soziale Ebene transformiert, eine lose Selbstorganisation einzelner Individuen. Ein solches Netzwerk bringt noch keine Idee hervor, birgt a priori keine Dynamik in sich. Dazu bedarf es einer Verdichtung des Netzes zu einem Cluster. In einem Cluster haben die Individuen gemeinsame Interessen, ein gemeinsames Ziel. Cluster überschreiten die Grenze der losen Selbstorganisation hin zu einer engen, aktiven, sich gegenseitig befruchtenden Zusammenarbeit über den Rahmen der gleichen Herkunft hinaus. Damit wird aus einem passiven Haufen eine dynamische Form – vielleicht auch ein Labor.

Caroline Batke (Zampano Studios, Berlin): »… über vielen Spieleentwicklern schwebt das Damoklesschwert der Insolvenz …«.

Caroline Batke (Zampano Studios, Berlin): »… über vielen Spieleentwicklern schwebt das Damoklesschwert der Insolvenz …«.

Prof. Dr. Günter Faltin (Freie Universität Berlin): »… Kommerzialisierung ist der Tod!«.

Prof. Dr. Günter Faltin (Freie Universität Berlin): »… Kommerzialisierung ist der Tod!«.

 

Wer oder was ist Qualität?

Eine verbreitete Einstellung ist die Bewertung und damit die Qualitätskennzeichnung von Artefakten unter Ausschluss ihres Bezugssystems, außerhalb der ihr zugedachten Funktion und ihrer potentiellen Benutzer. Erschwerend kommt hinzu, dass dieser rein ästhetische Diskurs eine ausschließlich urteilende Komponente besitzt, und damit eine Begründung, Rechtfertigung nach sich zieht, eine Deutungshoheit, Machtanspruch postuliert. Wenn hingegen Qualität außerhalb von Ästhetik diskutiert wird, geht es um technische, handwerkliche oder ingenieurtechnische Fähigkeiten. Der Begriff der gestalterischen Qualität sollte im Zusammenhang mit gestalterischer Verantwortung neu belebt werden.

Die Diskutanten: Caroline Batke (Zampano Studios, Berlin), Wolfgang Beinert (Atelier Beinert, Berlin), Angela Pritzkow (F3 Marketing, Berlin) Tim Renner (Motor Entertainment, Berlin) und Prof. Dr. Günther Faltin (Freie Universität Berlin). Renner: »… fehlendes Coaching …«. Prof. Faltin: »… kleine Unternehmen müssen sparsam wirtschaften …« Batke: »… Finanzierung von Qualifizierung muss unterstützt werden …«.

Die Diskutanten: Caroline Batke (Zampano Studios, Berlin), Wolfgang Beinert (Atelier Beinert, Berlin), Angela Pritzkow (F3 Marketing, Berlin) Tim Renner (Motor Entertainment, Berlin) und Prof. Dr. Günther Faltin (Freie Universität Berlin). Renner: »… fehlendes Coaching …«. Prof. Faltin: »… kleine Unternehmen müssen sparsam wirtschaften …« Batke: »… Finanzierung von Qualifizierung muss unterstützt werden …«.

 

Wie geht wirtschaften?

Unternehmerische Qualität, da hat Prof. Faltin Recht, hat mit Betriebswirtschaft nichts zu tun. Im unternehmerischen Handeln, oder Entrepreneurship, ist Kreativität ein unabdingbarer Bestandteil neben Motivation, Initiative, Realitätssinn, Nachhaltigkeit und noch weiteren, genau wie kreatives Arbeiten Motivation, Initiative, Realitätssinn, Nachhaltigkeit … mit einschließt. Entrepreneurship sollte für jeden Kreativen darum selbstverständlich sein und zur Erweiterung seiner Kreativität beitragen.

 

Was erwarten wir von der Zukunft?

Die einen fragen nach internationalen Spitzenleistungen, die anderen fordern das Überleben der Beteiligten ein. Da wir oben festgestellt haben, dass Kreative auch Menschen sind, können wir die Frage an die Gesellschaft zurückgeben. Aber bitte an die Gesellschaft und nicht an die Wirtschaft oder die Politik.

Angela Pritzkow (F3 Marketing, Berlin): »… Nähe zur Industrie herstellen, damit Geld hierbleibt und nicht nur Ideen mitgenommen werden …«.

Angela Pritzkow (F3 Marketing, Berlin): »… Nähe zur Industrie herstellen, damit Geld hierbleibt und nicht nur Ideen mitgenommen werden …«.

 

Wie wollen wir den Weg dorthin gestalten?

Die Idee von einem Masterplan, der die Kreativwirtschaft nach vorn bringt, ist doch aus dem 20. Jahrhundert. Das ist die Suche nach einer messianischen Idee, welche Heilserwartung erfüllen soll. Da braucht es keiner systemischen Betrachtungsweise, dass dieser heterogene Haufen nicht über einen Kamm, sprich Masterplan, geschert werden kann und ohne die Mitwirkung aller Beteiligten jegliches Unterfangen zum Scheitern verurteilt ist. Wolfgang Beinert hat mit seiner Idee, der Initiierung des Designcenter Berlin DCB, eine neue Phase eingeläutet. Das Designcenter Berlin will Teilnehmer aus der Kreativwirtschaft mobilisieren, Teile des Kreativ-Netzwerkes zu einem Cluster zu verdichten und echte Synergien erzeugen. Es wird ein weiter Weg sein und von dem Engagement und Entrepreneurship der Beteiligten abhängen, ob das DCB erfolgreich sein wird.

Susanne Zippel (Design Studio for Visual Communication & Special Letters, Berlin und Suzhou): » ... wo siedeln sich den in Berlin für die Werschöpfung relevante Betriebe an? Wo bitte? Und was tut die Politik? Ich sehe da nichts ...«.

Susanne Zippel (Design Studio for Visual Communication & Special Letters, Berlin und Suzhou): » … wo siedeln sich den in Berlin für die Werschöpfung relevante Betriebe an? Wo bitte? Und was tut die Politik? Ich sehe da nichts …«.

Kevin Robert Michelson (Marketingwerkbank, Berlin): Auf die Frage nach dem Nutzen dieser Veranstaltung: »… es geht um Qualifikation auf der einen Seite und Bekanntmachen der eigenen Leistung auf der anderen …«.

Kevin Robert Michelson (Marketingwerkbank, Berlin): Auf die Frage nach dem Nutzen dieser Veranstaltung: »… es geht um Qualifikation auf der einen Seite und Bekanntmachen der eigenen Leistung auf der anderen …«.

Monika Offermann (Zitty Verlag, Berlin): »... und ich vermisse da eine Frage ...«.

Monika Offermann (Zitty Verlag, Berlin): »… und ich vermisse da eine Frage …«.

Ingo Krehl (Mediengestalter, Berlin): « ... wenn in der Kreativ-Branche eine Reinigung in Richtung Qualität stattfinden soll, müssen die Auftraggeber auch wissen was Qualität ist - um Qualität fordern zu können ...«.

Ingo Krehl (Mediengestalter, Berlin): « … wenn in der Kreativ-Branche eine Reinigung in Richtung Qualität stattfinden soll, müssen die Auftraggeber auch wissen was Qualität ist – um Qualität fordern zu können …«.

Gunda Wichmann (Wichmann & Cose, Berlin).

Gunda Wichmann (Wichmann & Cose, Berlin).

Dirk Kiefer (Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes, Berlin): »... nur in Netzwerken können es die Kreativen schaffen ...«.

Dirk Kiefer (Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes, Berlin): »… nur in Netzwerken können es die Kreativen schaffen …«.

Lucas Fester (Konzept + Design, Berlin) und Anke Klensang (Webdesign).

Lucas Fester (Konzept + Design, Berlin) und Anke Klensang (Webdesign).

Juli Gudehus, Berlin

Juli Gudehus (Designerin, Berlin).

 

Was habe ich aus diesem Groundhog Day gelernt?

Sicher ist, wenn man sich in der Kreativ-Ecke einrichtet, alte Standpunkte wiederholt und auf den Segen aus der Politik, sprich Masterplan, hofft, wird alles wohl ein weiterhin ungehörter Monolog bleiben. Es sollte der Diskurs mit der Gesellschaft gesucht werden, um Rolle und Bedeutung immaterieller Werte wie Kreativität und Urheberschaft und deren Schöpfung innerhalb von Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt zu bestimmen. Den Status quo erhalten zu wollen, zeugt nicht gerade von der viel beschworenen Kreativität. Im Nachhinein ist dieser Abend dann doch nicht so schlecht, wie zuerst empfunden. Wenn das Thema und seine Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen und damit auch der kreative Zukunft Berlins, neues Denken, weitere Optionen und mehr Akteure erschließt, hat die Veranstaltung ein Ziel erreicht. »Kreative Explosion in und für Berlin« oder wie der Trendforscher Horx in seinem Trend Report 2010 formuliert: Kapitalismus 3.0 wird der kreative Kapitalismus sein. Der kreative Kern übernimmt die Macht. Kreative aller Länder vereinigt euch! Christhard Landgraf Berlin, 14. April 2011

[1] »Die Spitzköpfe und die Rundköpfe« von Bertold Brecht. [2] Für die in der Veranstaltung aufgeworfene Frage nach unternehmerische Fähigkeiten und Qualifikation der Kreativbranche empfehle ich allen die Studie »Kultur- und Kreativwirtschaft: Wachstumspotenzial in Teilbereichen« Deutsche Bank Research, 2. März 2011 von Thomas F. Drapp und Phillip Ehmer.

 

Gastkommentar von Jochen Heyermann: »SoundCheck«


Susanne Zippel (Design Studio for Visual Communication & Special Letters, Berlin und Suzhou), Diana Langhof (Unternehmensberaterin und Business Coach, Berlin), Jana Faust (Das Grafik-Büro, Berlin), Jochen Heyermann (Kontext Kommunikation, Berlin), Sigrid und Ingo Krehl (Webdesign und Typographie, Berlin) sowie Ana Drua (Kommunikationsdesignerin, Berlin).

Von links: Susanne Zippel (Design Studio for Visual Communication & Special Letters, Berlin und Suzhou), Diana Langhof (Unternehmensberaterin und Business Coach, Berlin), Jana Faust (Das Grafik-Büro, Berlin), Jochen Heyermann (Kontext Kommunikation, Berlin), Sigrid und Ingo Krehl (Webdesign und Typographie, Berlin) sowie Ana Drua (Kommunikationsdesignerin, Berlin).

 

Lieber Herr Beinert,
jeden Freitag stellen vier Musikjournalisten im »SoundCheck« bei Radioeins vier CD-Neuerscheinungen  zur populären Musik vor und bewerten diese. Das Bewertungssschema ist denkbar einfach: Entweder »Hit«, »Geht so« oder schlicht und einfach »Niete«. Übertrage ich dieses Schema auf das Ateliergespräch vom 5. April 2011, lautet meine Wertung »Geht so«.

Warum? Vier Diskutanten rieben sich, von einer mäßig vorbereiteten Moderatorin »befeuert«, am Thema »Kreativwirtschaft«. Die Diskussion ergab wenig neue Impulse. Ich ging mit dem Gefühl, das Gesagte – so oder ähnlich – schon einmal gehört zu haben. Was war anders an diesem Abend?  Die Veranstaltung hatte einen Mit-Veranstalter, die Berliner Wirtschaftsgespräche e.V., eine Instutution, die in Berlin so ziemlich jede Sau durch’s Dorf treibt, die seitens der Berliner Politik und Senatsverwaltung als relevant erachtet wird.

Eine Lehre dieses Abends: Auf Mit-Veranstalter, so man sie als nützlich erachtet, ist Rücksicht zu nehmen.  Und es gab – anders als sonst – keine Einzelperson, deren Persönlichkeit, Werk und Vision den Mittelpunkt bildete, sondern es waren Sparten (Game-Industry, Kommunikationsdesign, Musikwirtschaft) sowie der Meta-Aspekt Unternehmertum (Entrepreneurship), der mit den zuvor genannten Sparten nicht zwangsläufig in einem Atemzug genannt werden kann. Dies alles wurde (weil es nicht recht zusammenpasste) mit entsprechendem Reibungsverlust »abgearbeitet«.

Was zeichnet die (bisherigen) Ateliergespräche aus? Wie ich schon sagte, die Biographie, das Werk, die Philosophie einer einzelnen Persönlichkeit, die den Fokus des Abends bildet. Das ist etwas Besonderes, und dieses Besondere haben viele andere Veranstaltungen in dieser Stadt nicht. Wolfgang Beinert ist meines Erachtens gut beraten, wenn er dieser (seiner) Linie treu bleibt und das Format »Ateliergespräch« querab zum Kommunikations-Mainstream positioniert. Anders als die PR-Referenten der Verbände, die ihren Vorgesetzten ständig Verlautbarungsbühnen bauen müssen, kann er sich den Luxus leisten, eine Lanze zu brechen: Für Kleinverleger aus Passion (Hannes Wanderer), für Lehrer mit Charisma (Olaf Leu), für Biographen mit dem Blick auf’s Besondere (Horst Moser über Paul Renner).

Schöne Grüße

Jochen Heyermann
Berlin, 12. April 2011

 

Zu guter letzt Zum Schluss noch herzlichen Dank an die Diskutanten für ihre Mühen und ihre Zeit, an Angela Pritzkow für die inhaltliche Vorbereitung, an Hanna Steinke und Philipp Horrichs von den Berliner Wirtschaftsgesprächen sowie an Christina Sautter für die Schnappschüsse. Und natürlich jeweils ein Merci an Christhard Landgraf und Jochen Heyermann für die schriftlichen Beiträge sowie an meine Gäste, die wieder ins wilde und dunkle Kreuzberg 36 fanden.

Wolfgang Beinert
Everything good is fragile … Save it!
Berlin, 15. April 2011

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